Was hat Social Entrepreneurship mit Zebras zu tun?

In der Unternehmenswelt gibt es sogenannte Einhörner, die nach schnellem Wachstum und Profit streben. Und es gibt Zebras. Zebras sind sowohl schwarz als auch weiß, sie wollen sowohl profitabel als auch nachhaltig sein.

Immer öfter habe ich nun im Zusammenhang mit Social Entrepreneurship das Wort „Zebra“ gelesen und mich gefragt: Was haben soziale Startups mit Zebras zu tun haben?

Von Unicorns spricht man viel in der Startup-Szene — von Zebras weniger

Der Begriff „Unicorn“ ist vielleicht eher bekannt als der des “Zebras”. Und nein, mit Einhörnern sind nicht die weißen Pferde mit einem Horn an der Stirn gemeint. Ein Einhorn ist im Startup-Bereich ein Unternehmen, das es vor einem Börsengang oder Exit zu einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar geschafft hat. In den Club der Unicorns aufgenommen zu werden erreichen aber nur wenige, besonders innovative Startups. Hier gibt es eine Liste von deutschen Einhörnern.

Um das Einhorn-Ziel zu erreichen müssen Unternehmen von Anfang an den Fokus auf schnelles Wachstum und Gewinnmaximierung legen. Oft bleiben dabei aber andere Dinge auf der Strecke. Dieses Streben nach schnellen Gewinnen belohnt Quantität über Qualität, Konsum über Kreation, schnelle Exits über nachhaltiges Wachstum und Aktionärsgewinne über geteilten Wohlstand.

Zebras – die nachhaltigen Unicorns

Im Gegensatz zu jungen Unternehmen auf Unicorn-Kurs konzentrieren sich die sogenannten Zebras nicht nur auf Wachstum und schnelle Skalierung, sondern bringen mit ihren Geschäftsmodellen Nachhaltigkeit und stetigen, wirtschaftlichen Erfolg in Einklang.

Weiße Weste und schwarze Zahlen

Zebra-Unternehmen sind also – genau wie ihre Namensgeber*innen – sowohl schwarz als auch weiß: Sie sind profitabel und verbessern die Gesellschaft. Im Gegensatz zu Unicorn-Startups streben sie nicht nach der maximalen Marktbewertung, sondern arbeiten miteinander für einen kollektiven, positiven Effekt. Die Zebras adressieren gesellschaftliche Herausforderungen und wollen damit ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen. Dafür setzen die Gründer*innen auf Profitabilität und selbst tragende Geschäftsmodelle statt auf schnelles Wachstum. Zusätzlich setzen sie auf konstruktiven Austausch mit Wettbewerber*innen: Wie echte Zebras schließen sie sich oftmals in Gruppen zusammen, sind also gut im Netzwerken. Zebra-Startups halten eine gesunde Balance zwischen Wettbewerb und Kooperation.

Gesellschaftliche Probleme erfordern auch unternehmerische Ansätze

Auch Social Entrepreneur*innen lösen gesellschaftliche, soziale oder ökologische Herausforderungen mit unternehmerischen Mitteln. Sie befinden sich also auch nicht im “Entweder-Oder-Modus”: entweder schnelles Wachstum und Profitmaximierung oder ausschließlich Mehrwert für die Gesellschaft. Sondern verbinden beides in einem nachhaltigen Geschäftsmodell.

Der Ursprung des Zebra-Begriffs

Der Begriff des Zebras wurde 2017 von vier Gründerinnen  in einem Artikel der Medium formuliert. In diesem Artikel klagten die vier die Einhorn-Kultur der Startup-Szene an. Das Problem seien Investor*innen, die ständig auf der Suche nach dem nächsten Einhorn sind. Unter einem System, das Gewinnmaximierung vor echtem Impact priorisiere, leide nicht nur die Umwelt und die Gesellschaft allgemein, sondern auch Startups, die nachhaltig wachsen und einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen möchten. Der damalige Aufruf zu einer neuen Zebra-Kultur wurde von Gründer*innen, Investor*innen und Berater*innen mit großem Interesse aufgenommen und mündete in einer eigenen Bewegung, Zebras Unite, der sich immer mehr Startups anschließen.

Tamara Schiek

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