SHARDS – die Stadt als Rohstoffmine für neue Fliesen

© SHARDS

Jeder von uns recycelt mehr oder weniger – wir recyceln Hausmüll, Plastik, Elektroschrott, etc. etc. In Deutschland sind das allerdings immer noch nur rund zwei Drittel aller Abfälle. Bauschutt wird größtenteils per downcycling wiederverwertet, beispielsweise als Sand für Tennisplätze, als Untergrund im Straßenbau oder zur Verfüllung von Baugruben. Lea Schücking, Leya Bilgic und Moritz von Galen entwickeln mit ihrem Konzept SHARDS durch Upcyling aus altem Bauschutt neue, einzigartige Fliesen, die selbst wiederverwertet werden können.

Aus Bauschutt wird Fliese

Fliesen von SHARDS werden aus alten Ziegeln oder recyceltem Glas hergestellt, die Lea, Leya und Moritz von Recyclingunternehmen beziehen. Schon vorsortiert zerkleinern Lea und ihr Team die Materialien und zaubern daraus Fliesen-Unikate in Creme, Ocker, Schwarz, Grün und Türkis. Schon verschiedene Sonneneinstrahlungen verändern die Farben der Materialien und damit auch das Endprodukt. Die Zusammensetzung, das Rezept für die Fliese sozusagen, hängt von dem gerade vorhandenen Bauschutt ab. „Unser Angebot an Fliesen ist immer das Essen der Saison“, erklärt Leya.

SHARDS verzichtet auf Karstgestein

Materialien und deren Verwendungsmöglichkeiten faszinierten Gründerin Lea schon immer. Erste Experimente startete sie mit der Weiterverwertung von Ziegeln und stellte fest, dass sie eine große Bandbreite an Farben daraus gewinnen konnte. Während einer Reise nach Westtimor in Indonesien lernte Lea eine Kooperative webender Frauen kennen. Die Webkooperative kämpfte zu dieser Zeit in einem Sitzstreik gegen den Karstabbau in ihrer Region. Karstgestein ist enorm wichtig für die Biodiversität einer Region, denn es trägt dazu bei Wasserkreisläufe zu steuern. Zement wird aus Karst gewonnen und damit auch Zementfliesen, die gern zur Gestaltung von Böden und Wänden eingesetzt werden. Umweltschützer versuchen seit Jahren auf das Problem aufmerksam zu machen, denn Zementgewinnung verursacht 8 % aller weltweiten CO2 Emissionen. Der Aufenthalt in Indonesien inspirierte Lea mit Bauschutt-Materialien nachhaltige Fliesen zu entwickeln. Mittlerweile wird SHARDS durch das EXIST-Gründerstipendium gefördert und das Interesse an den Fliesen ist groß.

Ein Kreislauf aus Materialien

Für die kommenden Jahre werden neben Investoren auch neue Mitarbeiter:innen und ein Unternehmensstandort gesucht. Um höhere Mengen der Fliesen herzustellen braucht es außerdem Maschinen. Das Ziel des SHARDS-Ansatzes ist einen kompletten Kreislauf von Materialien zu schaffen. „Jeder, der Bauschutt besitzt, sollte sich an uns wenden können und beispielsweise mit den Ziegeln eines alten geerbten Hauses eigene Fliesen herstellen lassen.“

Almut Weigel

Kommentar hinterlassen zu "SHARDS – die Stadt als Rohstoffmine für neue Fliesen"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*