Generation CO2 – Ein Film über den Klimawandel

Alexander Fuchs

Auf der neuen Crowdfunding-Plattform EcoCrowd, die sich auf den Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert hat, tummeln sich einige interessante Ideen und tolle Projekte. In unserer neuen Reihe „Nachhaltigkeit jetzt!“ stellen sich die Projektinhaber unseren Fragen. Heute ist das Projekt Generation CO2 mit Alexander Fuchs an der Reihe.

Hallo Alexander, könntest Du Dich und Dein Projekt kurz vorstellen?

Mein Name ist Alexander Fuchs und ich betreibe mit Visual BastARTS eine Agentur, die visuelle Medien produziert – in erster Linie Filme. Außerdem arbeite ich seit nunmehr 15 Jahren als freiberuflicher Kameramann und Cutter in den unterschiedlichsten Bereichen. Zum Beispiel liefen schon drei Dokumentarfilme, die ich als Cutter betreut habe im Rahmen der Berlinale, ich habe als Kameramann und Cutter einen Dokumentarfilm für arte gedreht bzw. geschnitten, diverse Musikvideos produziert u.v.m. Daneben produziere ich auch Unternehmensfilme, die mitunter die Miete bezahlen. Gerade bin ich dabei, meine Geschäfte langfristig auf nachhaltige Themen und Projekte umzustellen.

Wann kam Dir die Idee für das Projekt?

Letztes Jahr wurde meine Tochter geboren und ich bin 40 Jahre alt geworden – also zwei gute Gründe für einen einschneidenden Wendepunkt in meinem Leben. Ich habe mir überlegt, was ich möchte bzw. wie ich möchte, dass meine kleine Tochter aufwächst. Das war das erste Mal, dass ich realisiert habe, dass wir als Menschheit gerade auf dem besten Weg sind, unseren Lebensraum zu zerstören. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich langfristig weiter für Großunternehmen arbeiten will, die u.a. maßgeblich aufgrund ihrer Gewinnmaximierungsstrategien daran beteiligt sind, unseren Lebensraum nachhaltig zu zerstören oder ob es vielleicht einen anderen Weg gibt.

Da ich mein Leben lang mit der Filmproduktion zu tun habe, war die Überlegung, einen Dokumentarfilm über Klimawandel und nachhaltiges Leben zu machen, naheliegend. Da ich von Anfang an Crowdfunding als einen Teil einer Finanzierungsstrategie gesehen habe, habe ich das Blogmagazin „{R}Evolution“ gestartet, wo in regelmäßigen Abständen Interviews mit Menschen veröffentlicht werden, die in irgendeiner Weise mit Nachhaltigkeit zu tun haben, um langfristig eine Community aufzubauen. Und so war ich plötzlich auch noch Herausgeber. Und nach knapp fünf Monaten online haben wir bis jetzt über 5000 Besucher auf der Seite gehabt – kein so schlechter Start, wie ich finde. Der Film soll aber anders als andere Filme zum Thema nicht ein weiteres dystopische Bild des Klimawandels zeichnen, sondern mein Ansatz ist ein positiver. Ich möchte zeigen, dass wir uns nur selbst retten können, in dem jeder – wirklich jeder einzelne – anfängt, etwas in seinem Leben und seinen Verhaltensweisen zu ändern.

Worin genau besteht die soziale Komponente des Projekts?

Der Film soll dazu beitragen, ein breites Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensweise in unserer Gesellschaft zu schaffen. Der Film versteht sich als Aufklärungsarbeit ohne pädagogischen Zeigefinger. Freiwilliger Verzicht durch die Einsicht, dass man auch durch freiwillige Einschränkungen glücklicher leben kann, sind Ziel der Dokumentation. Die Einsicht, dass wir nicht alles besitzen müssen, was wir denken, brauchen zu müssen. Ich produziere den Film absichtlich mit „alter“ Technik, die trotz Alter noch den aktuellen technischen Standard erfüllt. Es wurde nur so wenig neu angeschafft, wie nötig ist, um die Produktion professionell und sinnvoll durchführen zu können. Es wird bewusst mit einem kleinen Team gearbeitet, um Kosten und Ressourcen zu schonen. Bei den Reisen wird darauf geachtet, dass man Strecken minimiert und eventuell Reisen miteinander verbindet, um unnötige Emissionen zu verhindern.

Sollte der Film am Ende einen finanziellen Überschuss generieren, wird ein Teil des Gewinns sinnvoll in ökologisch oder sozial nachhaltige Projekte gespendet werden. Im besten Fall ist die von der Crowd vorfinanzierte Summe nur Durchgangsposten, die am Ende gespendet werden kann. Über den Fortgang der Entwicklungen zum Film informiert unsere Homepage unter www.jointhe-revolution.net/film.

Nach derzeitigem Stand der Dinge soll der Film am Ende jederzeit Online verfügbar sein (gegen eine Leihgebühr, von der ein Teil gespendet wird) und somit eine lange Laufzeit haben. Welche Plattform wir nutzen werden oder ob wir etwas eigenes installieren werden, steht zurzeit noch offen. Der Anspruch ist, dass jeder Mensch mit Internetanschluss, potentiell die Möglichkeit haben soll, den Film jederzeit anzuschauen. Der Film wird englisch untertitelt werden.

