„SitEinander“: Drei Schwestern gründen StartUp, damit Eltern mehr Zeit haben

Hier sind die Gründerinnen von SitEinander zu sehen
16.04.2018 – Gegenseitiges Babysitten, organisiert über eine eigens geschaffene App. Die Idee von Ulrike, Anna-Lena und Henrike Gerber klingt verblüffend einfach. Doch bis die App für SitEinander in die Entwicklung gehen konnte, war hoher persönlicher Einsatz, die intensive Planung der Pilotphase und viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Am 20.04. feiern die Gründerinnen den bevorstehenden Launch. Ein großer Moment für das mittlerweile sechsköpfige Team!

Wie viel Potential die Idee von Ulrike, Anna-Lena und Henrike Gerber hat, erkannten Generation D und Startup Incubator Berlin noch vor der Entwicklung ihres Produkts. Denn SitEinander könnte die Probleme vieler Eltern in Deutschland lösen. Mit beruflichen und privaten Veränderungen lassen Familien regelmäßig ihr soziales Netz zurück. Ohne Hilfe durch Freunde und Verwandte sind die Eltern stark eingeschränkt. Und von flächendeckender Kinderbetreuung ist Deutschland weit entfernt. In vielen Regionen warten Eltern sogar viele Monate auf Kindergartenplätze, da ausgebildete Erzieher und Erzieherinnen fehlen. Gerade in der Kleinkindphase ist zudem oft das Geld für einen bezahlten Babysitter zu knapp. Wo bleibt da Zeit, um den beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit zu planen, Freundschaften und Beziehung zu pflegen, oder sich einfach mal um sich selbst zu kümmern?

„Diese Zeit gibt es nicht“, wissen die Gründerinnen aus Erfahrung. Anna-Lena Gerber ist ausgebildete Erzieherin und studierte BWLerin. Nach beruflicher Tätigkeit in verschiedenen Babysitteragenturen, zum Teil im Ausland, beschloss Anna-Lena, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Ihre Schwestern waren sofort mit an Bord. Henrike hatte zu diesem Zeitpunkt ein Design Thinking Studium abgeschlossen und schon StartUp-Erfahrungen gesammelt. Ulrike Gerber war während ihres geisteswissenschaftlichen Studiums mit ihrem ersten Kind in China. Sie hat heute zwei Kinder und war lange alleinerziehend. So konnte sie ihre persönlichen Erfahrungen von Anfang an bei SitEinander einbringen. Zum Beispiel das Wissen, wie schwierig es ist, andere Menschen um Hilfe bei der Kinderbetreuung zu bitten. „In dringenden Notfällen geht das noch“, erzählt Ulrike. „Wenn es aber um individuelle Freiräume geht, ist schnell auch Scham im Spiel.“

Selbstfürsorge und Vereinbarkeit mit Augenhöhe

Mithilfe eines einfachen Währungssystems verhindert die App solche Schuldgefühle – ganz nach dem Motto „Ich sitte für Dich und Du sittest für mich“. Die Vorteile gegenseitiger Hilfe bei der Kinderbetreuung erlebte Anna-Lena auch während ihrer Arbeit als Erzieherin in einem Heim für Geflüchtete. Gegenüber Social Startups berichtet sie: „Die Menschen dort sind in einer schwierigen persönlichen Situation. Dennoch helfen sich alle ganz selbstverständlich bei der Kinderbetreuung. Jeder passt auf jeden auf! Davon können wir viel lernen.“

Feedback zu SitEinander: "Ich wünschte, ich hätte das gehabt, als meine Kinder klein waren". Via facebook.

Feedback zu SitEinander: „Ich wünschte, ich hätte das gehabt, als meine Kinder klein waren“. Via facebook.

