Die Idee schützen lassen

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Am Anfang eines jeden Unternehmens, eines jeden Produktes und hinter jeder Innovation steckt dasselbe: Eine einzige kleine Idee und sei es nur ein kurzer Geistesblitz, der plötzlich alles verändert. An diesem Punkt freuen sich die meisten Menschen und sehen sich schon in Pools voller Geld schwimmen und Cocktails mit den Stars schlürfen. Aber meistens kehrt ziemlich bald das Gefühl der Ernüchterung ein und man wird ein wenig nervös, weil man sich plötzlich eine Frage stellt: Wie schütze ich meine Idee vor gemeinen Nachahmern?

Keine Sorge: Hier findest Du die gängigsten Möglichkeiten innerhalb Deutschlands, um Dein geistiges Eigentum schützen zu lassen.

Möglichkeiten des Ideenschutzes

Die Ideen sind frei. Was erstmal klingt wie eine esoterische Lebensweisheit, ist in Deutschland ein Grundsatz: Nämlich jener, dass man Ideen allein nicht schützen kann. Das liegt daran, dass der geistige Fortschritt gefördert und Monopolstellung einer Idee vermieden werden soll. Diese Tatsache mag jetzt vielleicht ernüchternd für dich sein, es gibt aber dennoch Möglichkeiten, wie Du Deinen Plan weiterverfolgen kannst! Zwar kannst Du keine bloße Idee schützen lassen, die verkörperte Form davon sehr wohl. Wenn Du also zum Beispiel eine völlig innovative und kreative Idee für ein Brettspiel hast, ist diese nicht zu schützen. Wenn Du das Brettspiel aber irgendwie dreidimensional herstellen kannst, und sei es nur aus Papier, dann kannst Du Deine Erfindung ganz einfach schützen lassen. Wie Du dabei für welche Art von Idee vorgehst, erklären wir dir gern!

Beweise schaffen!

Du hast eine innovative Idee? Dann versuche, Beweise dafür zu schaffen, dass Du als Erstes diesen Einfall hattest. Im Prinzip bist Du automatisch der Urheber von jeder verkörperten Idee, die Du hast. Falls jemand Deine Idee stehlen sollte, liegt es aber an dir, diese Tatsache zu beweisen. Natürlich ist dies keine Garantie dafür, dass Du zum Beispiel vor Gericht Recht bekommst – jedoch kann es auch auf keinen Fall schaden! Um Beweise herzustellen, kannst Du wie folgt vorgehen:

  • Du solltest die Entstehung Deiner Idee möglichst genau dokumentieren: Fertige Skizzen und Konzepte an, mach ein Video davon, wie Du von Deiner Idee sprichst, oder erstelle schon mal einen Geschäftsplan, der eindeutig Datum und Inhalt der Entstehung
  • Du kannst einen Bekannten bitte, Deine Idee zu bezeugen. Am besten Du schreibst ihm oder ihr einen Brief oder eine E-Mail, in der Deine Idee beschrieben wird, und bittest die Person Deines Vertrauens das Schriftstück zu archivieren.
  • Du kannst Deine Idee auch einem größeren Kreis von Personen präsentieren und anschließend ein Protokoll verfassen. Im Vorfeld könntest Du die Anwesenden eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen lassen.
  • Du kannst auch einen Brief per Einschreiben an dich selbst schicken. Öffne ihn erst dann, wenn Du Gebrauch davon machen musst.
  • Du bist Künstler und hast ein besonderes Design entwickelt? Dann kannst Du auch ganz anders vorgehen: Poste Dein fertiges Kunstwerk auf Social Media und beweise somit, dass du der originale Urheber bist. Unter Künstlern ist es darüber hinaus auch sehr verpönt, von anderen Ideen oder Entwürfe abzukupfern – jeder will schließlich ein Original kaufen und keinen billigen Abklatsch!

Du kannst Deine Dokumentationen auch bei einem Notar oder Rechtsanwalt hinterlegen. Das wäre mit Abstand die sicherste Methode, um vor Gericht zu bestehen. Denn alles andere bisher Aufgelistete gilt nur als schwaches Indiz für Deine Urheberschaft. Je nach Streitwert sind die Kosten für eine solche Hinterlegung sehr unterschiedlich. Bei einem Streitwert von 50.000 Euro würde das Hinterlegen beispielsweise 66 Euro exklusive Umsatzsteuer und Kopierkosten betragen. Aber Achtung: Eine 100% sichere Gewährleistung bietet auch die notarielle Hinterlegung nicht! Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, seine Ideen schützen zu lassen:

Urheberrecht

Wie bereits erwähnt, schützt das Urheberrecht keine Ideen, sondern nur Werke, die daraus entstehen. Darunter fallen insbesondere literarische Werke, Kunstwerke, Musikalisches oder Computerprogramme. All jene Formen sind automatisch geschützt, sobald sie greifbar sind. Das Urheberrecht schützt die Werke auch noch 70 Jahre nach Tod des Urhebers. In dieser Zeit können die Nachfahren über das Werk verfügen. Nach 70 Jahren erlischt das Urheberrecht und die Idee wird wieder zum Allgemeingut.

Patentrecht

An dieses Recht denken wohl die meisten, wenn sie eine Idee oder ein Produkt schützen lassen wollen. Aber aufgepasst: Wenn Du ein Patent anmelden willst, dann MUSS es sich um eine technische Innovation handeln. Technisch heißt hier, dass Dein Patent auf einer Tätigkeit beruht, die gewerblich anwendbar ist. Einfach ausgedrückt: Deine Idee muss eine Funktion haben, die maschinell umgesetzt werden kann. Ein Patent kann durchaus einiges kosten und Du solltest dir deshalb auch Gedanken über Deine Finanzierungsmöglichkeiten machen!

