Bankmanager mit 12 Jahren – Kinder aus Indien gründen eigene Bank

Wird in den Medien über Indien berichtet, haben die Meisten sofort ein Bild im Kopf: die Slums, in denen Kindern auf Müllhalden arbeiten müssen, um ihre Familie unterstützen zu können und heruntergekommene und verdreckte Gegenden. Und besonders auch in diesen Gegenden sind, neben Kinderarbeit, Betrug und Überfälle keine Seltenheit.

kinderbank in indien

Kinder vor Betrug schützen

Um besonders Kinder vor Überfälle zu beschützen, hat die Hilfsorganisation Butterflies, neben den Obdachlosenheimen und Ausbildungsstätten, das Projekt „Bal Vikas Bank“ (zu Deutsch: Kinder-Entwicklungs-Bank) ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um eine Bank für obdachlose Kinder zwischen neun und 17 Jahren, die schon mit einem Cent ein Konto eröffnen und all ihre Einnahmen anlegen können. Derzeit gibt es in Südasien rund 300 Filialen mit 10.000 Kunden, zwölf Filialen davon allein in Neu Delhi. Geleitet werden die Banken von den Kindern selbst. Dafür wird alle sechs Monate ein Bankmanager von den Kindern gewählt.

Praktischer Umgang mit Geld

Doch das Projekt Bal Vikas Bank soll die obdachlosen Kinder nicht nur vor Betrug und Raubüberfälle beschützen. Ein weiteres Ziel ist es die Kinder für die Bildung zu gewinnen und ihnen zu lehren verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Außerdem erhalten die Kinder im Quartal einen Zinssatz von 3,5 Prozent bis zu 5 Prozent auf ihr Vermögen. Ab einem Alter von 15 Jahren könnten die Kinder Kleinkredite aufnehmen, um Schulmaterialien kaufen zu können oder gar zur Existenzgründung. Dabei entscheiden die jungen Bankmanager zusammen mit einem Erwachsenen, wer wie viel erhält. Ca. 20% der Kinder kommen regelmäßig, um ihr Geld anzulegen. Genau diese 20% können zumeist für Bildungsmaßnahmen gewonnen werden, da diese ein ernsthaftes Interesse daran haben, mehr als die Slums zu erreichen.

Doch wird durch die Banken die Kinderarbeit nicht noch mehr Unterstützt? Die Kinder, die dort als Bankmanager arbeiten gehen oftmals zur Schule und arbeiten zusätzlich auf den Recyclinghöfen. „Wir versuchen bei jedem Kind zu prüfen, ob es eine Alternative zum Straßenkinderdasein hat, und wir haben schon unzählige Kinder wieder zurück nach Hause geschickt“, sagt Zaved Rahman, Hauptkoordinator des Straßenkinderprojekts der Organisation. Und auch einige Kinder selbst sagen, sie arbeiten lieber dort, als bei ihren Familien misshandelt zu werden.

Gewinne werden in der Bank keine erzielt. Die Bank hält sich lediglich durch Spendern und Sponsoren am Leben. Der Hauptsponsor Misereor kommt aus Deutschland.

(Autor: Jenny Lorbeer)

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