Man muss nicht immer selber gründen: Der soziale Sektor als Arbeitgeber

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Annika Behrendt von Talents4Good

Bei manchen kommt es schleichend, heimlich über Nacht: Das Gefühl, dass etwas fehlt. Obwohl die Arbeit anspruchsvoll und gut bezahlt ist, die Kollegen nett und der Chef willig, sie auf die nächste Verantwortungsstufe zu heben. Immer mehr Menschen sehnen sich nach einem „Job mit Sinn“, nach der Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, Gutes zu tun. Sie sind weder naive Träumer noch hoffnungslose Optimisten und sie finden sich in allen Altersgruppen: Absolventen und Berufserfahrene, Wiedereinsteiger und Menschen kurz vor dem Ende ihrer professionellen Laufbahn.
 
 
Fast 40% der deutschen Bevölkerung hätten ein Interesse daran, in den Sozialsektor zu wechseln; so eine Umfrage von Ashoka und McKinsey. Nur ein Bruchteil davon (8%) macht diesen Wunsch wahr, denn die Unsicherheit ist groß: Was gibt es für berufliche Möglichkeiten im Sektor? Kann ich von meinem Verdienst dort überhaupt leben? Was bedeutet der Wechsel für meine Karriere? Wie finde ich einen Job im sozialen Bereich? In wenigen Branchen scheint das Informationsdickicht so undurchdringlich wie hier.

 

Was sind Jobs mit gesellschaftlicher Wirkung?

Jobs im Sozialsektor, Social Impact Jobs, Good Jobs – es gibt viele Bezeichnungen für Stellen, die bei Unternehmen angesiedelt sind, die sich im Bereich Gesellschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit engagieren.

Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, Stiftungen, NGOs (Non-Governmental Organisations oder Nichtregierungsorganisationen) sind auch denjenigen bekannt, die sich im Sektor nicht auskennen.

Daneben gibt es viele weitere Arbeitgeber: Sozialunternehmen (auch als Social Businesses oder Social Enterprises bekannt) sind Unternehmen, die soziale Probleme lösen, dabei aber wirtschaftlich agieren. Social Businesses sind oft kleine Unternehmen und Start-ups. Daneben gibt es Mittelständler und sogar Konzerne, die nachhaltige Energien, Produkte und Lebensmittel herstellen und vertreiben. Der Stromanbieter Lichtblick, Bionade und Weleda Naturkosmetik sind sicherlich vielen ein Begriff. Auch konventionelle Großunternehmen haben Stellen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsability (CSR) zu besetzen.

 

What if money was no object?

Klar, Geld ist nicht alles. Wer seine Zeit, sein Herzblut und seine Kenntnisse und Fähigkeiten im sozialen Bereich einbringt, mag dennoch kaum mit über 30 wieder in den elterlichen Haushalt ziehen oder von der sprichwörtlichen Hand in den Mund leben. Aufatmen: Zwar können Gründer von Social Start-ups immer noch nicht davon ausgehen, sofort mit ihrer Arbeit viel Geld zu verdienen.

Wer aber eine Stelle z.B. bei einer Stiftung, in einer CSR-Abteilung oder einer NGO annimmt, muss nicht am Hungertuch nagen. Referenten oder Assistenten verdienen beim Einstieg etwa 30.000 € bis 45.000 € brutto pro Jahr. Trainees müssen sich mit Gehältern ab 12.000 € durchschlagen. In Management-Positionen werden immer öfter Gehälter von 60.000 und mehr gezahlt. Auch sind Stellen im sozialen Bereich kein „Dead End“: Vor allem in größeren Unternehmen und Organisationen gibt es vielversprechende Aufstiegsmöglichkeiten.

 

„Controller mit Sinn“, „grüne Geschäftsführung“: Wie finde ich meinen Social Impact Job?

