Halbtags selbstständig – wie funktioniert eine Gründung im Nebenerwerb? 2/2

Nicht jede Existenzgründung setzt voraus, dass man direkt in Vollzeit in das Unternehmen einsteigt. Wir zeigen, was bei einer Teilzeit-Gründung zu beachten ist.

Vorteile einer Gründung im Nebenerwerb

Da nebenberufliche Gründer/innen finanziell durch die Hauptarbeitsstelle abgesichert sind, sind sie nicht auf den schnellen Erfolg der eigenen Gründung abhängig, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dies ermöglicht es, verschiedene Ideen auszuprobieren, ohne damit hundertprozentiges Risiko einzugehen. So können andere Ziele als schneller Umsatz im Vordergrund stehen, wie die langfristige Positionierung oder das Erlernen neuer Fähigkeiten. In manchen Fällen ist auch eine Kooperation mit dem Hauptarbeitgeber möglich. Eventuell reicht das Gehalt aus der Festanstellung sogar für kleinere Investitionen und den Aufbau des eigenen Unternehmens aus. Der Teilzeit-Gründer finanziert sich also im besten Fall durch sein „Hobby“ selbst. Ein Hobby sollte der Aufbau des Nebengeschäfts tatsächlich sein. Ein Hobby , für das man brennt. Ansonsten könnte es schwierig werden, immer die nötige Motivation aufzubringen, sich nach der hauptberuflichen Arbeit den Herausforderungen des Nebenjobs zu widmen.

Herausforderungen

Zeit – die Herausforderung schlechthin. Durch die feste Arbeitsstelle steht nur eine beschränkte Anzahl an Stunden für das eigene Unternehmen zu Verfügung: vor oder nach der Arbeit und am Wochenende. Das führt zwangsläufig dazu, dass manche Dinge über einen längeren Zeitraum hinweg bearbeitet werden müssen. Hier ist eine sorgfältige Planung sowie gute Kundenabsprache das A und O. In besonderen Phasen, beispielsweise, wenn der Launch eines Produktes oder der Abschluss eines Projekts bevorsteht, nehmen sich manche Teilzeit-Unternehmer auch schon mal ein paar Tage des Jahresurlaubs, um mit voller Kraft daran arbeiten zu können.

Machen oder kaufen

Telefonannahmen, das Programmieren der Website, Buchhaltung – aufgrund der Zeiteinschränkung ist gerade bei Teilzeit-Unternehmern die Make-or-Buy-Entscheidung kritisch. Da durch die Hauptanstellung Geld eher vorhanden ist als Zeit, tendieren viele Teilzeit-Gründer zu „buy“. Also dazu, eine Dienstleistung oder ein Produkt von externen Anbietern zu beziehen, statt sie selber herzustellen. Werden bestimmte Tätigkeiten von Dritten erledigt, kann die begrenzte Zeit der Teilzeit-Unternehmer häufig produktiver und effizienter eingesetzt werden. Eine Make-or-Buy-Analyse kann bei solchen Entscheidungen helfen.

Nachteile

Eine nebenberufliche Gründung bringt eine Doppelbelastung mit sich und bedeutet, dass weniger Zeit für Freizeit, Freunde und Familie übrig bleibt. Um Hauptjobs, nebenberufliche Selbstständigkeit und Sozialleben unter einen Hut zu bringen, ist gute Planung ein Muss. Auch manche Kunden, Partner, Investoren oder Lieferanten können die nebenberufliche Selbstständigkeit negativ auslegen. Hier muss gut argumentiert werden können, weshalb man trotzdem die bessere Wahl gegenüber einem anderen, hauptberuflichen Unternehmen ist. Und auch die Gründung im Nebenerwerb kann scheitern – entstandene Schulden müssen dann aus Erspartem oder dem Gehalt abgearbeitet werden. Viele erfolgreiche Gründungen zeigen, dass es trotz der Herausforderungen funktionieren kann – auch ohne jede Woche über 70 Stunden zu schuften. Auf der Webseite von Sidepreneur, die deutsche Comunity für nebenberuflich Selbstständige, gibt es außerdem zahlreiche hilfreiche Tipps.

Hier geht es zu Teil 1

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