Was ist die derzeit größte Herausforderung für Dich?

Die derzeit größte Herausforderung für mich ist, eine stabile Finanzierung des Filmprojekts „Generation CO2“ auf die Beine zu stellen. Die Crowdfunding-Kampagne macht ja nur ungefähr 10% des Gesamtbudgets aus. Um eine solchen Dokumentarfilm vernünftig und professionell abwickeln zu können, braucht man zwischen 60.000€ und 80.000€. Da ich eine Finanzierung fernab von TV-Sendern versuche auf die Beine zu stellen, da mir die Entscheidungsprozesse in den Mühlen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu langsam mahlen, bin ich gerade damit beschäftigt, Unternehmen zu finden, die in den Film
investieren wollen.

Das Ganze gestaltet sich nicht gerade einfach, da man den Unternehmen außer einem potentiellen Imagegewinn und einem eventuellen Vorabveröffentlichungsrecht nicht wirklich viel anzubieten hat. Dennoch glaube ich, dass man eine solche Finanzierung auf die Beine stellen kann. Es gibt vergleichbare Projekte wie beispielsweise den frei produzierten Dokumentarfilm „Home“ des Regisseurs Yann Arthus-Bertrand, der ähnlich produziert worden ist und wahrscheinlich ein Vielfaches meines angestrebten Budgets hatte. Ich möchte versuchen, etwas ähnliches auf die Beine stellen.

Warum hast Du Dich für Crowdfunding auf EcoCrowd entschieden und was erwartest Du Dir davon?

Ehrlich gesagt bin ich aus purem Zufall auf Ecocrowd gelandet. Dort habe ich gesehen, dass sie Startprojekte suchen und habe eine Mail an das Team geschickt, ohne wirklich davon auszugehen, dass ich jetzt wirklich beim Start dabei sein werde. Als ich angerufen und gefragt wurde, ob ich dabei sein will, habe ich zunächst gezögert, da das Ganze doch relativ kurzfristig war und ich noch nicht wirklich angefangen hatte. Ich habe überlegt, ob Ecocrowd eine gute Alternative für mich zu anderen Plattformen ist und der größte Vorteil, den ich sehe ist, dass die Leute, die dort landen werden, sich explizit für nachhaltige Themen und Projekte interessieren – anders als bei anderen Crowdfunding-Plattformen.

Das war letztlich der ausschlaggebende Punkt, mich für Ecocrowd und gegen andere Plattformen zu entscheiden. Im Nachhinein habe ich es nicht bereut. Zum einen war ich gezwungen, relativ schnell mit dem Projekt voranzukommen, zum anderen ist die Betreuung durch Ecocrowd super. Es ist schon Wahnsinn, was das Team dort leistet. Und letztlich hoffe ich natürlich, dass ich die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich durchführen werde, aber das hängt letztlich maßgeblich davon ab, inwieweit andere Menschen Lust haben, mich bei meinem Filmvorhaben zu unterstützen und in mich vertrauen.

Wofür soll die Funding-Summe verwendet werden?

Das Geld aus dem Crowdfunding soll mir ermöglichen, die Reisekosten, die einen großen Teil bei einer Filmproduktion ausmachen, auf die Art und Weise zu decken, dass der Film auch im Falle einer Unterfinanzierung (die Crowdfunding-Kampagne macht nur ca. 10% des Gesamtbudgets aus) umsetzbar bleibt. Von dem Geld gehen vorraussichtlich 19% an den Fiskus, da es als Einnahme versteuert
werden muss, 3% der Summe gehen an die Plattformentwickler und 3% an Paypal für die Abwicklung der Transaktionen. Ein weiteres Viertel machen die Finanzierung der Tauschgüter inklusive Porto und
Verpackung aus. Die restlichen 50% werden für Reisen zu Interviewpartnern und Protagonisten benutzt.

Es stehen diverse Reisen inklusive Unterbringung an, u.a. nach Oldenburg zu Prof. Dr. Niko Paech, mehrmalige Reisen nach Leipzig, wo drei der Protagonisten leben, eventuell eine Reise nach Dessau zum Umweltbundesamt, eventuell eine Reise nach Nürnberg zu einem Glücksforscher, eine Reise nach Hamburg zu einem Interview mit Greenpeace. Je mehr Geld zusammenkommt, um so internationaler kann man den Film gestalten. Gerne würde ich auch Interviews mit Prof. Muhammad Yunus in Bangladesch, mit Chandra Nair in Indien und dem weltweit renommierten Psychologen Martin Seligman in den USA machen, wobei gleichzeitig in den Ländern weiteres Material für den Film generiert würde. Damit das möglich ist, müsste die Kampagne aber ein gutes Stück überfinanziert werden.

Mit wem würdest Du gerne mal mittagessen gehen?

Hui – schwierige Frage. Ich würde mich gerne mal mit einem Top-Manager eines börsennotierten Großunternehmens darüber unterhalten, warum Geld, Wirtschaftswachstum und Gewinnmaximierung wichtiger sind, als der Erhalt unseres Lebensraums.

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