„Unser Ziel ist es zukünftig noch mehr indische Frauen erreichen zu können“ – Caroline Rabe von ‚Jyoti – Fair Works‘ im Interview

Nach unserem letzten Bericht über „Fairliebt in Jyoti“ hat sich bei dem Unternehmen einiges getan: Unter anderem hat sich das Unternehmen nun in „Jyoti – Fair Works“ umbenannt, um auch international erfolgreicher zu werden. Wir haben Mitgründerin Caroline Rabe nun im Interview!
 

Caroline Rabe

Caroline Rabe


Caroline, du hast mit Jeanine das Startup ‚Jyoti – Fair Works‘ gegründet. Wie genau kam es dazu?

Im Jahr 2008 hat Jeanine ihren Freiwilligendienst bei der indischen NGO “Jyoti Seva Kendra” in dem kleinen südindischen Ort Chittapur gemacht. Durch ihre Arbeit konnte sie tiefe Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen und besonders der Frauen vor Ort gewinnen. Landwirtschaftlich wenig ertragreich und auch wirtschaftlich sehr schwach, liegt Chittapur in einer der ärmsten Regionen Indiens. Ein Großteil der Menschen und besonders der Frauen sind Analphabeten und somit nicht selten gezwungen, als Tagelöhnerinnen im Steinbruch zu arbeiten.

Zu tiefst beeindruckt von dieser Erfahrung und besonders von der scheinbar unerschütterlichen Stärke und Lebensfreude eben dieser Frauen, entstand bei Jeanines Rückkehr die Idee, eine Nähwerkstatt zu gründen. So wird den Frauen eine Festanstellung bei fairer Bezahlung und gleichzeitiger Nähausbildung angeboten. Gemeinsam mit ihnen designen wir Kleidung und Accessoires, die wir in Deutschland und Europa verkaufen. Die Erlöse finanzieren so die fairen Löhne, eine Krankenversicherung und vor allem Alphabetisierungs- und Fortbildungskurse in den Bereichen Frauenrechte und Entrepreneurship für die Frauen. Ich selbst bin etwas später dazu gestoßen und habe gemeinsam mit Jeanine die bestehenden Strukturen weiter entwickelt. Wir haben uns dazu entschieden, das Projekt nun professionell weiter zu führen, denn für das weitere Bestehen ist dessen wirtschaftliche Nachhaltigkeit unabdingbar. Die indische NGO steht uns hier nach wie vor als starker Partner zur Seite.

Vor Kurzem habt ihr euch selbst noch „Fairliebt in Jyoti“ genannt. Warum plötzlich ein neuer Name?

Wie eben angesprochen haben wir uns im letzten Jahr intensiv mit den bestehenden Strukturen beschäftigt und uns auch mit unserer Markenidentität auseinandergesetzt. Das Label “Fairliebt” ist markenrechtlich schon eingetragen, sodass ein neuer Name früher oder später unabdingbar war. Zudem haben wir unseren Auftritt und unsere Unternehmenskommunikation im Abgleich zu möglichen zukünftigen Entwicklungen umgestellt. Im Zuge dessen war ein neuer Name ein Resultat des ganzen Prozesses. Nun sind wir “Jyoti – Fair Works” – ein Name, der nicht nur unserem internationalen Publikum besser verständlich ist, sondern auch klarer vermittelt, wofür wir stehen: Faire Arbeit, die funktioniert!

Was gibt es sonst noch Neues bei Euch?

Bei uns hat sich nicht nur der Name geändert, sondern auch der ganze Auftritt. So erstrahlt unsere Homepage im neuen Design. Hier erklären wir nun transparent, wofür wir stehen und wie wir arbeiten. Neu sind vor allem die Videos auf unserer Seite. Neben einem Film, der das Projekt und unsere Arbeit vor Ort zeigt, gibt es auch zu jeder einzelnen Näherin ein Video, in der sie sich persönlich vorstellt. Neu im Shop ist auch unsere Kollektion in der wir zum ersten Mal auch Shirts und Kleider anbieten. Zudem wird unser Team in Chittapur diesen Monat noch Zuwachs von zwei neuen Näherinnern bekommen. Wir und das Team vor Ort freuen uns schon sehr Ayisha und Nagma begrüßen zu dürfen.

Was dürfen wir noch in Zukunft von euch erwarten? Was sind eure Ziele?

Unser Ziel ist es, zukünftig noch mehr indische Frauen erreichen zu können. So haben wir uns während unserer Indien-Reise im März schon nach potenziellen Standorten umgehört und auch einen ausfindig machen können. In der Nähe von Mangalore wird dieser in naher Zukunft in Betrieb gehen können. Die Vorbereitungen laufen so langsam an.

Ansonsten könnt ihr weiterhin von uns wunderschöne, handgefertigte Produkte erwarten. Momentan arbeiten wir mit einer tollen Designerin zusammen, die schon die ersten Entwürfe für 2015 zeichnet. Auf unserer Webseite und den sozialen Netzwerken werden wir euch auf dem Laufenden halten. Vorher steht jedoch erst einmal das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. Hier sind wir fleißig im Online-Shop, aber auch persönlich auf Weihnachtsmärkten in Berlin und Dresden anzutreffen.

Hast du selbst schon mal in eurem Shop eingekauft?

Klar, zu Testzwecken des Öfteren! Ansonsten kleiden wir uns natürlich auch privat gern mit Jyoti Produkten ein. Das Shirt “Lieblingsstück” in unserem Shop beispielsweise trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Es ist unser ganz persönliches Lieblingsstück aus der neuen Kollektion und wir hoffen, dass es vielen weiteren Frauen ebenso Freude bereitet wie uns.

Jeanine Glöyer

Jeanine Glöyer

Danke Caroline für deine Zeit. Möchtest du abschließend noch einen Rat an junge Gründer abgeben?

Eine Gründung kann einen schnell überwältigen. Auf einmal kommen Kosten, Steuern und rechtliche Strukturen auf einen zu, in die man sich erst einmal einarbeiten muss. Das kostet Zeit und Nerven, ist aber auch eine unglaubliche Chance, sich zu entwickeln und zu lernen. Wir haben das große Glück, dass uns unsere Arbeit unglaublichen Spaß macht. Das direkte Feedback der Frauen, dass sie nun lesen und schreiben können, in größere Häuser ziehen können und ihre Kindern und vor allem auch Töchtern nun höhere Schulbildung finanzieren gibt uns so viel Kraft. Wahrscheinlich ist eine Idee, sich eben diese Frage zu stellen, was einen anspornt und sich dies in Momenten der Überwältigung wieder vor Augen zu führen.
 
 
Über die Gründer
Jeanine Glöyer hat während ihres Freiwilligendienstes in Südindien die Lebenswirklichkeiten der indischen Frauen miterlebt. Zurück in Deutschland entstand die Idee, benachteiligte Inderinnen durch die Produktion fairer Mode zu fördern. Gemeinsam mit Caroline Rabe hat sie dann Jyoti – Fair Works gegründet. Die beiden Geschäftsführerinnen ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen akademischen Hintergründe hervorragend und leiten das Social Startup seitdem mit viel Herzblut und einem wunderbarem Team.

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