„Baut Brücken!“ – Interview mit Martin Possekel von socialpioneer

Martin-Possekel-socialpioneer23.04.2013 – Nachdem es schon länger keine Interviews mehr bei uns gegeben hat, möchten wir heute wieder eines präsentieren. Der heutige Interviewpartner heißt Martin Possekel – Gründer und Geschäftsführer der socialpioneer gGmbH. socialpioneer versteht sich unter anderem als Unterstützungsportal für soziale Gründer.

 

Herr Possekel, Sie sind Gründer und Geschäftsführer der socialpioneer gGmbH. Was ist socialpioneer?

Die socialpioneer gemeinnützige GmbH ist das Unterstützerportal für gemeinnützige Projekte, ehrenamtlich Engagierte und soziale Gründer. socialpioneer glaubt, dass jeder Einzelne nach seinen Möglichkeiten sozial aktiv werden kann – ob durch eine Spende, ein eigenes Engagement oder eine andere Form der Unterstützung.

Daher unterstützt das Portal sowohl Spender und Spendensuchende als auch Menschen, die in ihrer Freizeit (durch ein Ehrenamt) oder beruflich (als Social Entrepreneur) sozial aktiv sind – oder es werden möchten. Hierzu arbeitet socialpioneer mit etablierten Akteuren aus den verschiedenen Bereichen zusammen – und koordiniert in diesem Zusammenhang unter anderem das Hamburger social impact lab von iq consult.

Sie haben bereits reichlich Managementerfahrung bei internationalen Konzernen wie Lufthansa oder KPMG gesammelt. Was hat Sie dazu bewegt, ein gemeinnütziges Unternehmen zu gründen anstatt sich weiterhin auf Ihre berufliche Karriere zu konzentrieren?

Aber es geht ja beides und schließt sich nicht aus, im Gegenteil. In meinem eigenen Forprofit-Unternehmen bin ich als spezialisierter Unternehmensberater für analysebasiertes Marketing tätig, aber in Kombination mit socialpioneer wird für mich der sprichwörtliche Schuh daraus – und damit meine persönliche Auffassung von beruflicher Karriere. Ich glaube, dass ein sozial geprägtes berufliches Engagement den eigenen Horizont ungemein erweitert und bereichernd ist, für andere und für sich selbst.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert, als Sie von Ihren Plänen erzählten, socialpioneer zu gründen?

Positiv, nahezu uneingeschränkt. Viele Rückmeldungen waren der Art „Ich finde toll was Du da tust, das würde ich auch gerne, weiß aber nie wie ich das angehen oder umsetzen soll…“, manche sprachen sogar von Bewunderung,aber manche waren auch sehr skeptisch ob meiner Motive, in der Art „Und wo ist jetzt der Haken?“ oder „Mal ganz ehrlich, was soll das?“. Diese Skepsis gegenüber solchem Engagement scheint mir ein nicht seltenes Phänomen.

Welches Know-How, das Sie sich in Ihrem Berufsleben angeeignet haben, konnten Sie bei socialpioneer einbringen?

Meine Fähigkeit, einerseits Neues zu denken und zu schaffen, weil diese Welt sich grundsätzlich – und ich meine immer schneller – wandelt und verändert und meine Fähigkeit, Bestehendes in existierenden Strukturen immer wieder zu überdenken, in Frage zu stellen und nach besseren Lösungen zu suchen. Aber vor allem meine Erfahrung, mit Menschen verschiedener Professionen, Denkweisen, Einstellungen und Haltungen zu sprechen, zu diskutieren und gemeinsam etwas zu bewegen.

Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie bei socialpioneer bisher gelernt haben?

Dass einem „Quereinsteiger“ nicht selten mit Misstrauen begegnet wird, mir an manchen Stellen/manchmal die „soziale Vita“ fehlt, um sofort als Teil der „Szene“ angenommen zu werden – und dass man dem durch stringente Argumentation und professionelles Handeln begegnen kann. Professionelles Handeln mit einer sozialen Haltung ist möglich und insgesamt wichtig für diesen Sektor.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Schwierigkeiten bei der Gründung eines Sozialunternehmens?

Die Entwicklung eines dauerhaft tragfähigen Geschäftsmodells und die ersten Schritte der Umsetzung, was auch die grundlegende Finanzierung beinhaltet. Hierbei spielen Initiativen wie das social impact lab oder start social eine sehr wichtige Rolle, um diese Hürden erfolgreich anzugehen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von socialpioneer?

Wir bauen socialpioneer gerade zu einem Sozialunternehmen mit forprofit-Tochtergesellschaft aus und wünschen uns, durch den Markterfolg dieser Tochtergesellschaft dauerhafte Erlösströme generieren zu können, die uns helfen, unabhängig von Zuwendungen unsere ausgewählten Projekte fördern und unterstützen zu können.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Unternehmensform der gemeinnützigen GmbH entschieden?

Wir wollten das verantwortliche Handeln von verantwortlichen Organen (Geschäftsführung, Gesellschafter) so pragmatisch und strukturiert ermöglichen, wie es in forprofit-Kapitalgesellschaften der Fall ist.

Wenn Sie jungen Sozialunternehmern etwas mitteilen wollten, was wäre das?

Baut Brücken! Mit unternehmerischem Sachverstand und Antrieb etwas sozial Nützliches und Wirksames schaffen, eine Brücke bauen zwischen diesen beiden leider noch zu oft ideell getrennten „Welten“. Geld verdienen und Gutes bewirken. Und immer darauf achten, dass man nicht „sinngetrieben“ seine eigene Ressource verbrennt, das nützt niemandem, erst recht nicht der guten Sache.

Könnten Sie zum Abschluss noch kurz etwas zu Ihrer Person sagen?

Folgende Sätze hätte ich gerne als Erster gesagt, weil Sie große Teile meiner Haltung auf den Punkt bringen: „Life is what happens to you while busy making other plans“ (John Lennon) und „Ganz vorne ist da, wo sich noch keiner auskennt“ (Conrad Fritzsch).

Ähnliche Beiträge

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Unsere Partner

Energienpoint clean energy project Forum Nachhaltig Wirtschaften FairMail Lektorat Lambert JOBVERDE.de Enactus-Goehte-Universität karrierefaktor
Unsere Seite auf Google+