Ist Nachhaltigkeit wirklich sinnvoll? (Teil 2)

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© Michael Braungart

06.05.2013 – „Nachhaltigkeit ist Unsinn“ – Genau diese Aussage stellte Michael Braungart, Professor für Verfahrenstechnik, bei einem Interview mit der „Euro am Sonntag“ auf. Manch einen Leser wird diese Aussage sicherlich wie ein Schlag treffen. Doch was Professor Braungart mit seiner Behauptung meint, soll nun im zweiten Teil einer zweiteiligen Artikelserie erläutert werden. Hier geht es zum ersten Teil.

Ist Nachhaltigkeit wirklich sinnvoll? (Teil 2)

Der zweite Punkt seiner Idee soll die Warenwelt revolutionieren. Diese Welt solle nicht mehr gekauft, sondern geliehen werden. Man solle nicht mehr für das Eigentum, sondern für die Nutzung bezahlen. Diese Idee scheint schwer umsetzbar und trotzdem hat er bereits die ersten Firmen überzeugen können. Puma brachte vor kurzem eine Produktlinie ganz nach Herrn Braungarts Zukunftsvision auf den Markt. Dazu gehören Sneakers, wie auch ein weißes Polohemd (InCycle). Das Besondere daran ist, dass die abgenutzten Schuhe und Hemden wieder in den Laden zurück gebracht werden können.

Damit die Kunden dieses Rücknahmeprogramm auch wirklich nutzen, bekommen diese nach der Rückgabe einen Gutschein für den nächsten Einkauf. Dieses Programm läuft unter dem Namen „bring me back“. Die alten Kleidungsstücke werden von Puma zurück in die Fabrik gesendet und zu neuen Schuhen oder Hemden verarbeitet. Der Ausschuss wird als giftfreier organischer Müll kompostiert und damit zu Dünger. Puma nimmt mittlerweile nicht nur Produkte aus dieser Produktlinie zurück, sondern alle Kleidungsstücke, die sie bekommen können. Dazu gehören eben auch Produkte, die ursprünglich gar nicht von Puma produziert worden sind.

So trägt Puma dazu bei, dass der Abfallkreislauf verbessert wird, die endlichen Rohstoffe geschützt werden können und neue Produkte wie Teppiche entstehen können. Die Materialien der InCycle-Produkte werden bereits nach sechs Monaten wieder zu Bestandteilen unseres natürlichen Ökosystems. Puma möchte langfristig die komplette Angebotspalette nach Baumgarts Vision umbauen. Diese Idee entwickelte Professor Baumgart zusammen mit William McDonough, einem bekannten Architekten und Designer, der sich für die moderne Nachhaltigkeit einsetzt.

Das Verfahren tauften sie „Cradle to Cradle“. Dies bedeutet so viel wie: „Wiege zur Wiege“. Damit ist natürlich die Wiege des Lebens gemeint. Ein ständiger lebender Kreislauf soll geschaffen werden, indem Müll eben nicht das Ende, sondern wieder einen neuen Anfang bedeutet, weil es keinen so wie heute definierten Müll mehr geben würde. Hochwertige Produkte sollen wieder hochwertige Produkte werden und nicht zu minderwertigen Produkten, wie zum Beispiel Schallschutzwände, abgewirtschaftet werden.

Baumgart scheint eine ruhelose Persönlichkeit zu sein. Er ist ständig im Einsatz und entwickelt neue Ideen. Er erfand mit Trigema ein kompostierbares T-Shirt und mit Schwan-Stabilo einen essbaren Stift. Dies ist nur eine kleine Auswahl der Dinge, die er mit den unterschiedlichsten Unternehmen entwickelt hat und entwickeln wird. Außerdem lehrt er an diversen Hochschulen und hält Vorträge. Vielleicht braucht die Welt, um sich entwickeln zu können, genau solche Menschen. Innovative Ideen entstehen schließlich nicht, weil man sich an dem vorhandenen orientiert, sondern vielmehr, wenn man sich damit befasst, wie man die Zukunft besser gestalten könnte.

(Autor: Natália Kassner)

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