Alle Jahre wieder… kaufen die Deutschen rund 29 Millionen Weihnachtsbäume

Geschmückte Tannen zu Weihnachten haben Tradition – doch wie wäre es dieses Jahr mit einer nachhaltigeren Alternative zu abgeholzten Weihnachtsbäumen?

Wir kaufen Bio, sparen Strom, bilden Fahrgemeinschaften und nehmen unseren Stoffbeutel zum Einkaufen mit. Wir versuchen nachhaltiger zu leben und zu konsumieren. Doch kaufen wir unsere Weihnachtsbäume meist noch beim Garten- oder Baumarkt um die Ecke – und werfen den nadeligen, toten Baum Anfang Januar wieder aus dem Haus. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland rund 29,5 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Davon werden etwa 90 Prozent gefällt. Um etwas gegen die Abholzung zu tun, steigen immer mehr Menschen auf Plastik-Weihnachtsbäume um. Aber ist ein Baum aus Plastik wirklich besser? Vor dem Hintergrund der Plastikverschmutzung meinen wir: es geht auch nachhaltiger! Und zwar mit einem Weihnachtsbaum mit Wurzeln.

Aber ist ein klassischer Weihnachtsbaum wirklich schlecht?

Natürlich ist ein klassischer Weihnachtsbaum nicht per se umweltschädlich. Insbesondere nicht, wenn der Baum auch nach dem Fest noch sinnvoll genutzt wird. Nimmt man beispielsweise die Sammelpunkte der Stadt in Anspruch, werden die Tannen professionell kompostiert, zur Energieerzeugung verwendet, zu Humus weiterverarbeitet oder als Futter an Zoos und Tierparks gegeben. Wichtig dabei ist, dass die Christbäume vollständig abgeschmückt sind. Befindet sich keine Sammelstelle in der näheren Umgebung, können die Tannen auch an Recyclinghöfen abgeben oder einfach im eigenen Garten weiterverarbeitet werden.

Doch kommen die Christbäume meist nicht aus dem Wald, sondern aus Monokulturen. Ein Weihnachtsbaum braucht im Durchschnitt 8 bis 10 Jahre, bis er für das Fest geschlagen wird. Über diesen Zeitraum wird er mit Pestiziden und Mineraldünger behandelt, da sich in Monokulturen Krankheiten besonders schnell ausbreiten. Doch Pestizide töten nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Bakterien und Pilze, die sonst als natürlicher Dünger fungieren. Weihnachtsbäume aus ökologischer Landwirtschaft, Durchforstung, also der gezielten Entnahme aufgrund waldbaulicher Pflegemaßnahmen, oder von Sonderstandorten, wie zum Beispiel unter Stromtrassen, sind da allemal besser.

Lebende Weihnachtsbäume für ein fröhliches Weihnachtsfest

Doch zurück zu den Weihnachtsbäumen im Topf. Diese werden bereits von vielen Baumschulen, landwirtschaftlichen Betrieben, Bio-Höfen und auch dem normalen Handel angeboten. Und die Auswahl steht der an geschlagenen Nadelbäumen kaum nach, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Bei der Größe der Tanne müssen zwar Abstriche gemacht werden, aber dafür kann der Baum nach den Feiertagen eingepflanzt oder auch im Topf auf Balkon oder Terrasse bis zum nächsten Weihnachtsfest aufbewahrt werden. Doch nicht jeder hat einen Garten – oder ausreichend Platz für eine Tanne. Die Lösung: Weihnachtsbäume im Topf mieten. Mieten ist zwar meist nicht günstiger als kaufen, aber der Gedanke, dass der Baum nach den Feiertagen weiterlebt, allemal schöner.

Tannen mieten

Neben vielen Baumschulen und Förstereien bieten auch immer mehr lokale Anbieter, Versandunternehmen und Eventagenturen Weihnachtsbäume zum Mieten an – einfach mal googeln. Diesen Mietservice gibt es beispielsweise im Raum Paderborn von Paderbäumchen, in Hamburg von RENT-A-PLANT, in Mainz von Weihnachtsbaumfreunde.de, im Raum Stuttgart von Ecosapin und in und um Wien, Graz und München von Greentree. Das Wunschbäumchen wird meist inklusive Topf direkt vor die Tür geliefert und im neuen Jahr wieder abgeholt. Das Versenden verursacht zweifelsfrei Emissionen, doch einige Händler versichern einen klimaneutralen Transport.

Weihnachtsbäume im Topf brauchen Pflege

Weihnachtsbäume im Topf – ob nun gemietet oder gekauft – machen natürlich nur dann Sinn, wenn sie nach den Feiertagen auch wirklich wieder in die Erde kommen. Allerdings ist das einpflanzen der Weihnachtsbäume nicht immer von Erfolg gekrönt. Das liegt oftmals daran, dass die Tanne die Zeit in der Wohnung nicht so gut verkraftet hat. Deshalb sollte der Topf-Weihnachtsbaum gut gepflegt und ein paar Regeln beachtet werden. Und das fängt beim Kauf an.

Bei Bäumen, die im Freiland groß gezogen wurden und erst kurz vor Weihnachten gestochen werden, besteht die Gefahr, dass der Wurzelballen Schaden nimmt. Die Folge: die Anwachschancen sind geringer. Deshalb sollte ein Baum gewählt werden, der bereits im Topf gewachsen ist. Da Nordmanntannen im Gegensatz zu unseren regionalen Tannenarten Tiefwurzler sind, sind diese leider nicht als Weihnachtsbaum im Topf geeignet. Der Baum sollte außerdem langsam an die jeweiligen Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen gewöhnt werden und nicht an der Heizung stehen. Regelmäßiges gießen ist ein Muss, Kunstschnee und Lametta hingegen tabu.

Regional und nachhaltig

Doch Baum ist nicht gleich Baum. Monokulturen, Pestiziden und chemischen Dünger schaden der Umwelt, und somit auch dem Menschen – insbesondere, wenn wir uns den Baum ins Wohnzimmer stellen. Deshalb sollte auf nachhaltigen Anbau und, aufgrund der Transportwege, auf regionale Herkunft geachtet werden. Neben Siegeln wie “Bio”, „FSC“, „Naturland“ oder „Demeter“ ist auch das “Fair Trees“-Siegel eine Sicherheit dafür, dass größtmögliche Rücksicht auf Menschen und Umwelt genommen wurde. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Anlaufstellen bietet die Waldschutzorganisation Robin Wood.

Ein Herz für krumme Tannen

Nadelbäume mit Schönheitsfehlern schaffen es meist nicht in den Handel – sondern wandern in den Müll. Einer von vier Weihnachtsbäumen gilt wegen etwaiger Makel als unverkäuflich. Bei dem Berliner Startup Better Footprint werden diese Tannen nun mit ausgefallenen Namen angeboten: die alptraumhafte Angela, den aufgewühlten August und die widerborstige Wanda kosten zwischen 20 und 15 Euro und werden klimaneutral verschickt. Außerdem finanziert das Startup mit jeder verkauften Schönheit einen Baum bei „Plant for the Planet“.

Für welche Alternative ihr euch entscheidet – wir wünschen euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

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