Vertikales Farming – Big City Strebergarten?

Quelle: Infarms auf Youtube

2500 Kilometer legt eine spanische Biotomate im Schnitt zurück, um nach Deutschland zu kommen nachdem sie teilweise in den Niederlanden umverpackt und wieder exportiert wurde. Rund 17 % aller CO2-Emmissionen werden durch industrielle Lebensmittelproduktion verursacht. Insbesondere lange Entfernungen zwischen Anbau- und Verkaufsstelle verursachen Umweltkosten, die in keiner Unternehmensbilanz auftauchen. Vertikales Farming ist der neue Hoffnungsträger in Zeiten von steigender Urbanisierung, Kritik an der Lebensmittelindustrie und dem Wunsch nach mehr Selbstversorgung. Landwirtschaft findet beim vertikalen Farming in städtischen Gebieten statt, nutzt so urbanen Raum und verkürzt Transportwege zum Endkonsumenten. Fast wie früher bei den Großeltern im Garten – nur mit mehr Hightech.

Der Kräutergarten der Zukunft – Infarm

Mittlerweile gibt es immer mehr Unternehmen, die eigene landwirtschaftliche Geschäftsmodelle entwickeln – so auch Infarm. Das Berliner Start-up plant und errichtet indoor Anbaustationen, in denen Kräuter und Salat direkt in Restaurants und Supermärkten mithilfe einer speziellen Nährlösung gezüchtet werden. Dabei entspricht ein Indoor-System Angaben des Unternehmens zufolge in etwa 250m2 Landwirtschaftsfläche und verbraucht 95 % weniger Wasser und 75 % weniger Dünger als ein herkömmlicher Acker. Alle Indoor Farmen sind über eine Cloud miteinander verbunden und werden remote gesteuert. Geerntet wird unmittelbar von den Anbaustationen, weite Transportwege oder langwierige Lagerungen werden so vermieden und die Pflanzen frisch weiterverarbeitet. Das Unternehmen konzentriert sich in seiner Arbeit auch auf die Suche nach „vergessenen“ Kräutersorten, die durch industrielle Massenproduktion nicht (mehr) angeboten werden. So gehören zum aktuellen Kräuterprogramm verschiedene Senfsorten wie Dijon Mustard, Sauerklee oder Wasabi-Rucola.

Infarm auch im Ausland sehr gefragt

200 Anbaustationen hat Infarm schon in Restaurants und Supermärkten installiert und unterhält 150 weitere Farmen in separaten Logistikzentren zur Belieferung weiterer Abnehmer. In Berlin befinden sich aktuell die meisten der Anbaustationen in bekannten Einzelhandelsketten wie Edeka, Metro oder Auchan. Die Supermärkte sind vom Konzept überzeugt, da es neben dem guten Zweck einen unmittelbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Märkten darstellt. Auch Nachbarländer sind bereits an Bord wie die Schweizer Migros oder die US-amerikanische Supermarktkette Kroger. Zu bekannten Restaurant-Kunden zählen das Neni im Bikini Berlin. Im August letztes Jahr hat Infarm eine neue Series-B Förderung in Höhe von 88 Millionen € erhalten und plant damit weitere Expansionen in den USA und Japan. Auch das Portfolio soll um einen weiteren Geschäftsbereich wachsen: ab 2020 sollen Karotten, Pilzen und Tomaten als erste Gemüsesorten angeboten werden.

Almut Weigel

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