Deutschland rundet auf in der Kritik – Guter Zweck oder doch nicht?

deutschland rundet auf29.10.2012 – Vor einiger Zeit tauchte ein provokanter Artikel von evidero.de auf, der Kritik daran ausübte, dass einige Großunternehmen sich unter dem „grünen“ Deckmantel verstecken und die Aktion Deutschland rundet auf zum Zwecke von „Greenwashing“ nutzen. Mit sozialer Nachhaltigkeit hätte das wenig zu tun, so die Hauptaussage von Annette Bonse, der Autorin des besagten Artikels. Ist die Aktion Deutschland rundet auf deshalb nicht ernst zu nehmen?

Christian Vater, der Gründer des jungen Unternehmens, stellte vor der Gründung fest, dass Kinderarmut nicht nur ein Phänomen der Dritten Welt ist, sondern, dass es auch hierzulande Kinder gibt, die statistisch gesehen in Armut leben. Diesen Umstand wollte er ändern und suchte nach Wegen, wie man dieses Problem auf eine innovative Art und Weise ändern könnte.

Es ist allgemein bekannt, dass der Anteil der (regelmäßigen) Spender in Deutschland gemessen an der Gesamtbevölkerung im Vergleich zu den USA und westeuropäischen Staaten unter dem Durchschnitt liegt. So war eine Revolution in diesem Bereich in Deutschland längst fällig. Und genau dort setzt auch die Idee von Deutschland rundet auf an: Bei den Partnern von Deutschland rundet auf – meist Einzelhandelsketten – können Kunden nach ihrem Einkauf auf den nächsten Zehn-Cent-Betrag aufrunden. Wenn Kunden also Waren im Wert €9,76 kaufen, können sie auf €9,80 aufrunden, indem sie an der Kasse „Aufrunden, bitte!“ sagen. Der aufgerundete Betrag wird – laut eigenen Angaben – zu 100% an ein von Deutschland rundet auf ausgewähltes Projekt gespendet. Dabei steht Transparenz an oberster Stelle.

Was hat es nun mit der Kritik an Deutschland rundet auf auf sich?

Das Geschäftsmodell von Deutschland rundet auf kann nur mithilfe von großen Handelspartnern funktionieren, denn damit Deutschland rundet auf – wie versprochen – die Spendenbeträge zu 100% weitergeben und die eigenen Kosten anderweitig decken kann, bezahlen Einzelhandelsketten wie Kaufland oder Douglas eine Gebühr an Deutschland rundet auf und „erkaufen“ sich somit ein besseres Image. Bei den meisten Partnern ist daran nichts zu bemängeln, doch bei anderen Partnern kommt wiederum Kritik auf.

So kritisiert Annette Bonse im oben erwähnten Artikel, dass die Unternehmen Reno und Kik bei Deutschland rundet auf mitmachen, um (zu Unrecht) ein sozialgeprägtes Unternehmensimage zu vermitteln. Laut Stiftung Warentest habe Reno nämlich nicht einmal Richtlinien, die mit Corporate Social Responsibility (CSR) zu tun haben und das Unternehmen Kik, „Der König der Billiganbieter“, so Bonse, beschäftige billige Arbeitskräfte in Bangladesch für ein Monatsgehalt in Höhe von umgerechnet €30.

Was ist also davon zu halten, dass jemand, der bei Kik Kleidung zu Dumpingpreisen kauft, einige Cent spendet, während die Arbeitskräfte in Bangladesch von einem Hungerlohn leben müssen?

Nun, hierzu muss gesagt werden, dass Deutschland rundet auf von der Zielscheibe der Kritiker entfernt werden muss, denn die Idee, die hinter diesem Projekt steckt, besteht nicht darin, Unternehmen ein gutes Image zu verkaufen. Das Ziel des Gründers war es, von Anfang an ein soziales Problem zu lösen, nämlich das der Kinderarmut in Deutschland. Dass dafür große Partnerunternehmen benötigt werden, um die Erfolgschancen des Projektes zu maximieren, war dem Gründer wahrscheinlich bewusst. In welche „Machenschaften“ die Partner von Deutschland rundet auf aber Letzten Endes verwickelt sind, dafür kann die Aktion selbst nichts.

Die andere Frage ist es, zu klären, was die Aktion den Partnerunternehmen eigentlich bringt. Ist es wirklich so, dass der Nutzen der Aktion tatsächlich höher ist als die Kosten für die Teilnahme? Das lässt sich vielleicht noch nicht sagen. Außerdem lässt es sich darüber streiten, ob die besagten Unternehmen aus Imagegründen mitmachen wollen oder ob nicht doch ein wenig Menschlichkeit in den Verantwortlichen steckt.

Natürlich ist die Kritik an den Unternehmen berechtigt, die ihre Arbeitskräfte zu Hungerlöhnen im Ausland beschäftigen – und das unabhängig davon, ob sie bei sozialen Projekten wie Deutschland rundet auf mitmachen oder nicht. Die Teilnahme bei Deutschland rundet auf könnte für solche Unternehmen vielleicht jedoch der erste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit sein.
Man sollte auch daran denken, dass dieses Hungerlohn-Geschäftsmodell von uns als Kunden finanziert wird. Nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage liegt es also an uns allen, diesen Umstand zu ändern, indem wir unser Konsumverhalten überdenken.

Lieber ein paar Cents von Kik für einen guten Zweck als gar nichts, so lautet das Fazit von social-startups.de.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Thema!

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3 Kommentare

  1. Holger Wüstrich /

    Es ist für mich nicht nachvollziehbar,das wir in dem doch so reichen Deutschland,Spenden sammeln sollen,damit es unseren Kinder besser gehen soll.Wir haben für alles und jeden Geld,nur um die Kinder-und Altersarmut zu bekämpfen ist kein Geld da.Armes Deutschland

  2. Dem würde ich im Großen und Ganzen zustimmen, nur sollte man „reiches“ Deutschland wohl eher in „verschuldetes“ umändern. Davon abgesehen sind unsere Steuern, die wir Endverbraucher auf alles mögliche zahlen dürfen, ja auch nicht grad die geringsten und Spenden ins Ausland geht irgendwie komischerweise immer…

  3. anzynder /

    was ist eigentlic mit der kostenersparnis der einzelhandelsgruppen fur weniger wechselgeld, das ist doch eines der ziele, elche die supermärkte verfolgen. kleingeld ist teuer in der beschaffung.

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