Die Suche nach Good Jobs in den großen Suchmaschinen und in den Stellenangeboten überregionaler Zeitungen ist meist vergeblich. Haben doch nur wenige Unternehmen im Sozialsektor das Budget, ihre Vakanzen über diese kostspieligen Kanäle auszuschreiben. Auch mangelndes Knowhow oder schlicht und einfach die Angst, mit der Flut der Bewerbungen nicht zurecht zu kommen, verhindert oft die Ausschreibung offener Stellen. Viele Jobs werden deshalb „semi-öffentlich“ in persönlichen Netzwerken und über Vitamin B vergeben. Das Problem ist nicht nur, dass dabei interessierte Quereinsteiger in die Röhre schauen. Auch die Unternehmen müssen häufig Kompromisse hinsichtlich der Qualifikation und Eignung der späteren Mitarbeiter eingehen.

Dennoch können interessierte Bewerber inzwischen viele Stellen im Internet finden. Social Businesses, NGOs und CSR-Abteilungen schreiben fast alle auf ihren Webseiten aus – da lohnt es sich, RSS-Feeds zu abonnieren und regelmäßig die Internetpräsenzen zu durchforsten. Einen guten Überblick über die deutsche Social Entrepreneur-Szene erhält man auf den Seiten der Förderorganisation Ashoka.

Viele Stiftungen schreiben ihre Stellen auf der Jobbörse des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen aus. Jobs in der Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit werden häufig auf www.epojobs.de ausgeschrieben, sind aber auch direkt auf den Seiten z.B. der giz zu finden. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet ein Stellenportal.

Daneben gibt es spezialisierte Jobbörsen im Internet, wie z.B. www.csr-jobs.eu, www.nachhaltigejobs.de und www.greenjobs.de. Auf www.talents4good.org finden Sie ebenfalls Ausschreibungen von Unternehmen aus diesen Bereichen.

 

Der soziale Sektor ist besser als sein Ruf

Sicher, einen geraden und transparenten Weg in den Sektor gibt es nicht und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten im Sozialsektor mit denen in der konventionellen Wirtschaft mithalten können. Es ist aber nicht unmöglich, einen Social Impact Job zu finden und darben muss im Sektor (fast) niemand. Wie überall hängt der persönliche Erfolg hier vom eigenen Engagement ab. Sie suchen einen sinnstiftenden Job in einem Unternehmen mit sozialem Mehrwert? Dann lassen Sie sich nicht von den Unkenrufen in Ihrem Umfeld beeindrucken. Haben Sie Mut, schauen Sie sich um, sprechen Sie Leute an, fragen Sie! Nutzen Sie die vorhandenen Möglichkeiten, um sich zu informieren, Ihr Netzwerk aufzubauen und Ihren Fuß in die Tür zu setzen. Talents4Good unterstützt Sie gerne dabei.

Autorin: Annika Behrendt von Talents4Good

 

Über Talents4Good

Talents4Good ist die erste Personalvermittlung für Jobs mit gesellschaftlicher Wirkung in Deutschland. Wir unterstützen Arbeitgeber aus dem sozialen, ökologischen und nachhaltigen Bereich dabei, einzigartige Talente für ihre Unternehmungen zu finden: von der Stellenausschreibung über die Auswahlgespräche bis zur Vertragsunterzeichnung. Bewerbern bieten wir die ersehnten Jobs mit Sinn. Weitere Informationen bekommen Sie auf www.talents4good.org und www.facebook.com/Talents4Good.

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1 Kommentar

  1. Besonders empfehlenswert sind auch das Enorm-Magazin oder Wiwo Green. Außerdem lohnenswert sind Seiten wie http://www.start-green. Ich habe diese Seiten in den letzten Wochen durchforstet. Es war Arbeit, aber es hat sich gelohnt! Alle Social Startups mit den entsprechend zu besetzenden Stellen findet ihr unter http://beyou-bewusstbewerben.de/jobs-mit-sinn/

    Viel Erfolg und Spaß beim Recherchieren und Bewerben!

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