Nachhaltiger Schmuck oder “Was ist unfair an meinem Schmuck?”

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Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln und Klamotten haben wir – im besten Fall – alle schon auf dem Schirm. Doch ein Bereich fehlt oftmals noch: Schmuck. Dabei ist gerade der Bergbau kein leichter Arbeitsplatz – für Mensch und Natur. Denn der konventionelle Abbau von Edelmetallen ist ein knochenharter Job, der oft unter menschenunwürdigen Bedingungen stattfindet und durch die Verwendung chemischer Zusatzstoffe extrem schädlich für Mensch und Umwelt ist.

Gefahren für Mensch und Umwelt beim konventionellen Abbau

Woher stammt das Gold und das Silber Deines Schmuckes? Auch beim Modeschmuck, das vergoldet oder versilbert wurde spielt die Herkunft des Rohstoffs eine große Rolle. Es ist ein Metall, das in Silberminen abgebaut wird. Und die Umstände in diesen Minen sind oft sehr schlecht. Denn Edelmetallabbau findet dort statt, wo die Rohstoffe sind und die Arbeitskräfte billig. Das ist zum Beispiel in Afrika der Fall. Dort graben Goldgräber*innen teilweise 400 Meter tiefe Tunnel – ohne Maschinen, mit improvisierten Gerüsten und ohne Schutzausrüstung. In der Miene selbst hantieren die Menschen mit bloßen Händen mit Quecksilber, um den Goldstaub von der Erde zu trennen. Dabei ist Quecksilber für den Mensch giftig. In die ganz engen, tiefen Schächten können meist nur kleine Kinder krabbeln. Und oftmals laufen die Schächte mit Wasser voll oder stürzen ein. Hinzu kommt, dass die wertvollen Rohstoffe nicht selten gewalttätige Konflikte befeuern. Und auch auf die Umwelt haben die Minen einen negativen Einfluss. Denn durch sie werden ganze Ökosysteme zerstört.

Leider können wir oft die Herkunft des Goldes und Silbers, aus denen unser Schmuck besteht, nicht nachvollziehen. Denn es gibt keinen Stempel, der sagt, aus welcher Miene das Metall kommt. Doch auch für Gold gibt es mittlerweile eine Fairtrade-Zertifizierung. Die Zertifizierung garantiert den Minenarbeiter*innen bessere Arbeitsbedingungen, fairere Preise und legt Umweltstandards fest. Hier findest Du eine Liste von Goldschmieden und Juwelieren in Deutschland, die Fairtrade-Gold anbieten. Auch Fairtrade-zertifiziertes Silber gibt es. Das Silber fällt als Nebenprodukt der Goldgewinnung an, wodurch dieselben Standards wie für Fairtrade-Gold gelten. Auch okeo-fair.de bietet eine Liste von Initiativen, die sich für fairen Schmuck einsetzen.

Fairer Schmuck – Was Du beim Schmuckkauf beachten solltest

Ja, Fairness und Nachhaltigkeit haben auch bei Schmuck ihren Preis. Aber sind eine gesunde Umwelt und Menschenleben nicht unbezahlbar? Bei der Bezeichnung „fairer Schmuck“ muss jedoch etwas aufgepasst werden. Denn nur weil ein Produkt mit dem Begriff „fair fashion“ betitelt wird, heißt das nicht gleich, dass die Rohmaterialien fair gewonnen wurden. „Fair“ kann sich nämlich auch nur auf die Verarbeitung beziehen. Ob es aus Mienen mit fairer Bezahlung und ökologisch nachhaltigem Edelmetallabbau stammt ist dabei oft nicht klar.

Grundsätzlich gibt es drei Methoden, faire Edelmetalle für seinen Schmuck zu bekommen: den fairen und sozialverträglichen Abbau der Edelmetalle, den öko-sozialverträglichen Abbau der Edelmetalle und das Recycling von alten Schmuckstücken. Bei ersterem wird auf faire Arbeitsbedingungen geachtet, wie faire Bezahlung, Arbeitssicherheit, Gleichberechtigung von Frauen und keine Kinderarbeit. Wenn dann auch noch darauf geachtet wird, dass kaum oder gar keine Chemikalien eingesetzt werden, dann ist das Edelmetall auch noch ökologisch. Alternativ kann auch aus altem Schmuck – zum Beispiel aus alten Ringen, Ketten oder Ohrringen von Oma und Opa – neuer Schmuck gemacht werden.

Schmuck aus recycelten Materialien – eine Alternative?

Lilian van Trapp ist Schmuckdesignerin ihres gleichnamigen Labels und engagiert sich bei der NGO Earthbeat Foundation für fairen Schmuck. Für ihre eigenen Schmuckkreationen verwendet sie laut ihrer Website ausschließlich recyceltes Gold. Durch das Wiederverwenden von Gold wird die Umwelt nicht nochmal neu belastet. Woher das Gold jedoch stammt, das recycelt wurde, ist nicht bekannt.

Auch das Startup Stahlpink, über das wir hier berichteten, verwendet recyceltes Silber für ihren Schmuck. Produziert wird der Schmuck beider Unternehmen in Goldschmieden in Deutschland. Schmuck aus recycelten Mineralien sind eine nachhaltige Alternative, da für die neuen Schmuckstücke keine weiteren Rohstoffe abgebaut werden müssen. Die Herkunft und wie die Edelmetalle jedoch gewonnen wurden, ist dabei trotzdem oft unbekannt.

Edelmetall aus ökologisch und sozialem Bergbau

Wo seine Edelmetalle herkommen, weiß der Goldschmied Jan Spille ganz genau. Er ist der faire Pionier der deutschen Schmuckbranche. Seit 2003 verarbeitet er als erster Goldschmied in Deutschland Eco- und Fairtrade-Edelmetalle und -Edelsteine. Die Rohstoffe bezieht er aus Bergbaukooperativen in Afrika.

Kennst Du Startups oder Unternehmen, die fairen Schmuck verkaufen? Dann lass es uns in den Kommentaren wissen oder schreib uns!

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Eine kleine Anmerkung der Redakteurin: In diesem Artikel ging es nur um Edelmetalle. Doch auf Edelsteine trifft  genau dasselbe zu. Informiere Dich hierfür gerne bei der Initiative Fair Trade Minerals & Gems e.V. oder bei Utopia.

Tamara Schiek

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