Gießener Start-Up-Infrastruktur wächst trotz Corona

Gießener Start-Up-InfrastrukturFoto: Ads&Friends* c/o WeAreGroup GmbH – Anna Lena Rupp

Mittelhessen hat die Corona-Krise bisher besser bewältigt als der bundesweite Durchschnitt – zumindest, wenn man der 7. Unternehmerkunden-Studie glaubt, die im Auftrag der Commerzbank erfolgte. Trotzdem mussten 29 Prozent der befragten Unternehmen staatliche Hilfen wegen Corona beantragen, 34 Prozent fühlen sich von der Krise stark betroffen. Und je länger der Lockdown andauert, umso größer werden die wirtschaftlichen Auswirkungen zu spüren sein. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten.

So gibt es seit dem Juli 2020 mit dem Sozialinnovator Hessen ein Förderprogramm ganz speziell für Sozialunternehmer*innen – und solche, die es werden wollen. Hierbei bekommen Gründer*innen die Möglichkeit auf Fachberatung, Co-Working-Plätze sowie der Zugang zu einer wachsenden Community. Verantwortlich für das Programm ist das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. (SEND) sowie das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.  

Sozialinnovator sorgt für Infrastruktur für Sozialunternehmen

Hessen wurde dabei unter Projektpartnern aufgeteilt – für Gießen und Umgebung ist das Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) zuständig, dass sich schon seit vielen Jahren aktiv am Wachstum der Start-up-Szene beteiligt und sowohl durch die Vermietung von budgetfreundlichen Räumen als auch mit Projekten der Wirtschaftsförderung, der Gründungsförderung und des Technologietransfers sowie mit einem großen Veranstaltungsangebot ein wichtiger Anker des regionalen Gründerökosystems ist. 

“Wir hoffen natürlich mit dem Programm auch ein wenig die Krise abfedern zu können”, weiß Christian Deiters. Er selbst arbeitet hauptberuflich in der milch & zucker AG in Gießen, baute jedoch mit social-startups.de ein großes Portal für Sozialunternehmer*innen auf und hat sich seitdem dem Thema verschrieben. Seit Mitte 2020 ist er daher auch beim TIG Ansprechpartner für das Förderprogramm Sozialinnovator. 

Hessenweit sind mittlerweile über 60 Projekte und Start-Ups in der Förderung. Im TIG werden durch SEND und Christian Deiters Projekte wie espero oder Up-Preneurs betreut. Das Förderprogramm, dessen erste Laufzeit bis Ende 2020 ging, wurde kürzlich verlängert. 

Gießener Universität stärkt Infrastruktur

Auch an der Justus-Liebig-Universität (JLU) wird an einem Ausbau der Start-Up-Infrastruktur in Gießen und Mittelhessen gearbeitet. Maßgeblich daran beteiligt ist das ECM, das Gründungszentrum der JLU, gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Programm EXIST-Potentiale des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie 

Ziel des ECM unter Leitung von Prof. Dr. Monika Schuhmacher ist es, die Ausgründungen aus der JLU zu erhöhen. Hierfür bietet das Zentrum allen Hochschulangehörigen Tools, Know-how, Arbeitsplätze und Netzwerk, um eigene Geschäftsideen zu evaluieren, weiterzuentwickeln und schlussendlich umzusetzen.  

Das Krisenjahr 2020 bescherte dem ECM erfreulicherweise auch viele positive Veränderungen. Seit Mai ist das Gründungszentrum zusätzlich Teil von „StartMiUp – Startupnetzwerk Mittelhessen“, dem Verbundprojekt der drei mittelhessischen Hochschulen unter dem Dach des Forschungscampus Mittelhessen. Im Zuge dessen wurde die digitale Infrastruktur optimiert und das Team verdoppelt. Es ist großartig, dass wir unsere Mission des Ausbaus der hochschulweiten Gründungsförderung an der JLU nun in einem noch größeren Team angehen können. Wir sind dankbar für diese Möglichkeit,“ so ECM-Geschäftsführer Tristan Herbold. 

