DIGETECH des Social Impact Lab Frankfurt am Main im Interview

© DIGETECH – Digitale Gesundheitstechnik

Im Social Impact Lab in Frankfurt am Main tummeln sich einige spannende Startups und Projekte. Im Rahmen der Interviewreihe „Fünf Fragen an … „ stellen sich die neuen Mitglieder des Labs unseren Fragen. Dieses Mal: DIGETECH – Digitale Gesundheitstechnik.

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Unser Social Startup Projekt heißt „DIGETECH – Digitale Gesundheitstechnik“ und arbeitet an der Nutzung des Potenzials von Virtual Reality (VR) in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Langfristig planen wir eigene VR Anwendungen für die Schmerz- und Angsttherapie zu entwickeln und deren Wirkung wissenschaftlich zu validieren. Hierzu stehen wir insbesondere mit der Universität Marburg in engem Austausch. Aktuell fokussieren wir unsere Kräfte stark im Bereich Altenarbeit und Barrierefreiheit, da dort Virtual Reality sinnvoll zur Schaffung von Teilhabe und Inklusion und zur Vermittlung neuer Lebensfreude genutzt werden kann. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem DRK Soziale Dienste Rhein-Main-Taunus setzen wir derzeit Pilotprojekte um. Unser Gründerteam besteht aus dem Sozialwissenschaftler und Politikstudenten Frederik Grösche, der Psychologin und Medizinstudentin Mareike Jannermann und dem Ingenieur und Entrepreneurship-MBA-Absolventen Tobias Buchwald.

Oftmals sind es einschneidende Erlebnisse, die Menschen zu großartigen Ideen bringen. Was war der Auslöser für Eure Idee?

Wir haben für einige Zeit im Ausland gelebt und dabei fiel uns auf, dass insbesondere unsere Großmütter die Anstrengungen einer längeren Reise nicht mehr auf sich nehmen wollten. Schnell wurde uns bewusst, dass viele Orte, die man als gesunde Person besuchen kann, für alte und behinderte Menschen nicht (mehr) zugänglich sind. Das gab für uns den Ausschlag, sich mit dem Einsatz moderner Technik zu beschäftigen. Wir wollten solche Orte wieder erfahrbar machen und ihnen eine Möglichkeit geben, an den Lebenserfahrungen anderer teilzuhaben. Insbesondere der mehrmonatige Aufenthalt von Tobias in den USA führte dazu, dass er VR Anwendungsfälle in verschiedenen Bereichen erleben und das Potenzial der Technologie begreifen konnte. Mit der Zeit entwickelte sich daher die Idee, das psychologische Potenzial des vollständigen Eintauchens in eine virtuelle Welt stärker in den Fokus zu nehmen – speziell heute noch vollständig per Fantasiereise durchgeführte Therapien wollen wir mit Hilfe von VR in den nächsten Jahren verändern.

Herausforderungen hat jedes Start-Up. Hattet Ihr mit welchen besonders stark zu kämpfen?

Sich mit einer innovativen Technologie, wie Virtual Reality, in einem neue Technik eher zögerlich annehmendem Land zu beschäftigen warf zu Beginn für uns ein großes Problem auf: Zwar hat jeder schon mal von VR gehört, doch nur wenige Personen haben sich im Detail mit VR beschäftigt. Somit war es teilweise schwer, den möglichen Nutzen gerade im Gesundheits- und Sozialbereich verständlich zu machen – viele fragten uns, wie denn alte Menschen und Technik zusammenpassen würden. Anstatt nun aufzugeben und die Idee einfach in der Schublade verschwinden zu lassen, hat uns diese Haltung eher noch ermutigt weiterzumachen. Uns wurde klar, dass dieser Sektor bereit für eine Disruption durch neue Technologien war, denn kaum jemand wollte sich mit ihnen beschäftigen. Als Unternehmer ist Feedback einzuholen enorm wichtig, dabei muss man aber darauf achten, wie man die unterschiedlichen Aussagen wertet bzw. vor welchem Hintergrund sie getroffen wurden.

Gerade bei einer neuen Idee passiert am Anfang ganz viel. Was sind Eure nächsten Schritte und Ziele?

Wir konnten vor kurzem unsere ersten beiden namhaften Referenzkunden aus dem Sozialbereich akquirieren. Mit diesen werden wir Projekte im Bereich der Barrierefreiheit bzw. Altenarbeit umsetzen. Hierauf sind wir natürlich sehr stolz, da es für uns einem Gütesiegel gleich kommt, solch etablierte Unternehmen von uns überzeugt zu haben. Ebenfalls freuen wir uns, dass wir neben dem Social Impact Lab Frankfurt auch von der Großkanzlei Hogan Lovells und besonders der Universität Marburg sehr starke Unterstützung erhalten. Unter anderem planen wir, zeitnah gemeinsame Studien durchzuführen, um den Nutzen von VR wissenschaftlich zu belegen. Zudem konnten wir das Land Hessen von unserem Projekt überzeugen, sodass wir ab Juli durch ein Gründerstipendium gefördert werden. Neben der Durchführung bereits akquirierter Pilotprojekte stehen die weitere Akquise neuer Projekte sowie die Wandlung bisheriger Projekte in dauerhafte Partnerschaften als nächste Schritte an.

Jeder fängt klein an und braucht ab und an Hilfe. Habt Ihr Tipps von anderen erhalten, für die ihr sehr dankbar seid und die Ihr gerne weitergeben möchtet?

Wir sind über sehr viele Erfahrungen und Tipps unglaublich dankbar, die wir von Anderen erhalten haben und die uns in unserer Anfangsphase weitergeholfen haben. Speziell fällt mir aber folgender Rat ein, der sicher auch für viele andere Gründer wichtig ist: Während eines unserer ersten Workshops im Social Impact Lab wies uns Michael Wunsch darauf hin, dass es bei frühen Startups oft dazu käme, dass man sich in zu viele Richtungen verrenne. Anstatt die wichtigen Dinge zu tun und bei einer Sache zu bleiben würde man mehrere Dinge parallel stemmen wollen. Dies führe dann zu einer Streuung der eigenen Ressourcen und somit zu einer verringerten Wirksamkeit. Für junge Unternehmen seien die drei wichtigsten Eigenschaften daher: Fokus, Fokus und Fokus.

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