Was zählt. – Zukunftsmagazin in der Lokalzeitung

Auf der Crowdfunding-Plattform EcoCrowd, die sich auf den Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert hat, tummeln sich einige interessante Ideen und tolle Projekte. In unserer neuen Reihe “Nachhaltigkeit jetzt!” stellen sich die Projektinhaber unseren Fragen. Heute ist das Projekt Was zählt. an der Reihe.

Hallo, könntet ihr euer Projekt kurz vorstellen?

Theresa: Was zählt. ist das Magazin für eine lebenswerte Zukunft in der Region Lüneburg. Wir erzählen lokale Geschichten des Gelingens für alle. Unser Magazin macht Mut zum Quer- und Neudenken des Stadt- und Landlebens, der Arbeitswelt, der Mobilität oder des Konsums in und um Lüneburg. Das Heft soll in Zukunft vier Mal im Jahr in der Landeszeitung für die Lüneburger Heide erscheinen und kostenlos an verschiedenen Orten ausliegen und damit über 30.000 Haushalte erreichen. Wir wollen einen Freundeskreis von Unterstützer_innen aufbauen, damit das deutschlandweit einmalige Projekt binnen zwei Jahren finanziell auf eigenen Beinen steht.

Wann kam euch die Idee für das Projekt?

Anja: Die Idee kam mir 2012. Ich hatte angefangen Artikel für das Oya-Magazin und futurzwei.org zu schreiben und lernte dabei bundesweit Menschen kennen, die längst damit begonnen hatten, selbst etwas anders zu machen statt beharrlich im ankündigenden Weltrettungsmodus zu verharren. All diese Projekte eint, dass sie ihre Region zum Handlungsraum erklärt haben. Beim genaueren Hinsehen traf ich solche Menschen auch direkt vor meiner eigenen Haustür in Lüneburg. Warum also nicht eine lokale Plattform schaffen, wo Nachbarn, Dorfbewohnerinnen, Unternehmer und Lokalpolitikerinnen davon erfahren, was um die Ecke passiert? Im Rahmen des Forschungsprojekts „Initiative Nachhaltigkeit und Journalismus“ an der Leuphana Universität Lüneburg entwickelten wir ein Konzept und stießen bei der Landeszeitung für die Lüneburger Heide von Anfang an auf offene Ohren. Seither sind die Ausgaben „Reparieren statt Wegwerfen“ (Mai 2014), „Man isst, was man isst.“ (November 2014), „Arbeit ist kein Zuckerschlecken?“ (Mai 2015) und „Zukunftsstadt 2030+: Visionen für Lüneburg“ (April 2016) erschienen.

Worin genau besteht die soziale Komponente des Projekts?

Anja: Was zählt. macht den Wandel sichtbar, der Tag für Tag vor Ort passiert. Tüftler und Bürgerinnen schrauben sonntags in den Repair Cafés der Region an kaputten Toastern, Smartphones oder Radios. Bürgergenossen setzen sich für eine Energiewende von unten ein. Demeter-Landwirte hüten den größten Schatz: unseren Boden. Initiativen und Manager sind genauso gefragt wie Kommunalpolitikerinnen, Forscher, Pastorinnen oder Schüler. Was zählt. vernetzt all diese Menschen, regt aber auch diejenigen zum Mitmachen an, die sich bisher noch keine Gedanken über eine lebenswerte Zukunft gemacht haben.

Theresa: Wir wollen Nachhaltigkeit aber nicht nur sichtbar machen, sondern auch selbst nachhaltig sein. Deshalb ist unser Projekt gemeinnützig, das Magazin wird auf umweltfreundlichem Papier gedruckt und der Webhost unserer Internetseite betreibt seine Server mit grünem Strom. Besonders wichtig ist uns, dass wir unseren Mitarbeiter_innen faire Honorare zahlen können. Wir setzen auf konstruktiven Journalismus und geben Bürgerjournalismus Platz. Unsere Texte erscheinen als Creative Commons, das heißt sie dürfen unter Nennung der Quelle für nicht-kommerzielle Zwecke weiterverwendet werden.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Anja: Was zählt. ist nicht-gewinnorientiert und das soll es auch in Zukunft bleiben. In den kommenden zwei Jahren wollen wir einen Freundeskreis von lokalen Unternehmen und Privatleuten aufbauen, die Was zählt. dauerhaft unterstützen. Neben den Leserinnen und Lesern der Landeszeitung, die Was zählt. automatisch bekommen, haben Unternehmen künftig die Möglichkeit, Firmenabonnements abzuschließen. Sie bekommen dann von jeder neuen Ausgabe einen Satz druckfrischer Hefte für ihre Kunden, Mitarbeiter_innen und Freund_innen. So können sie sich auf Messen und bei öffentlichen Auftritten klar zur Nachhaltigkeit positionieren. Ihr Name und das Unternehmenslogo werden sowohl im Heft als auch auf der Website präsentiert. Natürlich kann man Was zählt. auch als Einzelperson abonnieren und so Teil des Freundeskreises werden.

Was ist derzeit die größte Herausforderung für euch?

Theresa: Richtig guter Journalismus braucht Zeit und kostet Geld. Unser Ziel ist es, unsere Protagonist_innen langfristig und rücksichtsvoll zu begleiten. Wir wollen nicht einfach eine gute Story aus ihnen herausziehen, sondern ihnen und ihren Lösungsansätzen gerecht werden. Und wir wollen unseren Mitarbeiter_innen einen fairen Lohn zahlen. Damit wir all diese Ziele erreichen können, brauchen wir Menschen, denen unsere Arbeit Geld wert ist und die konstruktiven Journalismus unterstützen wollen. Förderer zu finden und gleichzeitig den eigenen Idealen treu zu bleiben, das ist manchmal ein ganz schöner Balanceakt.

Was sind eure Ziele für die nächsten 12 Monate?

Anja: In den nächsten zwölf Monaten wollen wir vier neue Ausgaben herausbringen. Nicht mehr als Beilage, sondern zum ersten Mal mitten in der Landeszeitung als Teil der Samstagsausgabe. Dazu wird es ein neues Layout geben mit mehr Platz für aussagekräftige Fotos und Grafiken. Außerdem wollen wir den ersten Schritt zur finanziellen Selbstständigkeit schaffen und zwei Dutzend Unternehmer_innen für den Was zählt.-Freundeskreis gewinnen.

Mit wem würdet ihr euch gerne einmal zum Mittagessen verabreden?

Anja: Ich würde gerne mal mit Jakob von Uexkull zu Mittag essen. Er hat den Alternativen Nobelpreis ins Leben gerufen und sucht mit dem World Future Council in Hamburg weltweit nach Gesetzen, die das Leben enkeltauglich machen.

Theresa: Ich hätte Lust, mit den Leuten von Drehscheibe Mittagessen zu gehen. Das Forum sammelt gute Ideen im Lokaljournalismus, vernetzt Redaktionen und widmet sich damit der Frage, wie Lokaljournalismus unsere Gesellschaft wandeln kann. Da könnte man bestimmt spannende Gespräche führen und sich inspirieren lassen. Oder vielleicht selbst inspirieren?

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