Innatura rettet Produkte, die in der Krise nicht verkauft wurden

Innatura-Gründerin Dr. Juliane Kronen © Innatura

Sozialunternehmen helfen Benachteiligten, schützen die Umwelt oder schaffen Bildungszugang – und betreiben damit gleichzeitig ein funktionierendes Geschäftsmodell. Die Krise ist für sie eine besondere Herausforderung: Sie müssen nicht nur Umsätze retten, sondern auch ihre gesellschaftliche Mission.

Bonventure hat sechs Gründer*innen gefragt, wie sie mit der Situation umgehen. Ihr Ideenreichtum beeindruckt. Und obwohl einige Unternehmen aktuell sogar gefragter sind als zuvor, ist die Krise für alle eine Herausforderung. Heute: Innatura.

Nicht verkaufte Waren werden jetzt gespendet

In der Corona-Krise bleiben viele Unternehmen auf bereits produzierter Ware sitzen – sei es aufgrund von Geschäftsschließungen oder wegen der Kaufzurückhaltung der Verbraucher*innen. Einige dieser Firmen entscheiden sich bewusst, Produkte in größeren Mengen zu spenden, zum Teil im Rahmen der kommunizierten „Corona-Maßnahmenpakete“. Das ist wunderbar, denn gleichzeitig benötigen gemeinnützige Organisationen mehr Sachspenden als zuvor: Bewohnerinnen und Bewohner können Wohneinrichtungen nicht verlassen, manche Charities übernehmen die Aufgaben geschlossener Tafeln. Auch die Versorgung besonders gefährdeter Menschen, wie Obdachlose oder Senioren, braucht zusätzliche Ressourcen.

Innatura als erste Anlaufstelle

„Die Spender-Unternehmen sind glücklich, dass es uns gibt, denn sonst müssten sie erst einmal herausfinden, wie und an wen sie jetzt spenden können“, so Innatura- Geschäftsführerin Dr. Juliane Kronen. Innatura ist als Verteilerplattform mehr gefragt denn je: Sie vermittelt Sachspenden von Unternehmen bedarfsgerecht an gemeinnützige Organisationen und übernimmt Lagerung und Logistik. Doch lange nicht alle Unternehmen spenden ihre überschüssigen Produkte. Schuld ist vor allem eine Regelung der Finanzämter: Unternehmen müssen für die gespendeten Produkte Umsatzsteuer abführen, und zwar als wenn sie sie zum Marktwert verkaufen würden. Im Klartext: Sie zahlen drauf beim Spenden. Ein Unternehmen, das Produkte im Wert von 10.000 Euro spendet, zahlt 1900 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt – obwohl es das Geld nie eingenommen hat. Dazu kommt zusätzlicher Aufwand für Organisation und Buchführung. Das Bundesfinanzministerium hat teilweise schon reagiert und Spenden von medizinischen Gütern an gemeinnützige Einrichtungen bis Ende des Jahres befristet von der Umsatzsteuer befreit. Das ist gut, doch werden nicht-medizinische Güter genauso benötigt.

Es landet trotzdem noch zu viel im Müll

Die meisten Unternehmen entscheiden sich wegen der Steuer-Kosten momentan noch gegen eine Sachspende und für den Müll. Kronen: „Diese Produkte fehlen dem sozialen Sektor und belasten die Umwelt. Soziale Einrichtungen haben in der Krise Probleme, überhaupt noch an Spenden zu kommen. Darüber hinaus sind sie von den staatlichen Finanzhilfen für Wirtschaftsbetriebe weitestgehend ausgeschlossen. Wir sorgen uns momentan um das Überleben vieler gemeinnütziger Organisationen.“ Innatura fordert deswegen gemeinsam mit dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) das Bundesfinanzministerium dazu auf, die Befreiung auf alle Sachspenden auszuweiten, ohne Befristung. Am Ende wird diese Entscheidung in vielen Fällen den Ausschlag geben: Spende oder Müll?

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