Markenschutz

Der Markenschutz kann ebenfalls nur greifen, wenn die Idee bereits Form angenommen hat. Wenn Du zu Deinem Produkt schon einen Namen, ein Logo oder einen bestimme Melodie entwickelt hast, kann dies mit Hilfe des Markengesetzes geschützt werden. Der Markenschutz schützt also in erster Linie nicht Deine Idee, sondern nur den Vermögenswert Deiner Marke.

Gebrauchsmuster

Das Gebrauchsmuster ist eine Form des Patents, jedoch deckt sie rechtlich um einiges weniger ab. Ein Ideenschutz über Gebrauchsmuster läuft folgendermaßen ab: Es muss sich um eine technische Erfindung handeln, die neu ist, einen erfinderischen Schritt beinhaltet und gewerblich anwendbar ist. Im Prinzip entspricht dies also dem Patent, jedoch mit folgenden Unterschieden:

  • Das Gebrauchsmuster schützt Deine Idee nur in dem Land, in dem Du es anmeldest, und nicht darüber hinaus, wie ein Patent.
  • Dafür ist der Gebrauchsmusterschutz um einiges billiger als ein Patent.
  • Tipp: Wenn Du ein Gebrauchsmuster anmeldest, hast Du damit ebenfalls Beweise für Deine Urheberschaft geschaffen, da es sich um ein amtliches Dokument handelt!

Geschmacksmuster/Designschutz

Oftmals ist genau das spezielle Design, die Besonderheit, welche Deine Idee schützenswert macht. Die gute Nachricht: Materielle Gegenstände, zwei- oder dreidimensionale Muster oder eine völlig neuartige Form können geschützt werden. Allerdings ist dies nicht ganz unkompliziert. Denn die Form allein dürfte in der Praxis schwierig zu schützen sein. Nur in Verbindung mit einer spezifischen Funktion, die genau durch jenes Muster erfüllt wird, hast Du gute Chancen, einen Eintrag beim DPMA zu erhalten. Sobald Deine Idee geschützt ist, geht’s es erst richtig los! Bis zum eigenen Unternehmen ist es nämlich ein langer Weg und Deine Idee ist nur der Anfang.

Idee schützen lassen: Drei wichtigste Schritte

  • Dokumentiere jeden Schritt, der zu Deiner Idee geführt hab und lagere die Dokumente sicher. Am besten Du legst dir für digitale Aufzeichnungen einen passwortgeschützten USB-Stick Analoge Dokumente, wie Zeichnungen oder Pläne, solltest Du wie oben erwähnt entweder bei einem Notar hinterlegen oder Du legst dir einen Safe zu. Du solltest sicherstellen, dass niemand außer dir Zugriff auf Deine Idee hat!
  • Halte Deine Idee geheim. So schwer es auch sein mag: Wenn Du eine wirklich gute und innovative Idee hast, erzähle bloß nicht jedem davon.
  • Informiere dich gut! Geh zum Patentamt und lass dich beraten oder suche einen Rechtsanwalt auf, der auf Patentrecht spezialisiert ist. Auch wenn dabei womöglich Kosten entstehen, ist dies die sicherste Variante, um Deine Idee zu schützen.

Motivation zum Abschluss: 3 Mutige, die mit einer Idee reich wurden

  • Die Gründer des Mitwohnportals Airbnb gingen mit ihrer Idee, dass Privatpersonen ihre Wohnungen und Zimmer über eine Plattform vermieten können, 2008 auf den Markt. Heute ist das Start-up über 24 Milliarden Dollar wert. Die drei Gründer, Brian Chesky, Nathan Blecharczyk und Joe Gebbia, sind nun dank dieser Idee jeweils rund 1,9 Milliarden Dollar schwer.
  • Drew Housten musste fünf Mal auf die Nase fallen, bis ihn eine Idee endlich reich gemacht hat: Mit Dropbox, einem Dienst, um private Daten in der Cloud zu speichern, hat es dann funktioniert. Houstons Vermögen wird auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt.
  • Alex Anton, Gründer von Jellyfish Art, ist studierter Biologe und ein großer Fan von Quallen. Leider ist es nicht möglich, Quallen in einem herkömmlichen Aquarium zu halten: Sie werden dort durch das Filtersystem eingesogen und getötet. Deshalb entwickelte er mit dem Jellyfish Tank ein Quallen-Aquarium für den privaten Gebrauch. Seine Idee finanzierte der Kalifornier mithilfe von Crowdfunding auf der Plattform Kickstarter. Mittlerweile verfügt er über ein erfolgreiches Kleinunternehmen mit mehreren Angestellten.
Michael Reinalter

Autor: Michael Reinalter

Michael Reinalter ist bei Tresoro, dem Experten für Sicherheitslösungen unter anderem für den reibungslosen Ablauf im Beratungscenter zuständig. In seinem Alltag erlebt er dabei ständig den Zwiespalt zwischen herkömmlichen und elektronischen Aufbewahrungsmöglichkeiten. Er ist davon überzeugt, dass man sich besonders bei wichtigen Dokumenten und Daten auf keine Fall auf eine Sicherheitslösung allein verlassen sollte – halbstarke Kompromisse sollte man unbedingt vermeiden.

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