Mit „Leonhard“ vom Knasti zum erfolgreichen Unternehmer

26.11.2012 – social-startups.de hat hier schon über das interessante Gefängnis-Projekt „Stricken im Knast“ berichtet. Heute geht um das Sozialunternehmen Leonhard (www.leonhard.eu), mit dessen Hilfe Sträflinge das Gründen lernen.

leonhard

© Foto: Leonhard gGmbH

Wege in den Knast gibt es viele. Doch was ist, wenn man die mehrjährige Strafe ausgesessen hat? Viele Menschen stehen dann vor dem Nichts. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum viele wieder in alte Muster verfallen und rückfällig werden. Bernward Jopen und seine Tochter Maren wollen dem mit einer äußerst ungewöhnlichen Idee entgegenwirken.
 
 
 

Den Häftlingen eine Chance zu geben, kann die Rückfallquote senken

Grundlegend muss man sich natürlich fragen, wie man die Rückfallquote bei Strafgefangenen senken kann. Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich leicht gefunden: Man muss den Gefangenen eine Zukunft geben. Doch wie stellt man das an? Wer erst einmal im Knast war, dem wird das immer hinterherhinken. Oder können Sie sich vorstellen, jemanden einzustellen, der eben erst seine fünfjährige Gefängnisstrafe abgesessen hat?

Bernward Jopen und seine Tochter Maren

Bernward Jopen und seine Tochter Maren

„Einmal Lump, immer Lump – mit diesem Vorurteil haben viele Strafgefangene zu kämpfen“, weiß auch Bernwald Jopen. Um den Knastis wieder eine Zukunft zu ermöglichen, gründeten Bernward Jopen und seine Tochter Maren im Jahr 2010 das Unternehmen „Leonhard – Unternehmertum für Gefangene“ – und gaben dafür sogar ihre Jobs auf.

Leonhard ist ein gemeinnütziges Unternehmen mit dem Ziel, die Strafgefangenen unternehmerisch zu qualifizieren. Dadurch können sie nach dem Absitzen der Strafe ihr eigenes Unternehmen aufbauen und werden so unabhängiger von Arbeitgebern. Aus 36 bayerischen Gefängnissen werden die Teilnehmer derzeit rekrutiert und für die Dauer des Seminars in eine zentrale Anstalt verlegt. Jedoch kann nicht jeder Häftling an so einem Seminar teilnehmen, denn für Sie gelten bestimmte Voraussetzungen. Neben bestimmten Grundkompetenzen, wie etwa guten Deutschkenntnissen, dürfen die Sträflinge vor allem keine notorischen Serienbetrüger oder Sexualstraftäter sein.

Die Arbeit von Leonhard besteht aus drei Phasen

Das Programm selbst splittet sich in drei Phasen auf. In der ersten Phase müssen die Seminarteilnehmer die Grundlagen zu Unternehmertum und Wirtschaft pauken. Dabei werden ihnen auch bestimmte Schlüsselkompetenzen und Werte vermittelt. Diese Phase findet noch vollständig im Gefängnis statt. Doch auch nach der Entlassung werden die Teilnehmer durch Seminare weiter begleitet: In der zweiten Phase werden sie bei der Re-Integration und Arbeitsplatzbeschaffung weiter unterstützt. In der letzten Phase leistet Leonhard letztendlich Unterstützung bei der Unternehmensgründung. Während der gesamten zweiten und dritten Phase sichern verschiedene Unternehmer und Führungskräfte ihr Mentoring zu.

Die Finanzierung des Unternehmens erfolgte größtenteils aus der eigenen Tasche

Ein schwieriges Unterfangen, gerade auch bei Unternehmen der „Social Entrepreneurship- Branche“, ist die Kapitalfindung. Für die Startfinanzierung steckten Bernward und seine Tochter 50.000 Euro aus privaten Ersparnissen ins Unternehmen. Weiteres Geld sicherte man sich durch die Internetplattform mysherpas (www.mysherpas.com). Durch Crowdsponsoring bekam man dort über 26.000 € zusammen. Damit zählt es zu den erfolgreichsten deutschen Crowdsponsoring-Projekten Deutschlands. Seit 2012 wird das Unternehmen zu 85% aus dem Europäischem Sozialfond und Spenden finanziert.

Mit ihrem Vorhaben ist das Unternehmen mittlerweile mehrfach ausgezeichnet worden. So hat man 2011 in der Kategorie Gesellschaft der Social Entrepreneurship Challenge „Leuchtturm“ den ersten Platz belegt. Nur ein Jahr später folgte durch die bundesweite Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ eine weitere hochrangige Auszeichnung. Auch hier hat das Konzept in der Kategorie „Gesellschaft“ gesiegt.

Die Idee ist dabei aber keineswegs neu. Als Vorbild für Leonhard, dient das Prison Entrepreneurship Program (PEP) in Texas. Dort ist es bereits gelungen, rund 700 Strafgefangene wieder ein Stück weit in die Gesellschaft zu integrieren. Die Rückfallquote wurde dabei von 70 auf rund 10 Prozent gesenkt.

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