Insekten essen – eine nachhaltige Alternative?

Insekten© Snack Insects

Müsli mit gefriergetrockneten Larven, Burger-Pattys aus gemahlenen Würmern und Grillen in der Geschmacksrichtung Sauerrahm und Zwiebel. Was erstmal eklig klingt, könnte das Essen der Zukunft sein.

Denn Insekten sind reich an Proteinen und lassen sich, im Vergleich zu Fleisch, umweltfreundlicher züchten. Bei der Zucht von Insekten wird – im Vergleich zur Viehzucht – weniger landwirtschaftliche Fläche, Wasser und Futter benötigt, um dieselbe Menge Protein zu erzeugen. Damit sind sie besser für die Umwelt und einer der nachhaltigsten tierischen Proteinquellen. Warum also nicht einfach unseren Speiseplan um Insekten erweitern?

Insekten-Startups erobern die Supermarktregale

Erst im Januar 2018 hat eine EU-Verordnung (Novel-Food-Verordnung) den Weg für Food-Startups geebnet, die Lebensmittel aus Insekten verkaufen. Zuvor waren Krabbeltierchen in Deutschland nicht als Lebensmittel zugelassen. Hersteller*innen müssen zwar nach wie vor einen Antrag stellen, aber auch die ersten Startups haben bereits losgelegt.

Ganze Gerichte aus Insekten

Plumento Foods, ein junges Startup aus Pforzheim, war eines der ersten Unternehmen, das seine Produkte auf den Markt gebracht hat. Das 2017 gegründete Startup kreierte erst eine Pasta mit Insektenpulver, dann gewürzte Insekten zum Knabbern oder verfeinern von Gerichten und danach einen Falafel-Mix angereichert mit Grillenmehl. Das Osnabrücker Startup Bugfoundation stellt hingegen einen Fleischersatz für Burger-Patties her – und zwar aus Würmerlarven.

Insektenprotein für Sportler*innen

Das Kölner Startup Isaac brachte im April 2018 das erste Proteinpulver mit Insektenprotein auf den EU-Markt. Damit wollen sie eine ökologischere Alternative zu konventionellem Whey-Protein (Molkepulver) schaffen, das viele Sportler*innen nutzen, um Muskeln aufzubauen. Der hohe Proteingehalt ihrer Proteinpulver sei ideal für Sportler*innen, so die Webseite.

Kleine Snacks und Toppings

Die beliebteste Produktkategorie unter den Insekten-Startups scheint der Proteinriegel zu sein. Fast alle Startups haben sie in ihrem Sortiment. Auch Snack Insects aus Schleswig-Holstein, aber eher unkonventionell. Gründer Folke Dammann hatte vor fünf Jahren eine Lücke in der EU-Regelung entdeckt, die nur von „Insektenteilen“ sprach, nicht von ganzen Tieren. Und so packte er einfach ganze Würmerlarven und Grillen auf Riegel, Eis und Schokoladen. Nach und nach kamen auch Granola und Insektennudeln hinzu. In Sachen Proteinriegel ist zudem auch das Kölner Startup Swarm Protein unterwegs.

Auch das Münchner Startup Wicked Cricket profitiert von der genannten Gesetzeslücke und positioniert sich als Insektenmanufaktur. Ihre gerösteten Insekten können als Topping für Salat oder als Mini-Snack genossen werden – frei von Konservierungsstoffen und in Bio-Kunststoff PLA verpackt. Das Insekten-Startup aus Brandenburg, Native Foods, produziert hingegen verschiedene Cracker und Tortilla-Chips mit Grillenmehl – und anderen leckeren Zutaten. So wollen sie den Markt für nachhaltige, proteinreiche Snacks revolutionieren.

Insekten auf dem Hundefuttermarkt

Auch auf dem Hundefuttermarkt setzen ein paar Unternehmen auf Insektenbasis. Die Vision des Duisburger Startups Futterzeit ist es beispielsweise, den Fleischanteil im Hundefutter durch Insekten als gesunde Alternative  zu ersetzen. Bisher kann Trocken- und Nassfutter online bestellt werden. Bald sollen Snacks nachkommen. Auch das aus einem Forschungsprojekt an der Universität Potsdam entstandene Startup TeneTrio verkauft Hundesnacks und -futter, deren Basis Insekten sind. Wir berichteten bereits hier über das Startup.

Trotz des Fortschritts trauen sich Investor*innen noch nicht

So revolutionär wie Lebensmittel aus Würmern und Heuschrecken auch sein mögen, die Nudeln, Pülverchen und Snacks sind auch vergleichsweise teuer – obwohl sie aufgrund der relativ günstigen Anzucht günstiger sein sollten als Fleisch oder vergleichbare Produkte.

In Deutschland dürfen aber bislang keine essbaren Insekten gezüchtet werden. Die Startups müssen ihre krabbelnden Zutaten daher aus Kanada, Thailand und den Niederlanden beziehen – Zollprobleme mit eingeschlossen. Auch große Investoren blieben bisher meist aus, da der Insekten-Trend noch skeptisch beäugt wird. Die deutschen Gründer*innen haben die Produktion größtenteils selbst bezahlt, finanzieren sich aber auch über staatliche Förderprogramme und Crowdfunding-Kampagnen.

Tamara Schiek

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