Altkleider-Spende – Alles nur eine Lüge?

Deutschlandweit gibt es bereits seit etlichen Jahren eine Vielzahl von Altkleidercontainern vorzufinden. Doch was passiert eigentlich mit der Kleiderspende heutzutage? Was hat sich seit der großen Kritik über die Weiterverarbeitung von gespendeter Kleidung für Bedürftige verändert? Und was für Alternativen zur Altkleider-Spende gibt es eigentlich in Deutschland?

Ein alt bekanntes, dennoch aktuelles Problem: Die Altkleider-Spende

Das organisierte Einsammeln von Altkleidersammlung gibt es schon seit mindestens 30 Jahren. Wie Vielen sicherlich bekannt, wurde bereits zu Beginn der 1990er Kritik zur Altkleiderspende laut. So wurde zum Beispiel darüber berichtet, dass ein Großteil der gespendeter Kleidung an gewerbliche Textilverwerter weiterverkauft und somit zur Handelsware wurde.

Es wurde auch bekannt, dass kirchliche Träger oder gemeinnützige Organisationen, dessen Logo viele Altkleidercontainer schmückt, oftmals gar nicht die jenigen waren, die die Kleidung weiterverwenden; stattdessen wurde lediglich der Name oder das Logo des Trägers an gewerbliche Sammelfirmen vermietet. Was fehlte, war die Transparenz. Aus diesem Grund wurde 1994 FairWertung e.V., der Dachverband gemeinnütziger Kleidersammler, gegründet.

Deusche Haushalte sortieren jährlich mehr als 1,5 Milliarden Textilien aus

Laut FairWertung e.V. sortieren deutsche Haushalte jährlich mehr als 1,5 Milliarden Textilen aus. Die Hauptmotivation dieser Spenden ist meist eindeutig: etwas Gutes tun mit etwas, was man nicht mehr braucht und somit Platz für Neues schaffen.

Der Dachverband, bestehend aus 115 gemeinnützigen und kirchennahen Organisationen, hat zum Ziel, mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung. Um dies zu ermöglichen, wurden Standards für Kleidersammler und auch das „FairWertung“-Siegel eingeführt. Das Siegel besagt, dass das Gespendete tatsächlich Bedürftigen zugutekommt bzw. durch sie soziale Projekte gefördert werden. FairWertung sieht sich zudem auch als Informations Platform zum Thema Altkleidersammlung und Secondhand-Kleidung und berichtet in regelmäßigen Abständen über Hintergründe und Zusammenhänge von gebrauchter Kleidung.

FairWertung Siegel

FairWertung Siegel

So ist bekannt, dass etwa die Hälfte der Altkleider, die gespendet werden, nicht mehr tragbar sind. Sie landen entweder wieder im Müll, oder werden zu Dachpappe, Dämmmaterial oder Putzlappen verarbeitet. Die Sachen, die tragbar sind, werden zum Großteil an Textilsortierbetriebe verkauft, dort nach Artikel und Qualität geprüft und landen letztendlich in Afrika, Osteuropa, im Nahen Osten oder auch Asien. Der Grund: Nur ein Teil der gespendeten Kleidung wird in Deutschland tatsächlich benötigt.

Ob der Import von Gebrauchtkleidung nun die lokale Wirtschaft nachhaltig schadet, ist immer noch schwierig zu beantworten, denn es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zudem entstehen durch den Import auch neue Arbeitsplätze. Was allerdings mehr und mehr Einfluss auf lokale Textilindustrie haben soll, ist die Billigkonkurrenz aus China, die teilweise noch günstiger als importierte Gebrauchtkleidung sein soll. In Deutschland wird währenddessen der Markt durch rund 15.000 illegalen Containern aufgemischt, laut einem kürzlich veröffentlichen NDR Artikel.

Sinnvolle Alternativen zu Altkleidercontainern in Deutschland

Als aller Erstes kann man sich über die Standortabfrage informieren, ob sich in der eigenen Wohngegend eine Abgabestelle oder einen Container eines FairWertung-Partners gibt, oder ob es sich um rein kommerzielle oder illegale Betreiber handelt. Somit ist zumindest gewährleistet, dass die Standards für Kleidersammler eingehalten werden.

Umstritten ist die Abgabe von Altkleidern bei H&M, bei der es pro abgegebene Tüte 15% auf einen neuen Artikel gibt. Viele sehen dies eher als Verkaufsförderung und PR Maßnahme an. Aber es gibt ja auch noch Alternativen: Upcycling-Designer, wie Eugenie Schmidt und Mariko Takhashi aus Berlin, die aus alten Kleidungsstücken neue trendige Kleidung erstellen. Spender können auf der Webseite der Designer verfolgen, was aus der gespendeten Kleidung passiert ist. Ihr Label heißt Schmidttakahashi; andere bekannte Labels mit einem Upcycling Fokus sind u.a. Good One, Globe Hope, Nilüfer eco fashion und MILCH.

Alternativ kann man nicht mehr gebrauchte Kleidung im Bekannten-und Familienkreis, in Kleiderkammern oder direkt bei sozialen Einrichtungen abgeben. Besonders im Winter sollte man erwägen, Kleidung in Obdachlosen-Einrichtungen abzugeben. Und wenn man schon immer mal überlegt hat, wie man Flüchtlingen eigentlich helfen kann, bietet sich die Abgabe von Kleidung in Flüchtlings-Erstaufnahmestellen an, denn die meisten Flüchtlinge kommen nur mit wenig Habseligkeiten nach Deutschland.

Auch gibt es natürlich immer noch die Möglichkeit, Kleidung in Secondhandshops, Umsonstläden oder dem Fairkaufhaus abzugeben. Geringverdiener bekommen 30% Rabatt auf die Preise, einkaufen kann aber jeder im Fairkaufhaus. Eine sehr einfache und bequeme Art, Gutes zu tun ist auch PACKMEE – die Kleiderspende im Karton. Noch tragbare Kleidung, sowie auch Haushaltstextitlien, kann man in einem Karton verpacken, mit einem Packmee Versandaufkleber versehen und dann über einen Paketboten oder DHL oder Hermes Annahmestellen verschicken. Der Filialfinder zeigt, welche Annahmestelle der Logistikpartner in der Nähe ist. Ab 5kg ist der Versand kostenlos.

https://www.youtube.com/watch?v=totDR_LecIU

Auch immer beliebter werden online Kleiderbörsen wie Kleiderkreisel, Kleiderkorb oder Mädchen Flohmarkt, durch die man gebrauchte Kleidung verkaufen kann. Auf Zamaro kann man seine Kleidung tauschen statt verkaufen.

Passend zur Frühling- und Sommerzeit kann man die Gelegenheit natürlich auch nutzen, um mit Freunden oder Familie auf dem Flohmarkt zu gehen und selber zu verkaufen. Generell sollte sicherlich bewusster eingekauft werden, Kleidung länger getragen werden und ggf. aufgebessert werden, sofern diese kaputt geht, anstatt diese direkt wegzuschmeißen. Auch DIY Workshops können eine gelungene und spaßige Alternative bieten.

(Autor: Melanie Akerboom)

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