Was man nicht als soziale Innovation bezeichnen kann

soziale innovation

Thomas Siepmann / pixelio.de

Wie ist das Verhältnis des sozialen Unternehmens zum kapitalistischen System? Vielleicht lässt sich in der Unterscheidung zwischen sozialer Innovation und Markt-Innovation eine Antwort finden.

Es ist die Gretchenfrage für den Social Entrepreneur: Lässt sich in unserem kapitalistischen Umfeld etwas Positives für die Gesellschaft bewegen, und gleichzeitig damit Profit erwirtschaften? In welchem Verhältnis stehen soziales Engagement und Kapitalismus? Vielleicht kann die Unterscheidung zwischen sozialen Innovationen und Markt-Innovationen ein wenig Licht ins Dunkel dieser grundsätzlichen Frage bringen. Genau dies hat Daniel Goldberg in einem Blogbeitrag bei Stanford Social Innovation Review versucht.

Der Wille zählt

Zunächst ist es ja so, dass sich Gewinnabsicht und soziales Engagement nicht ausschließen. Besteht etwa ein Markt für eine soziale Dienstleistung oder ein Produkt, das hilft, soziale Probleme zu lösen, dann gebietet es die Logik des Kapitalismus dem Unternehmer, diese Marktlücke im Rahmen seiner Kompetenzen zu schließen und damit Geld zu verdienen. Weiterhin gibt es viele Bereiche unternehmerischen Handelns, in denen sich „etwas Gutes tun“ und Profit überschneiden – Effizienzsteigerung und damit Schonung von Ressourcen, das Anbieten von Gesundheits-Programmen für die eigenen Mitarbeiter oder die Stärkung der lokalen Lieferanten aus ländlichen Gebieten können als Beispiele genannt werden. Doch handelt es sich hierbei schon um soziales Unternehmertum? Hier wäre es vielleicht besser, von „Markt-Innovationen“ zu sprechen, handelt es sich doch schlicht um gute Unternehmenspolitik mit Blick auf die Bilanz, bei der „nebenbei“ etwas für die Gesellschaft getan wird.

Anders sieht es freilich dort aus, wo Unternehmen aus sozialem Engagement heraus bewusst die klassischen Formen des Marktversagens auffangen und Produkte und Dienstleistungen anbieten, die nach kapitalistischer Logik nicht oder zu wenig rentabel sind. Diese könnte man als „soziale Innovationen“ bezeichnen – weite Teile des Non-Profit-Sektors fallen in diese Kategorie. Beispiele reichen von der Suppenküche für Obdachlose bis hin zu alternativen Filmfestivals. Besonders interessant sind jene Fälle, bei denen es durchaus um Gewinn geht, aber ein anderes Ziel im Vordergrund steht: etwa die Vorführung anspruchsvoller Filme im Falle des Filmfestivals. Hier wird Gewinn gemacht, aber ein kleinerer, als vielleicht möglich wäre – etwa durch Zeigen von Blockbustern. Somit ist entscheidend, welchem Ziel Priorität eingeräumt wird: der klassischen Gewinnmaximierung oder einem anderen Ziel.

Vielleicht können wir so zwischen zwei Formen sozialen Unternehmertums unterscheiden: dem Fördern sozialer Ziele als Teil der Gewinnmaximierung und der bewussten Verfolgung sozialer Ziele auf Kosten der Gewinnmaximierung.

Sicherlich lässt sich so der Knoten aus Widersprüchen und Überschneidungen zwischen freier Marktwirtschaft und sozialem Engagement nicht vollständig entwirren, zumindest aber liefert diese Unterscheidung eine Basis, über diese wichtigen Fragen nachzudenken.

Lucien Koch von Koch & Konsorten berät etablierte Unternehmen sowie Start-ups in Sachen nachhaltige Kommunikation, Markenbildung und Content-Strategie.

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2 Kommentare

  1. Soziales Unternehmertum mit sozialer Innovation gleichzusetzen finde ich dann doch ziemlich plump: Die Idee, ein Gut oder eine Dienstleistung aus ideellen Gründen trotz niedrigerer Rendite anzubieten, ist an sich nicht sonderlich innovativ, oder?

  2. Johannes /

    Ich denke, der Begriff „Innovation“ ist hier etwas unglücklich gewählt. „Absicht“ wäre vielleicht eindeutiger. Doch die Grundsatzfrage bleibt: Kann sich gutes Handeln (monetär) auszahlen und lohnen? Und ist es noch eine rein soziale Absicht, wenn manaruch einen Gewinn damit machen möchte (muss)?

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