Ein Bon für mich, einer für das hey-Spendierbrett

hey-Spendierbrett© https://www.hey.one/

Wenn uns die Corona-Pandemie eines (wieder) gelehrt hat, ist es, dass sowohl Dörfer als auch anonyme Großstädte in Krisenzeiten zu nachbarschaftlichen Gemeinschaften werden können. Zur ersten Hochphase von Corona war die Souveränität in der Gesellschaft groß: Unterstützen von kleinen, lokalen Läden und Restaurants, ehrenamtliches Engagement, Nachbarschaftshilfe. Wer helfen konnte, unterstützte die, die gerade darauf angewiesen waren (und es oft immer noch sind). Doch im hektischen Alltag gerät dies leider oft in Vergessenheit. Das ist auch einem Münchner Team aufgefallen – und haben daraus ein Business-Konzept entwickelt.

Simples Konzept mit großer Wirkung

Gegründet wurde hey 2019 von Marc Eckes, Susanne Eckes und Michael Spitzenberger. Einen Vorläufer gab es aber bereits 2015 mit  www.brot-am-haken.org, das dann vier Jahre später zu hey wurde. Das Social Impact Unternehmen möchte das Für- und Miteinander in der Gesellschaft mit kleinen Dingen fördern. Ein “erster Anstupser”, und das Herzstück des Unternehmens, ist das hey-Spendierbrett. Das Konzept ist simpel: “Pay two, take one” oder “pay it forward”. Das bedeutet: wer kann und will bezahlt im Café, in der Eisdiele, der Bäckerei oder der Dönergeschäfte für sein eigenes Getränke oder Essen und bezahlt auch etwas für eine weitere Person mit. Das kann ein Kaffee, eine Falafel-Rolle oder eine Brezel sein.

Der bezahlte Bon wird dann an das hey-Spendierbrett geheftet, das auf der Theke des Ladens steht – und von wo ihn jederzeit jemand nehmen kann, der oder die es gerade braucht. Dabei muss sich jedoch niemand rechtfertigen oder soziale Not vorweisen. Das Konzept beruht auf Vertrauen. Auf diese Weise können sich zum Beispiel Senior*innen einen Kaffee in Gesellschaft leisten, was bei der kleinen Rente heutzutage ein großer Luxus ist. Oder Menschen ohne Zuhause können eine warme Mahlzeit genießen.

Mit einem Bon gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen

Eigentlich ist es nur ein Bon, den man an ein Holzbrett hängt. Und doch ist es so viel mehr. Es geht darum, Menschen eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, die sie aufgrund des fehlenden Geldes sonst nicht ausüben könnten. Es geht um ein Miteinander – auch, oder vor allem zwischen Menschen, die sonst kaum Berührungspunkte haben. Der Grundgedanke von hey:  Die lokale Gemeinschaft im Viertel stärken.

Das Spendierbrett sagt: “Hey, ich kenne dich zwar nicht und weiß nicht, warum du gerade in einer finanziell schlechten Situation bist. Aber ich möchte dir etwas Gutes tun. Darf ich dich auf einen Tee einladen?”. Diese kleine Geste bietet Menschen in Not – zumindest kurzfristig – eine Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben, an der alltäglichen Gesellschaft teilzunehmen.

Über hey

Das hey-Team (© hey.one)

“Die hey-Spendierbretter findet man aktuell vorrangig in München, einfach weil wir hier vor Ort sind und unseren Vertrieb erst einmal auf unser Umfeld ausgerichtet haben”, schreibt Stephanie Perret aus der hey-PR-Abteilung. Aber auch in einigen anderen Städten ist das hey-Spendierbrett bereits zu finden. Eine Liste mit allen Standorten gibt es hier.

Auf meine Frage, wie das hey-Konzept bei Läden bisher ankommt antwortet Perret: “Sehr gut! Erfreulicher Weise stoßen wir meist auf Ladenbesitzer*innen, die das Konzept hinter hey erkennen und die es begeistert.” Oft stelle sie fest, dass viele Läden Bedürftigen ohnehin schon etwas geben. “Das zählt da einfach zur Kultur”, schreibt sie. “Wir stellen fest, den meisten Ladenbesitzern ist es wichtig, etwas weiterzugeben und diese Werte in der Gesellschaft zu leben”, erzählt sie weiter. Das hey-Spendierbrett bietet hier eine weitere Möglichkeit, zu geben, und den Kund*innen zudem einen tollen Mehrwert.
Gerade im aktuellen Lockdown hat das hey-Spendierbrett einen zusätzlichen Mehrwert. Denn wenn die Kund*innen nicht nur für sich, sondern auch für ihre Mitmenschen kaufen, erhöhen sie so auch den Umsatz des Ladens. “Gerade in Zeiten in denen weniger Kund*innen kommen ist das natürlich ein Vorteil”, so Perret .
Tamara Schiek

2 Kommentare zu "Ein Bon für mich, einer für das hey-Spendierbrett"

  1. Dieter Perret | 2. März 2021 um 11:18 | Antworten

    Eine ganz tolle Idee. Vielleicht ist es möglich, diese Aktion in Deutschland weiter bekannt zu machen. Ich überlege, ob das in OWL möglich ist.

    • Hallo Dieter Perret, das ist sicherlich möglich! hey ist auch stets dabei, sich auszuweiten. Frag doch einfach mal bei ihnen an – die freuen sich sicherlich :)
      Liebe Grüße, Tamara

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