Startups zur Veränderung der Nachbarschaft

13.02.2017 – Früher waren die Nachbarn ein Hilfesystem, sie haben mittags auf die Kinder aufgepasst, sind in Notfällen zur Hilfe geeilt oder haben einem Zucker geliehen. Und heute? Heute kennen viele nicht einmal die Namen der Menschen, die eine Tür weiter wohnen. Man lebt zunehmend anonym, insbesondere in Großstädten. Doch einige Startups wollen dies nun ändern.

Gute nachbarschaftliche Verhältnisse sind nicht nur in Notfällen wichtig. Der Mensch braucht soziale Beziehungen. Diese können durch Familie, Freundschaft oder räumliche Nähe entstehen. Neben der Familie und Freunden gehört die Nachbarschaft zu den traditionellsten Formen der Gemeinschaft. Eine funktionierende Nachbarschaft kann das Leben verschönern – eine schlechte es bis zur Unerträglichkeit vermiesen. Doch wie sorgt man für gute nachbarschaftliche Verhältnisse? Manche Menschen gehen einfach von Tür zu Tür, klingeln, stellen sich vor und laden zum Kuchen ein. Andere verwenden Online-Plattformen, um über virtuelle Kontakte in der Realität zusammen zu finden. In den letzten Jahren sind viele solcher Plattformen entstanden, die alle dasselbe Ziel verfolgen: Nachbarschaften wieder aufleben lassen. Wir haben fünf von ihnen verglichen.

Nachbarschaftsnetzwerke: Für mehr Gemeinschaft

Das Prinzip aller Nachbarschaftsnetzwerke ist dasselbe: Nachbarn vernetzen sich online, um sich offline besser kennen zu lernen. Außerdem sollen die Prinzipien „Teilen statt Haben“ oder „Leihen statt Kaufen“ zu einer ressourcenschonenden Nachbarschaft beitragen. Über die erstellten Profile findet man Nachbarn, die dieselben Interessen haben und verabredet sich ganz einfach zum joggen oder Theaterbesuch. Im Profil ist außerdem enthalten, mit welchen Tätigkeiten man seinen Nachbarn helfen könnte. Dies reicht von „Bohrer auszuleihen“ bis hin zu „für ältere Nachbarn einkaufen gehen“. Zusätzlich gibt es auf allen Plattformen eine Art Marktplatz, auf der Gesuche für Fahrräder, Meerschweinchensitter, oder eine benötigte Leiter aufgegeben werden können. Veranstaltungskalender sollen die große Gemeinschaft zusammenbringen und das Planen solcher Events vereinfachen. Weiterhin gibt es meist den Bereich Forum, in dem Beiträge verfasst oder Umfragen gestartet werden können.

Kennenlernen im individuellen lokalen Umfeld

Bei den Nachbarschaftsnetzwerken alleNachbarn.de und nebenan.de wird die eigene Nachbarschaft selbst definiert. Sei dies nun das eigene Haus, die eigene Straße oder das gesamte Viertel. Nur von einem selbst autorisierte Personen haben Zugriff auf das eigene Profil. Auf den Leih-, Talent- und Freizeitbörsen findet man, was das Herz begehrt. Außerdem werben dort ausschließlich Kleinunternehmer, wie zum Beispiel der Kleinbauer von gegenüber oder das Kiosk im Viertel, was die lokale Wirtschaft unterstützen soll.

Für mehr Teilhabe

Beim berliner Startup Polly & Bob soll insbesondere die Teilhabe sowohl am gesellschaftlichen als auch am politischen Leben vereinfacht und ein öffentlicher Raum für inhaltliche Diskussionen geschaffen werden. So werden beispielsweise Wahlhilfen auf Bezirksebene angeboten, regelmäßig Nachbarschaftstage veranstaltet, Nachbarschaftsgremien für mehr Mitbestimmung gegründet und gebildete Lokalgruppen überregional vernetzt, sodass gute Ideen verbreitet und ausgetauscht werden können.

Soziale Netzwerke für die Nachbarschaft

Die Projekte Nachbarschaft.net und Swapi verwenden insbesondere ein Radar, das anzeigt, welche Nutzer sich in der unmittelbaren Umgebung befinden. Dies soll die Kommunikation zwischen Nachbarn vereinfachen. Beide sind ähnlich aufgebaut wie Facebook; über die App stehen öffentliche Pinnwände, Messenger sowie ein persönliches Profil zur Verfügung. Eine spezielle Matching-Funktion schlägt außerdem Nachbarn vor, die dieselben oder ähnliche Interessen haben. Ferner kooperiert Nachbarschaft.net mit dem größten Onlinefundbüro Zentrales Fundbüro.

Auch über andere Nachbarschaftswerke, wie wirnachbarn.com und deine-strasse.de, haben wir bereits berichtet. Für welche Plattform man sich entscheidet, ist jedem selbst überlassen. Wir finden alle Ideen toll und wünschen viel Spaß beim finden, tauschen und kennenlernen!

(Autorin: Tamara Schiek)

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