Ebenso ließ sich das ECM von den veränderten Umständen nicht davon abhalten, regelmäßig Unternehmer*innen und Expert*innen an die JLU einzuladen, ob vor Ort oder virtuellSie begrüßten für Gastvorträge unter anderem Julian Fischer, Strategic Account Manager beim internationalen Konzern Facebook/Instagram, sowie Philip Siefer, Sozialunternehmer und Gründer des Berliner Start-ups Einhorn. „Wir freuen uns dank der EFRE-Förderung die Möglichkeit zu haben, solch namhafte Gründungspersönlichkeiten einladen zu könnenDie hohe Anzahl von Teilnehmenden bei unseren Events bestätigt auch, dass in der Region nicht nur reges Interesse an Gründungen vorhanden ist, sondern auch unternehmerisches Potential, “, sagt ECM-Projektmitarbeiterin und Eventmanagerin Sarah Krecker. 

WeAreGroup – Starthilfe für Startups

Weiterhin ging das ECM-Mentoring-Programm mit ausgewiesenen Expert*innen aus den Bereichen Recht, Finanzen, Social Entrepreneurship und vielen mehr im Dezember 2020 an den Start. Gründungsinteressierte haben durch das Programm die Möglichkeit, von Erfahrenen zu lernen und sich zu vernetzen. Zum Start des Programms fanden die ersten Idea Sessions“ statt, bei denen sechs ausgewählte Gründungsteams direktes Feedback zur eigenen Geschäftsidee von den ECM-Mentor*innen erhielten. Im Nachgang erhielt das ECM-Start-up PROMBYX eine Förderung in Höhe von 3.000 Euro. 

Christian Deiters selbst ist einer von aktuell insgesamt 13 ECM-Mentor*innen, die ihr Wissen an Hochschulangehörige weitergeben und somit eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schlagen. Ein weiterer Mentor ist Toni Barthel, der sein Start-Up die letzten Jahre aufgebaut hat. 

Seit fast drei Jahren sitzt sein junges Unternehmen, die WeAreGroup GmbH, auf dem Gelände des Alten Flughafens und treibt von dort die digitale Transformation von Unternehmen voran. Die Nachfrage ist groß: Schon zweimal musste die WeAreGroup umziehen, weil die Büros zu klein geworden waren. Mit Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich der Software-Entwicklung will der Geschäftsführer Toni Barthel nun auch anderen Start-ups in und um Gießen Starthilfe leisten – oder bei der Rettung unter die Arme greifen. Die WeAreGroup hat ein junges Team und kennt die verschiedenen Herausforderungen, die eine Gründung in der IT-Branche mit sich bringt. Besonders innovative Tech-Start-ups will er mit den gewonnenen Erfahrungen und den umfangreichen technischen Kompetenzen seines Teams unterstützen. 

Christian Deiters

Über den Autor

Christian Deiters
Christian ist schon während des Studiums aktiv in die Start-up-Szene eingestiegen. So begleitete er zum Beispiel die CoBox AG, die 2011 Finalist des Deutschen Innovationspreises im Bereich Startup war. Die Insolvenz der Unternehmung war eine wichtige Lektion und Antrieb zugleich – so geht er seitdem nebenberuflich der Frage nach, wie gerade nachhaltige, innovative Geschäftsideen langfristig und erfolgreich auf dem Markt bestehen können. Bevor er zu milch & zucker wechselte, baute er zwei Jahre eine Abteilung bei dem internationalen Startup Shopgate auf und half so mit, eines der am schnellst wachsenden Tech-Startups in Europa zu formen. Seit 2013 ist Christian CEO der Social Startups Media UG.

Kommentar hinterlassen zu "Gießener Start-Up-Infrastruktur wächst trotz Corona"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*