Alisée de Tonnacs Startup-Suche in Schwellenländern

Alisée de Tonnac, ©Dan Cermak

30.06.2017 – 6.000 Startups. Eine Million Preisgeld. Alisée de Tonnac, CEO des Gründernetzwerks Seedstars World, inspiriert uns mit dem spannendsten Gründer-Contest der Welt – und mit der Erfolgsstory ihrer eigenen Startup-Karriere. The Red Bulletin führte ein Gespräch mit der Frau, die es innerhalb von vier Jahren in die Forbes-Liste der 30 wichtigsten Social Entrepreneurs unter 30 brachte. 

Vor fünf Jahren setzte Alisée de Tonnac bei L’Oréal zu einer glanzvollen Managementkarriere an. Dann schmiss die Französin alles hin, ging auf Weltreise und suchte ein Jahr lang in Schwellenländern nach den kreativsten Startups unserer Zeit. Wir treffen die 29-Jährige im Genfer Flux. Sie trinkt stark gewürzten Chai, macht Witze auf ihre eigenen Kosten und behält auf Anhieb die Namen aller Teammitglieder im Raum.

The Red Bulletin Innovator: Frau de Tonnac, was passierte an dem Tag, an dem Sie keine L’Oréal-Managerin mehr sein wollten?

Ich klickte einen Nike-Werbespot mit einem Zitat von Eleanor Roosevelt an: „Tu jeden Tag etwas, das dir Angst einjagt.“ Ein tolles Zitat, das mir klarmachte, wie unzufrieden ich mit meinem Job war. Denn in meinem Leben gab es gar keine Herausforderungen. Alles war eintönig und vorhersehbar.

„Und ich wusste auf Anhieb: Das ist die Entscheidung, die mein Leben verändern wird.“

Andere würden Bungee-Jumpen wählen. Sie gründeten ein Unternehmen und buchten mit einem Mann, den Sie kaum kannten, 20 Flugtickets für eine einjährige Weltreise. Warum?

Einen Monat nachdem ich das Zitat gelesen hatte, lernte ich Pierre-Alain Masson (Mitbegründer von Seedstars; Anm.) kennen. Er erzählte mir von seiner Idee, ein Jahr lang durch die Welt zu fahren, um Startups kennenzulernen. Und ich wusste auf Anhieb: Das ist die Entscheidung, die mein Leben verändern wird.

Was passierte dann?

Pierre und ich gründeten Seedstars und riefen einen weltweiten Wettbewerb für Startups aus. Als Preisgeld legten wir eine halbe Million Dollar fest. Denn die erste Regel für Entrepreneure lautet: Denk von Anfang an groß.

Warum suchten Sie nicht im reichen Westen nach Startups, sondern in finanzschwachen Schwellenländern?

Weil dort echte Aufbruchstimmung herrscht. Zwei Drittel der jungen Menschen, die dort in den nächsten zehn Jahren in den Arbeitsmarkt drängen, werden in Jobs arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Außerdem ist die junge Bevölkerung in Schwellenländern neuen Technologien gegenüber viel aufgeschlossener als wir. In etlichen Ländern Subsahara-Afrikas ist es zum Beispiel längst Mainstream, per Handy zu bezahlen. So weit sind wir bei uns noch nicht.

Woran erkennt man eine gute Idee?

Falsche Frage. Eine gute Idee zu haben ist nicht schwierig. Die Idee erfolgreich umzusetzen – das ist die Kunst. Gibt es einen Markt für deine Idee? Erfüllt dein Angebot ein Bedürfnis? Ist die Umsetzung für dich profitabel? Das musst du klären, bevor du loslegen kannst.

„Im Silicon Valley musst du vor Selbstbewusstsein platzen, in der Schweiz kommt das unsympathisch rüber.“

Im Investor-Pitch lieber zu arrogant auftreten oder zu bescheiden?

Das ist eine kulturelle Sache. Mir kommt vor, im Silicon Valley musst du vor Selbstbewusstsein platzen, hier in der Schweiz kommt das unsympathisch rüber.

Was haben erfolgreiche Gründer gemeinsam?

Wer ein Business gründet, weil er sich davon Geld oder Erfolg verspricht, kann es gleich sein lassen. Du kannst deine Hindernisse nur überwinden, wenn du rund um die Uhr für dein Projekt brennst.

Sie sprechen aus Erfahrung?

Glauben Sie mir, ich bin viele Nächte heulend wachgelegen, weil der Druck so groß war. Aber es war trotzdem die beste Entscheidung in meinem Leben, Seedstars zu gründen.

Was hilft an den Tagen, an denen nichts zu klappen scheint?

Das Wichtigste ist, dass man immer die Balance zwischen Größenwahn und Demut hält. Einerseits braucht man große, ehrgeizige Ziele und eine klare Vision. Doch man sollte auch kritikfähig sein und seine Strategien anpassen, wenn sie keinen Erfolg haben. Und natürlich braucht man ein verlässliches Team und ein gesundes soziales Umfeld, in dem man seine Batterien wieder aufladen kann.

Woher Alisée de Tonnac eine halbe Millionen Dollar Preisgeld erhalten hat, wie sie neue Startups entdeckt, im Investor-Pitch auftritt und was Sie auf ihrer Reise gelernt hat, erfahren Sie im kompletten Artikel in der aktuellen Ausgabe des The Red Bulletin Innovator und auf https://www.redbulletin.com.

(Autor: Alex Lisetz)

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