Bei Photocircle Fotos kaufen und der Welt helfen

15.10.2012 – Dass man Fotos bzw. Fotodrucke über das Internet kaufen kann, ist den meisten Internetnutzern nicht unbekannt, aber Photocircle (www.photocircle.net) geht noch einen Schritt weiter. Was es mit Photocircle genau auf sich hat, erklärt Gründer Thomas Heinrich in einem Interview.

Thomas, was macht Photocircle eigentlich?

 
PhotocircleAuf Photocircle kann man eigene Fotos auf Leinwand, Acrylglas, Alu Dibond, etc. drucken lassen oder Fotos renommierter sowie talentierter Fotografen kaufen. Ein Teil des Verkaufserlöses fließt in soziale Projekte, die von unseren Partnerorganisationen in der Region durchgeführt werden, wo das jeweilige Bild gemacht wurde.

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Photocircle?

 
Photocircle will eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten schaffen. Das heißt, wir wollen nicht nur eine Vielzahl sozialer Projekte unterstützen. Auch unsere Fotografen sollen bei uns eine gute Möglichkeit bekommen, Ihren Umsatz zu steigern. Auch wir wollen am Ende des Tages von unserer Plattform leben können. Unseren Anteil nehmen wir von dem Verkauf der Kunstdrucke.

Wie bist du auf diese Idee gekommen?

 
PhotocircleIch bin selber begeisterter Hobbyfotograf und war viel in Südamerika und Asien auf Reisen. Als Fotograf möchte man immer möglichst authentische Fotos machen. So fotografiert man z.B. Menschen in ihrem Alltag. Hier hatte ich oft schon immer ein Konflikt mit mir auszutragen. Darf man so etwas? Sollte man Menschen fotografieren, ohne dass diese oft überhaupt davon wissen? Das schlechte Gewissen verstärkte sich dann nach meiner letzten Reise durch Asien, als ich zurück in Berlin war und überlegte, meine Bilder Online zu verkaufen. Ich dachte mir, alle profitieren von schönen Aufnahmen: die Galerie bzw. der Verkäufer, der Fotograf und die Käufer. Nur das Motiv, das das Foto eigentlich einzigartig macht, geht leer aus. Diesen Umstand wollte ich ändern. Photocircle ist nun eben unser Versuch, den Fotomarkt gerechter zu gestalten und das Motiv indirekt am Erfolg der Bilder zu beteiligen, indem ein Teil des Geldes zurück in die Region fliest, in der das jeweilige Bild entstanden ist.

Wie habt ihr eigentlich euer Fotografen-Netzwerk aufgebaut und wie groß ist es mittlerweile?

Anfangs haben wir Fotografen, die uns gefielen, direkt angeschrieben und gefragt, ob Sie mitmachen wollten. Das tun wir auch immer noch. Mittlerweile hat sich unsere Idee aber schon etwas rumgesprochen, so dass auch andere Fotografen, die wir nicht selber angesprochen haben, Bilder bei uns hochladen. Mittlerweile haben wir ca. 150 Fotografen aus allen Kontinenten.

Was motiviert Fotografen dazu, über euch Fotos anzubieten? Hätten diese woanders nicht höhere Margen?

Fotografen können bei uns den Ländern und Regionen, die sie lieben gelernt haben, etwas zurückgeben. Das alleine ist für die meisten Fotografen schon Motivation genug. Das ist daran zu sehen, dass die meisten eine höhere Spendenquote wählen als die minimal von uns vorgesehen Quote von 30 %. Die meisten Fotografen verzichten sogar auf 50 %, manche sogar auf 70 % ihres Gewinnes. Die Marge der Fotografen ist jedoch nicht zwangsläufig niedriger als auf anderen Plattformen. Fotografen können selbst entscheiden, für welchen Preis die Bilder verkauft werden. Auch sind unsere Preise knapp kalkuliert. Das führt dazu, dass wir nicht teurer sind als andere Anbieter ohne sozialen Mehrwert.

Welche konkreten Projekte habt ihr bereits unterstützen können?

Wir unterstützen zur Zeit 17 Projekte in 16 Ländern. Einige Projekte sind schon relativ weit finanziert, wie z.B. unsere Patenschaft in Indien, andere leider noch kaum.

Viele Unternehmen behaupten, verschiedene Hilfsprojekte zu unterstützen. Doch leider kann man das häufig nicht genau nachvollziehen. Wie geht ihr mit dem Thema Transparenz um?

