HEYHO! – das Müsli, das Türen öffnet

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Das Startup HEYHO! macht nicht nur leckeres Müsli, sondern gibt auch Menschen Arbeit, denen aufgrund ihrer Vergangenheit oftmals die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.

Drogenvergangenheit, keine Ausbildung und Vorbestraft – wer stellt einen da schon ein? Als Ex-Häftling, mit seelischen Problemen oder einer Suchterkrankung ist es oft schwierig, auf dem Arbeitsmarkt wieder oder sogar erstmals Fuß zu fassen. Diese Menschen werden oft von der Gesellschaft stigmatisiert und ausgegrenzt. Einen Neuanfang erschwert das oftmals.

Helfen wollen die Gründer der Müslimanufaktur HEYHO!. Stefan Buchholz, Christian und Timm Duffner stellen gezielt Menschen ein, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben – wegen Knastkarrieren, jahrzehntelanger Drogenabhängigkeit und teilweise psychischen Problemen.

Müsli mit sozialem Beigeschmack

Kein Sozialprojekt, kein Crowdfunding, keine Fördermittel, und doch zahlen sie übertariflich. Das Lüneburger Startup ist eine gewinnorientierte GmbH, aber wollen den Nachweis bringen, dass gewinnorientiertes wirtschaften mit sozialen Aspekten funktioniert. Etwa ein Drittel der Angestellten hat extreme „Biografie-Brüche“ wie Haft, Drogen oder ähnliches. Der Job in der Müslimanufaktur ist für viele wie eine Eintrittskarte in ein neues Leben. Denn oft scheitern Ausstiegsversuche aus den Drogen daran, keine Arbeit zu finden. Das Startup gibt hingegen eine Perspektive mit geregelten Arbeitszeiten.

Für manche ein leckeres Frühstück, für andere eine neue Chance

Kontakt zu Ex-Drogenabhängigen, Vorbestraften oder anderen, schwierigen Vergangenheit gibt es selten. In der Müslimanufaktur arbeiten jedoch alle zusammen. Der Solidaritätsgedanke des Startups zeigt sich auch auf dem Lohnzettel: alle in der Produktion bekommen gleich viel Gehalt, auch bei unterschiedlicher Leistung. Keine*r bekommt mehr, weil er oder sie mehr schafft. Jede*r soll sein oder ihr Bestes geben, ganz nach den eigenen Möglichkeiten. Der Gedanke: der Starke nimmt den Langsamen mit, der Schnelle kompensiert den Langsamen. Aus dem Mix wird etwas Produktives. Raus aus der Ellbogen Leistungsgesellschaft – hin zu mehr Zusammenarbeit, ist das Motto.

Die Mischung macht’s!

Auch die Gründer haben ganz unterschiedliche Hintergründe. Timm hat eine Karriere bei internationalen Lebensmittelproduzenten hinter sich. Er hat unter anderem die amerikanische Eiscreme-Marke Ben & Jerry‘s in Deutschland aufgebaut. Als Christian dort ein Praktikum macht, lernen sich die beiden kennen. Christan selbst hat Kommunikationswissenschaften und Betriebswirtschaft studiert und kennt sich so mit Marketing und Logistik aus. Stefan hingegen, ein Bekannter von Timm, hat lange Erfahrung als Leiter in der Wohnungslosenhilfe. Er hat zum Beispiel zwei der Ex-Dogenabhängigen angesprochen und ihnen den Job verschafft.

Von der Idee zur Manufaktur von HEYHO!

2016 haben die drei ihr Unternehmen gegründet. Nächtelang haben sie nicht nur an der sozialen Idee, sondern auch an perfekten Müslimischungen getüftelt. Eine ihrer Erfindungen: die Salzbrezel mit Schoko-Überzug im Müsli. 2017 dann der erste Verkauf. Inzwischen haben sie es mit den edlen Müslimischungen im Glas in die Regale von Supermärkten geschafft – trotz des sportlichen Preises von 6,99 Euro. Die Gründer begründen den hohen Preis mit hochwertigen Rohstoffen, Produktion in Handarbeit und vernünftige Bezahlung. Beispiel Schokomüsli: über die Bio-Haferflocken wird Bio-Agavensirup anstatt Zucker gegossen und mit Bio-Kokosöl verfeinert. Die Schokolade mit besonders hohem Kakaogehalt kommt aus einer regionalen Pralinenmanufaktur. Per Hand werden alle Zutaten gut gemischt. Dann kommt auf große Bleche und für eine halbe Stunde in den Backofen. Dort wird die Mischung schön crunchy. Danach noch Kürbiskerne aus der Region dazu – und es wird abgepackt. Dabei werden noch die zerbrechlichen Schoko-Salzbrezeln vorsichtig von Hand dazugetan. Gute Dinge haben eben ihren Preis.

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