Trotz Behinderung – Ali Yildirim von begleithilfe.de im Interview

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Ali Yildirim

22.01.2015 – Die Social Impact gGmbH ist im September letzten Jahres eine Kooperation mit dem Colabor Köln eingegangen und hat erstmals Stipendiaten in der Rheinmetropole in das Social Impact Start Programm aufgenommen. Einer der vier Stipendiaten ist der fast komplett blinde Ali Yildirim aus Aachen. Er stellt sich und sein Projekt begleithilfe.de vor.

Hallo Ali, könntest du dich und dein Projekt kurz vorstellen?

Mein Name ist Ali Yildirim, ich bin gebürtig aus Aachen und 36 Jahre alt. Ich habe an der RWTH-Aachen BWL studiert, danach u.a. in den Niederlanden, in Spanien und auf Jersey gearbeitet. 2009 bin ich zurück nach Aachen und habe das Unternehmen CoboCards gegründet. Um die Zeit fing auch so allmählich die Erblindung an, so dass ich heute eine Restsehfähigkeit von unter 2% besitze.

Dies hält mich jedoch nicht davon ab, ein neues soziales Startup zu gründen. Es heißt begleithilfe.de und ist auf der gleichnamigen Webseite zu finden. Die Vermittlungsplattform wird einmal Begleitpersonen an behinderte und ältere Menschen vermitteln, die wie ich alltägliche Dinge wie einkaufen oder reisen nicht mehr alleine bewältigen können.

Wie kam dir die Idee für das Projekt?

Im Mai 2014 wollte ich auf eine Messe in Frankfurt, musste den Besuch jedoch absagen, da keine Begleitperson zur Verfügung stand. Eine Recherche nach Diensten, über die man Begleitpersonen buchen konnte, war erfolglos. Also dachte ich, dass ich selbst eine Lösung bieten muss. Schließlich ist der Bedarf in der immer älter werdenden Bevölkerung sehr groß.

Was genau ist der Social Impact des Projekts und was möchtest du bewirken?

Das Problem ist, dass ältere und behinderte Menschen kaum soziale Teilhabe aufgrund ihrer Situation haben. Sie gehen kaum hinaus. Kino-, Theater- oder Shoppingausflüge sind rar. Wagt man doch den Schritt alleine nach draußen, bringt man sich und eventuell andere in Gefahr. Mein Projekt soll für mehr Flexibilität und Freiheit im Leben dieser Menschen sorgen. Sie sollen auch einmal spontan und kurzfristig etwas tun können, ohne sich nach den Terminen der Angehörigen zu richten. Den Angehörigen möchte ich eine Gelegenheit bieten, sich zu entlasten.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Das Geschäftsmodell kennt man z.B. von der Putzhilfevermittlung. Betroffene suchen das Portal auf, geben Zweck, Zeitpunkt und Dauer ein. Die Plattform sorgt für das Matching. Anschließend kann die Begleitperson gebucht werden. Ein Teil der Buchungsplattform behalte ich als Gebühr ein. Der Rest geht an die Begleitperson.

Was ist derzeit die größte Herausforderung für dich?

Wie bei allen anderen Startups auch, die Finanzierung. Mit ihr steht und fällt das Projekt. Ich benötige zunächst Kapital für das Design und die Entwicklung der Plattform. Da diese aufgrund der Zielgruppe absolut barrierefrei sein muss, sind die Kosten eventuell etwas höher als bei gewöhnlichen Seiten. Ich bin derzeit auf der Suche nach Förder- oder Stiftungsgeldern. Falls hier kein Erfolg zu verzeichnen ist, gibt es da noch das Crowdfunding über Social Impact Finance, das – nach meinem Wissenstand – jeder Stipendiat in Anspruch nehmen darf.

Was erwartest du von der Aufnahme in das Colabor-Programm?

Vor allem Know-how aus dem Bereich des Social Entrepreneurship und ein breites Netzwerk an potenziellen Financiers, Stakeholdern und Interessenten. Der Austausch mit den Fachberatern und Mentoren hilft, seine Idee in die richtigen Bahnen zu lenken. Oft verrent man sich. Da ist es gut, wenn andere einem eine andere Sichtweise auf das Projekt aufzeigen.

Was sind deine Ziele für die nächsten 12 Monate?

Zuerst möchte ich meinen Businessplan fertig stellen und die Juroren von Social Impact in der Midterm-Review davon überzeugen, dass es mit mir weitergehen soll. Hiernach steht das Design und die Entwicklung der Plattform an, für das ich nach Geldgebern Ausschau halte. Mitte 2015 würde ich dann gerne mit einem Prototyp in Aachen oder in Nordrhein-Westfalen starten und erste Begleitpersonen auf die Seite zu ziehen versuchen. In zwölf Monaten dürfte für mich klar sein, ob ich hier ein tragfähiges Modell habe, dass ich dann bundesweit ausrollen kann.

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