Hilfswerft – Social Business Angels für Social Business Start-Ups

Es sind wieder ein paar interessante Bewegungen im Bereich Social Entrepreneurship zu beobachten. Immer mehr Professionals und Serial Entrepreneuere aus den Internet Start-Ups widmen sich dem Thema und leisten ein wenig Nachhilfe bei der Unternehmensgründung. So auch die Jungs von Hilfswerft Sönke Burkert, Nils Dreyer und Carsten Lessmann.

Mit ihrem Unternehmen bieten sie ein interessantes Unterstützungsangebot von Seminarveranstaltungen und Coaching bishin zur Business-Angel-Begleitung für angehende Sozialunternehmer. Ein Interview mit Co-Founder Nils Dreyer von Anna Rösch

Ihr kommt ursprünglich aus dem Internet Start-Up Bereich, oder?

Sönke und ich haben die letzten zehn Jahre im Bereich Online-Marketing gearbeitet und auch jeweils eigene Start-Ups gegründet. Carsten kommt aus dem Finanzbereich; ganz klassisch bei einer Bank.

Was war Eure Motivation für die Gründung von Hilfswerft?

Als vor zwei Jahren meine Tochter geboren wurde, habe ich mir die Frage gestellt, was ich ihr sagen mal werde, wenn sie irgendwann fragen wird, was meine Arbeit ist – das war ein Wendepunkt. Als passionierter Unternehmer war für mich natürlich die Gründung einer sinnhaften Firma naheliegender als der Beitritt in eine Initiative oder rein bürgerliches Engagement. Ich denke, ich kann hier auch für die anderen beiden Gründer sprechen.

Auch auf unserer letzten Veranstaltung dem Social Start-Up Camp in Berlin habe ich viele Vertreter unserer Generation kennengelernt, die ihr eigenes Schaffen grundsätzlich hinterfragen und mit ihrem Können und Wissen einen gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen. Das spiegelt gewissermaßen den Zeitgeist wieder und macht die Sache auch die nächsten Jahre noch sehr spannend.

Was ist das Konzept von Hilfswerft?

Das zentrale Element unseres Angebots ist ein Pool von Social Busines Angels. Das sind Unternehmer, Führungskräfte oder Seniors, die das wertvollste geben, was sie haben ihre Zeit und ihre Erfahrung. Sie stehen uns in zweierlei Hinsicht zur Verfügung: zum einen als Coaches und Türöffner für soziale Unternehmen, welche wir unterstützen und zum anderen als Referenten, Dozenten und Speaker.

Ersteres ist unser Kerngeschäft: Wir haben den Bildungsauftrag, junge Leute zu guten Sozialunternehmern auszubilden und sie während Ihrer Gründung zu begleiten. Das tun wir, indem wir ihnen Experten zur Seite stellen, welche mit ihrer Kompetenz den Gründern auf ihren ganz spezifischen Baustellen helfen. Letzteres ist quasi unser monetäres Standbein, um die Arbeit zu refinanzieren. Auch hier setzen wir besagte Social Business Angels als Experten in ihrem Feld ein und vermitteln sie zu gängigen Marktpreisen für Vorträge, Workshops o.ä. an Firmen und Organisationen. Wenn gewünscht, konzeptionieren wir auch komplette Veranstaltungen.

Worin liegt der Fokus Eurer Auswahl bei den Projekten, welche Ihr unterstützt?

Wir sind ausschließlich im Social Business tätig. Es muss also ein Impact bei den Unternehmen nachvollziehbar sein. Desweiteren ist es wichtig, dass es auch ein Geschäftsmodell gibt oder Potential, eines herauszuarbeiten. Wir gauben daran, dass man mit unternehmerischen Mitteln viele soziale Probleme lösen kann.

Beides zusammen ist ja nicht immer der Fall. Wir sind eher weniger an einer Firma interessiert, welche ökologische Stoffe importiert, denn der soziale Mehrwert ist hier eher indirekt. Auf der anderen Seite gibt viele spannende Projekte und Initiativen, welche aber durchgehend von Spenden und Zuwendungen abhängig sind. Auch hier könnten wir nicht allzuviel beitragen.

Und wie erreicht man Euch mit einem Gründungsvorhaben?

Man kann uns selbstverständlich über unsere Seite anschreiben. Wenn man sich bei uns bewirbt, wäre es gut, wenn man das Vorhaben bereits etwas strukturiert hat, z.B. als One-Pager, damit wir uns ein Bild machen können – am besten man nutzt unsere Vorlage (http://www.hilfswerft.de/projekt-einreichen/). Im Moment gibt es jedoch – das muss ich zugeben – eine Warteschlange. Wir sind noch im Aufbau und würden gerne erst einmal die bestehenden Projekte abarbeiten, bevor wir neue angehen.

Wie können wir uns die Zusammenarbeit mit Euch vorstellen?

Nachdem wir ein interessantes Projekt in Erwägung gezogen haben, kommt es im nächsten Schritt zu einem persönlichen Kennenlernen, wo wir uns die vorhandenen Strukturen, die Organisation und die Planungen näher ansehen. Anschließend machen wir eine Engpassanalyse, um zu sehen, wo der aktuelle Bedarf für das Unternehmen liegt, um die nächste Ebene zu erreichen. Das kann eine Vertriebsstrategie sein, ein Online-Marketing-Konzept oder einfach nur die Vernetzung mit den richtigen Kooperationspartnern.

Sobald dieses erste Projekt abgeschlossen ist, wird der Erfolg und das Potential des Unternehmens aufs neue geprüft. Manchmal ergibt sich daraus eine weiterführende Entwicklung oder das Projekt ist für uns erst einmal abgeschlossen und das Unternehmen kann die nächsten Schritte alleine weiter gehen.

Habt Ihr einen Ad-Hoc-Expertentipp für Anfänger?

Man sollte sich bereits bei der Entwicklung des Business Modells nie ausschließlich auf einen einzelnen Vertriebsweg oder ein Produkt fokussieren, sondern am besten mehrere Angeln auswerfen. Es wird sich dann herausstellen, dass einige Sachen besser laufen als andere. Das Businessmodel entwickelt sich quasi entlang der Unternehmensentwicklung.

Außerdem sollten sich soziale Unternehmen immer darüber bewusst sein, dass ihr sozialer Mehrwert nicht das einzige Verkaufsargument sein kann, sondern dass sie auch Exzellenz in ihr Produkt stecken müssen, um auf dem Markt zu bestehen.

An was arbeitet Ihr gerade selber? Was sind Eure Pläne?

Im Moment entwickeln wir ein Veranstaltungskonzept für eine Stiftung um deren Positionierung zu verbessern und ihre Visibilität zu erhöhen. Wir können uns vorstellen, langfristig auch mit Hochschulen zusammenarbeiten und hier ein Lehrkonzept zu entwickeln, welches das Thema Social Entrepreneurship in das Curriculum z.B. der BWL-Studenten einbindet. Für eine erfolgreiche Zukunft des Social Entrepreneurships sind die besten Köpfe notwendig. Wir wollen sie direkt an den Hochschulen begeistern und vorbereiten können.

Wie kann man die Hilfswerft unterstützen?

Falls jemand mal einen Praxisexperten z.B. für einen internen Workshop oder eine Schulung sucht oder eine Veranstaltung plant – sprecht uns einfach an. Wir helfen gern!

Wir dürfen also gespannt bleiben und wünschen Euch viel Erfolg! Danke für das Interview.

(Autorin: Anna Rösch)

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