Die Kiron University – eine Online-Universität für Flüchtlinge

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Asylsuchende haben in Deutschland nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, denn ohne Papiere dürfen sie weder Arbeiten noch Studieren. Um das Warten für Flüchtlinge lehrreicher zu gestalten, haben nun Studenten in Berlin eine Online-Universität für Flüchtlinge gegründet, an der Flüchtlinge ohne Papiere, ohne Gebühren und ohne Zeugnisse auf englisch studieren können – die Kiron University.

Viele Flüchtlinge haben in ihren Heimatländern ein Gymnasium besucht oder studiert, doch in Deutschland können sie derzeit nur eins: warten und hoffen, dass sie bleiben dürfen. Während des Wartens fühlen sich viele Flüchtlinge nutzlos und sind oft verzweifelt – dies will die Online-Universität „Kiron“ nun ändern. Die Kiron University (zuvor: Wings University) ist eine Chance für all diejenigen Flüchtlingen, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist und die somit weder Papiere noch Zeugnisse für Deutschland haben – denn wer mitten im Asylverfahren ist hat keine Chance auf ein Studium oder eine Arbeit. Ziel ist es, Flüchtlingen einen kostenlosen Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen, damit sie auch in Deutschland ihr Potential voll ausschöpfen können.

Studieren von überall

Hinter der Idee stecken 50 Ehrenamtliche aus Berlin – zumeist Studenten. In Zusammenarbeit mit den Initiatoren Markus Kreßler und Vincent Zimmer wurde eine unbürokratische Online-Universität speziell für Flüchtlinge aufgebaut – auch für solche, die noch keine Papiere haben. Die erste Anmeldephase lief bereits Mitte September; das erste Semester wird nun im Oktober beginnen.

Vom Flüchtlingscamp auf den Campus

Bisher stehen fünf Bachelorstudiengänge auf englisch zur Auswahl, darunter Betriebswirtschaft, Informatik und Ingenieurwesen. Die Kurse werden von deutschen und internationalen Universitäten angeboten. Doch die Online-Kurse sollen erst der Anfang sein – die Idee ist, dass die Partneruniversitäten die Scheine später, wenn der Studiengang nach regulär 3 Jahren beendet wurde, anrechnen. Dadurch sollen sich die Flüchtlinge, sobald sie in Deutschland anerkannt sind und die nötigen Papiere vorlegen können, an einer regulären Universität mit Campus und Hörsaal bewerben und dann auch offline weiterlernen können.
Starten können die Flüchtlinge die Universität also bereits als Asylbewerber, ab dem dritten Jahr muss der Aufenthaltsstatus jedoch eindeutig sein. Um das Studium fortzusetzen, müssen dann die Zugangsvoraussetzungen, wie etwa Deutschtests, nachgeholt werden und entsprechende Zeugnisse vorgelegt werden. Diese erbrachten Leistungsnachweise werden von „Kiron“ dann im Nachhinein anerkannt.

Unterstützung finden die Studenten – zu ihrem eigenen Erstaunen – in vielfältiger Weise. Beispielsweise plante eine Gruppe ehemaliger Harvard-Professoren die Studiengänge der Kiron Universität.
Bisher gibt es 15 Partneruniversitäten, zu denen unter anderem die Hochschule Heilbronn, die Leuphana Universität Lüneburg, die University of Westafrica und die University of the People in den USA zählen. Auch die Berliner Staatsbibliothek sowie kirchliche Hilfswerke wie die Caritas beteiligen sich.

Finanzierung per Crowdfunding

Um das Projekt dauerhaft finanzieren zu können, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Kreßler kommentierte, dass für einen Studenten in den drei Jahren etwa 1.200 Euro benötigt werden. Der Vorteil des Crowdfunding ist, dass das Geld direkt bei der Kiron Uniersity ankommt und somit auch die große Menge an Flüchtlingen, die derzeit in Deutschland ankommt, direkt anfangen kann, zu studieren.

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