Transparenz ist für uns oberste Priorität. Jeder kann bei uns sehen, wie viel zur Realisierung eines jeweiligen Projektes noch benötigt wird und wie viel bereits finanziert wurde. Sollte es Unregelmäßigkeiten geben, stünden bei uns also sofort unsere Kunden, Fotografen oder Partnerorganisationen auf der Matte. Bei der Auswahl der Projekte achten wir darauf, dass unsere Partner uns Projekte geben, wo genau nachvollzogen werden kann, wofür die Gelder verwendet werden. Bei Nothilfeorganisationen wie der UNO-Flüchtlingshilfe ist das so genau leider nicht möglich. Hier werden die Gelder direkt da verwendet, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Ihr habt schon mehrere Partner (z.B. Care oder UNO) gewinnen können. Welche Rolle spielen diese für euer Unternehmen?

Unsere Partner sind enorm wichtig für uns. Wir könnten alleine niemals Projekte in allen Teilen der Welt durchführen. Weiterhin pflegen wir eine enge Partnerschaft. Wir unterstützen sie mit unseren Projekten und verschaffen ihnen weitere Reichweite. Im Gegenzug profitieren wir auch von unseren großen Partnern. Hin und wieder posten sie z.B. über uns auf Facebook oder schreiben in ihrem Newsletter über uns.

Was waren bisher die größten Hürden für Photocircle?

Wir haben über ein Jahr an der Fertigstellung der Plattform gearbeitet. Und das ohne je eine Gewissheit zu haben, ob unser Konzept angenommen würde oder nicht. Wir haben also viel investiert, um Photocircle zu gründen und sind ein großes Risiko gegangen. Diese Monate waren sehr lang und nicht immer einfach. Jetzt ist die größte Herausforderung, mit einem geringen Marketingbudget eine große Reichweite zu erzielen und möglichst viele Kunden zu gewinnen.

Wie kam überhaupt der Schritt zur Selbstständigkeit?

Ich wollte mich schon immer selbstständig machen. Nur bekommt man immer erzählt, dass man zuerst mehrere Jahre in einem Unternehmen Erfahrung sammeln muss, etc. Also begann ich nach dem Studium in einer Unternehmensberatung. Dort wurde ich aber nie glücklich. Also entschied ich mich nach bereits 15 Monaten zu kündigen und zu gründen. Mit was, wusste ich damals noch nicht. Also ging ich erst einmal reisen, um den Kopf frei zu bekommen. Es hat funktioniert. Nun ist es anders. Ich freue mich sogar richtig auf die Arbeit, weil Photocircle etwas ist, hinter dem ich zu
100 % stehe.

Warum möchtest du mit deiner Geschäftsidee unbedingt anderen helfen? Du hättest doch sicherlich auch ein „Ego-Business“ aufbauen können?

Ich glaube, Arbeit macht nur dann Spaß, wenn man sich mit ihr identifizieren kann und das kann ich bei Photocircle. Ich habe mich nicht hingesetzt und überlegt, wie ich etwas aufziehen kann, mit dem ich möglichst schnell möglichst viel Geld mache. Das war nie das Ziel. Gerade nach meinem Job als Unternehmensberater wollte ich etwas tun, was mich erfüllt. Die Herangehensweise war bei der Gründung also eine ganz andere. Ich empfand einen Zustand als ungerecht und wollte ihn ändern. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass bei jeder Idee ein durchdachtes Business Model stehen muss. Ich bin nun auch seit kurzem Vater und hoffe, mit Photocircle mittelfristig auch meine Familie ernähren zu können.

Was würdest du Gründern raten, die mit ihrem Business anderen Menschen helfen möchten?

Zu gründen war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Es war aber trotzdem keine leichte Entscheidung. Am Anfang musste ich viele Widerstände auch aus meinem familiären Umfeld überwinden. Schließlich habe ich einen gut bezahlten Job zur Zeit der Wirtschaftskrise aufgegeben und wusste noch nicht mal mit was ich gründen wollte. Mein Rat wäre daher, versuchen den Mut zu finden, seine Ideen zu realisieren. Dann sollte hinter jedem Social Business auch ein Business Model stehen. Langfristig immer auf Spenden und Fördergelder angewiesen zu sein halte ich nicht für sinnvoll.

Kannst du zum Abschluss noch einige Sätze zu deiner Person sagen?

Ich bin noch ( 🙂 ) 29 Jahre alt und gebürtiger Berliner. Studiert habe ich BWL an der FU Berlin und in Salamanca, Spanien. In meiner Freizeit spiele ich am liebsten Fußball oder jede andere Ballsportart, die es so gibt. Seit August bin ich stolzer Papa von Luca, der Halb-Berliner, Halb-Sizilianer ist. Meine andere große Leidenschaft, das Reisen, kommt aufgrund der vielen Arbeit an Photocircle und meiner jungen Vaterschaft nun also leider etwas zu kurz.

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