Hidden Stories – Geschichten die bewegen

Hidden Stories

03.02.2015 – Das Enactus-Projekt Hidden Stories, wurde im Oktober 2014 gegründet und setzt sich aus 5 Studenten der Goethe Universität Frankfurt zusammen. Dabei wird größtenteils mit alleinstehenden Flüchtlingen aus Ostafrika, dem Nahen und Mittleren Osten und dem Balkan, im Alter zwischen 18 und 40 zusammengearbeitet. Gemeinsam werden „Buchschatullen“ in Handwerksarbeit angefertigt, von denen jede garantiert ein Unikat ist. Das Motto lautet: Schneiden – kleben – individuell verzieren! So entstehen aus alten Büchern neue Schätze und ein Platz für die eigene Schatzsammlung. Ein geheimer Aufbewahrungsort für Schmuck, Fotos, Erinnerungen, Liebesbriefe oder was das Sammlerherz sonst noch alles höher schlagen lässt.

Keine Hoffnung, kein Besitz, keine Zukunftsperspektive. So ergeht es vielen Menschen, die aufgrund von Gräueltaten, Gewalt oder schlicht fehlenden Perspektiven aus ihren Heimatländern fliehen. Und täglich werden es mehr. Zudem ist ein einzelner Sozialarbeiter im Main-Taunus-Kreis schon jetzt alleine für jeweils 150 Menschen zuständig. Gemessen an seinen Arbeitsstunden und an den zu bewältigenden Aufgaben ergibt sich allerdings eine maximale Kapazität von 74 Personen, bei ausreichender Betreuung. Was ein Mindeststandard sein sollte, wird in der Realität weit unterschritten.

Doch es gibt Hoffnung! Der „Runde Tisch Kelkheim“, ein Bürgerzusammenschluss ehrenamtlicher Helfer, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den in ihrer Umgebung untergebrachten Flüchtlingen Halt und einen zuversichtlicheren Blick in die Zukunft zu verschaffen. Gerade Kelkheim befindet sich bei der Flüchtlingsproblematik im direkten Zentrum, da die Stadt selbst und die Nachbargemeinde Ruppertshain mehrere Asylheime beherbergen.

Hidden StoriesHidden Stories verfolgt, ganz im Sinne des sozialen Unternehmertums, zwei wichtige Leitgedanken. Einerseits soll sich das Projekt durch die erwirtschafteten Gewinne selbst refinanzieren und zudem den Flüchtlingen einen finanziellen Zusatzerwerb bereitstellen. Andererseits soll der wöchentlich stattfindende Workshop es den Heimbewohnern ermöglichen, eine Struktur und vor allem Abwechslung, in ihre oft monotonen und von Nichtstun geprägten Tage zu bringen. Vorerst stehen die Ziele Motivation und Zuversicht anzuregen und beizubehalten, im Vordergrund. Längerfristig soll ihnen aber auch die Wiedereingliederung in das Berufsleben erleichtert werden. Das Projekt verbindet darüber hinaus nicht nur Beschäftigung mit einer Verdienstmöglichkeit, sondern integriert auch das Prinzip des „Upcyclings“, da für die “Bücherboxen” auf alte Bücher zurückgegriffen wird, die normalerweise entsorgt werden würden. Dadurch entstehen nur geringe Produktionskosten.

Leider ist aber ein, nicht nur in Kelkheim-Ruppertshain, bestehendes Problem die fehlende Akzeptanz von Seiten der Deutschen. Zwar sind freiwillige Kräfte durchaus vorhanden, doch das Ziel ist es, die Menschen zu einem grundlegenden Umdenken bezüglich der aktuellen Flüchtlingsproblematik zu bewegen. Dies soll unter anderem durch eine, jeder Bücherbox beigefügten Geschichte über die vergangenen Erlebnisse oder die Kultur und Traditionen im Heimatland, verfasst von den Asylsuchenden, bewirkt werden („Hidden Stories“). So wird den Workshop-Teilnehmern in kleiner Form ermöglicht, ihre Erlebnisse zu Papier zu bringen und Aufmerksamkeit zu erregen und dem Käufer ihre Situation näher zubringen.

Sobald wie möglich, wollen wir das erwirtschaftete Geld in Fahrräder investieren, um ein wenig Mobilität und Selbstständigkeit zu schaffen, vor allem weil es in Ruppertshain wenig zu Fuß erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten gibt. Im nächsten Schritt sind zusätzliche Sprachkurse sehr wichtig, denn Deutschkurse von staatlicher Seite werden erst angeboten, wenn das Asylverfahren anerkannt wurde. Auch Bewerbungstrainings stehen auf unseren Plänen für die Zukunft, sodass letztlich eine wirkliche Integration in die Gesellschaft gelingt. Denn jeder Mensch hat das Recht, in unserer Gesellschaft integriert und gehört zu werden.

Ihr besitzt alte Bücher, die niemand mehr liest? – Hidden Stories nimmt sie gerne!

Kontakt: hiddenstories.enactusffm@gmail.com
Facebook: http://www.facebook.com/hiddenstorieshessen

Falls ihr die Flüchtlinge auf anderem Wege unterstützen möchtet, findet ihr hier ganz sicherlich eine Möglichkeit:

http://www.st-johannes.net/index.php?option=com_content&view=frontpage&Itemid=116

http://www.st-johannes.net/index.php?option=com_content&view=article&id=251%3Abedarfsliste&catid=1%3Astandard&Itemid=116

Zum Autor:
Maximilian Scheuplein ist Projektleiter von „Hidden Stories“, studiert im ersten Semester Psychologie und ist seit seinem Studienanfang bei enactus aktiv.
Wieso gerade bei enactus? „Die Verbindung sozialer und wirtschaftlicher Unterstützung für Menschen in Notlagen erachte ich als besonders zukunftsweisend. Durch die Studentenorganisation Enactus e.V kann ich meine Ideen in solche Projekte einfließen lassen und mich voller Tatendrang engagieren und weiterentwickeln.“

Über Enactus:
Der gemeinnützige Verein enactus Universität Frankfurt e.V. ist ein Teil des globalen Netzwerks der Studierendenorganisation Enactus, die mit über 66.000 Mitgliedern zu den Größten der Welt zählt. Enactus ist eine Non-Profit-Organisation, die gemeinnützige Projekte auf der ganzen Welt umsetzt. Dabei orientieren wir uns an den Grundsätzen der sozialen, unternehmerischen und ökologisch nachhaltigen Entwicklung. Das Team der Goethe-Universität Frankfurt wurde 2012 gegründet und gehört inzwischen mit über 70 Mitgliedern zu den stärksten Teams Deutschlands.

Kommentar hinterlassen zu "Hidden Stories – Geschichten die bewegen"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*