Alle Vereinbarkeitsprobleme dieser Welt kann ihre App nicht im Alleingang lösen. Aber SitEinander liefert einen entscheidenden Beitrag zur Selbstorganisation der Familien unter einander. Das erkannten bereits einige Initiativen: Schon bevor Anna-Lena, Henrike und Ulrike Gerber überhaupt ein Produkt vorweisen konnten, gewann ihre Idee verschiedene Preise, so zum Beispiel den 2. Platz beim Social Business Wettbewerb von Generation D. Dabei wies man die Gründerinnen auf zwei Schwierigkeiten für die weitere Finanzierung und Sponsorensuche hin: Es gäbe keine Softwareentwicklung direkt im Team, und das vorzeigbare Produkt fehle noch. „An beidem haben wir die letzten Monate intensiv gearbeitet“, freuen sich die Schwestern. „Wir haben mittlerweile zwei Entwickler, und die Arbeit an der Android App geht schnell voran“.

Wie wichtig die Kontakte über die SitEinander-App sind, zeigen die vielen glücklichen Rückmeldungen aus der Pilotgruppe mit 66 Familien. „Das war unser ‚Proof of Concept‘“, sagt Anna-Lena. „Das Bedürfnis nach einfach zu organisierender, gegenseitiger Hilfe ist enorm, und unsere Eltern erzählen uns, wie sie durch unser Konzept zusammenwachsen. Wir wissen nun, was SitEinander kann, und können es kaum erwarten, die Entwicklung voranzutreiben.“ Die App schafft auf diese Weise selbst ein soziales Netz und ermöglicht Eltern das Kennenlernen und Zueinanderfinden.

Hier ein Glückwunsch an die Teilnehmenden der Pilotphase von SitEinander

Kinderbetreuung als StartUp – klassisches Frauenthema?

Für Social Startups frage ich mal ganz frech, ob die Idee der Gründerinnen in der StartUp-Szene eigentlich belächelt wird. Weil es erneut Frauen sind, die sich um die Kinderbetreuung kümmern. „Ja, das haben wir bereits erlebt“, erklärt Anna-Lena. Doch solange Care-Arbeit immer noch hauptsächlich von Frauen übernommen wird, müssen wir das Problem fehlender Kinderbetreuung lösen“, fügt sie hinzu. „Wenn wir dazu mit SitEinander einen Beitrag leisten können, ermöglichen wir vielen Frauen, sich auch um ihre beruflichen Projekte zu kümmern. Zum Glück erhalten wir dahingehend vor allem Zuspruch“.

Tatsächlich begünstigt unser System seit vielen Jahren eine klassische Aufteilung, in der nur einer der Partner arbeitet. Und die Zahl von Menschen, die wegen Familienaufgaben aufhören zu arbeiten, steigt in den letzten Jahren wieder an: 12% der Eltern geben ihre Erwerbstätigkeit nach der Geburt eines Kindes ganz auf – oft sind es die Frauen, und häufig tun sie dies gleich für viele Jahre. Mit steigenden Kosten und unsicheren Renten aber verträgt sich dieses Lebensmodell nicht. Und schon gar nicht mit der Idee, mehr Frauen zur Existenzgründung zu motivieren. Denn Anna-Lenas, Ulrikes und Henrikes Beispiel ist immer noch eher die Ausnahme. Der deutsche Startup Monitor spricht von gerade einmal 13,9% weiblichen Gründungen. In der Social Startup-Szene ist der Anteil etwas höher. Dabei wissen wir heute um den Beitrag, den Frauen in Gründerteams leisten. SitEinander kann gerade für junge Frauen auch Beispiel und Vorbild sein.

Anna-Lena, Henrike und Ulrike Gerber von SitEinander

Launchparty und nächste Schritte

Um möglichst bald eine iOS-Version zur Verfügung stellen zu können, starten die Gründerinnen von SitEinander unmittelbar nach dem Launch ein Crowdfunding. Über Ostern wurde hierfür geprobt, gedreht und geschnitten. „Wir wollten etwas machen, das unser Team, unsere Idee und unsere Familien authentisch wiedergibt“, erzählt Henrike. „Man könnte sagen, wir haben nicht nur vor, den Betreuungsmarkt zu revolutionieren, sondern auch die Crowdfunding-Videos. Auf jeden Fall dürfen alle gespannt sein!“

Wir wünschen dem Team eine großartige Party, eine erfolgreiche Betaphase und einen tollen Start ins Crowdfunding!

(Autorin: Julia Schönborn)

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