Deutsche Arbeitnehmer: Höchster Krankenstand seit 20 Jahren

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14.10.2016 – Wie eine Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt, fehlten deutsche Arbeitnehmer im ersten Halbjahr dieses Jahres durchschnittlich 12,3 Tage aufgrund von Krankheit. Somit ist der Krankenstand so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr – gerade für Startups kann das zu eine Problem werden. Wie die DAK-Analyse zeigt, sind dafür vor allem zwei Krankheitsarten verantwortlich.

Während deutsche Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2015 noch rund 11,7 Tage fehlten, sind es in diesem Jahr schon 12,3 Tage gewesen. Wie eine Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt, ist der Krankenstand so hoch, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die DAK-Analyse, für welche die Krankenkasse 2,6 Millionen Versichertendaten auswertete, macht klar: Wo früher noch auf die Zähne gebissen wurde, folgt heute eine Krankmeldung. Der Krankenstand der Unternehmen lag in den ersten sechs Monaten des Jahres bei 4,4 Prozent, was dem Höchstwert seit 20 Jahren entspricht. Im Jahr 1995 betrug der Krankenstand 5,1 Prozent.

Erstes Halbjahr 2016: Mehr als ein Drittel krankgeschrieben

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller Berufstätigen fehlten im ersten Halbjahr dieses Jahres mindestens einmal aufgrund einer Krankeschreibung. Nachdem der Krankenstand im vergangenen Jahr noch 0,3 Prozent unter dem diesjährigen Wert lag, stellt sich die Frage nach dem Warum. Denn im Vergleich zum letzten Jahr gab es in diesem Jahr nicht mal mehr eine starke Erkältungswelle, mit der sich die Zahlen erklären ließen. Verantwortlich für die Zunahme an Krankheitstagen waren vor allem Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden. In beiden Bereichen stieg die Anzahl der Krankheitstage um je 13 Prozent. Aber auch durch Atemwegserkrankungen entstehen viele Fehltage.


2016 2015
1. Muskel-Skelett-System 21,7 % 20,6 %
2. Atmungssystem 17,4 % 20,4 %
3. Psychische Erkrankungen  15,9 % 15,0 %
4. Verletzungen und Vergiftungen  11,6 % 10,9 %
5. Verdauungssystem  5,1 % 5,1 %
6. Infektionen  4,6 % 5,0 %
7. Neubildungen  4,3 % 4,3 %
8. Nervensystem, Augen, Ohren  4,2 % 4,2 %
9. Kreislaufsystem  4,1 % 4,1 %
10. Unspezifische Symptome  3,9 %  3,9 %

 

„Ich hab‘ Rücken“ – Ein Satz, der in aller Munde scheint. Denn durch Rückenleiden sahen sich die meisten Arbeitnehmer gezwungen, zum Arzt zu gehen. Während Frauen häufiger von Depressionen oder ähnlichen psychischen Erkrankungen betroffen sind, haben sie deutliche weniger Probleme mit Muskel-Skelett-Erkrankungen. Bei den Männern zeigt sich Gegenteiliges: Hier stehen die Muskel-Skelett-Erkrankungen ganz oben, Depressionen spielen kaum eine Rolle. Aufgrund von psychologischen Problemen fehlten Frauen rund 35 Tage. Zum Vergleich: Bei Krebserkrankungen sind es 32 Tage.
Auch Atemwegserkrankungen haben mit 17,4 Prozent immer noch einen hohen Anteil an den Krankheitstagen. Doch weil wir im letzten Jahr – anders als in diesem Jahr – mit einer starken Erkältungswelle zu kämpfen hatten, war dieser Wert im vergangenen Jahr noch höher (20,4 Prozent). Auf dem vierten Rang liegen Verletzungen und Vergiftungen, auf Platz 5 folgen Probleme mit dem Verdauungssystem. Was den Krankenstand betrifft, gibt es sogar regionale Unterschiede: In den neuen Bundesländern liegt der Krankenstand bei 5,5 Prozent, in den alten bei 4,2.

Je besser die Konjunktur, desto mehr krankheitsbedingte Ausfälle

DAK-Sprecherin Dagmar Schramm sieht einen Zusammenhang zwischen krankheitsbedingten Ausfällen und der Konjunktur. In der Regel sinke dann der Krankenstand, wenn auch die Konjunktur schwächelt. Schramm erklärt dies vor allem mit dem psychologischen Druck der Arbeitnehmer. Wenn es gut läuft, dann wären die Hemmungen geringer, sich krankzumelden. Doch auch der Personalabbau und die generelle Rationalisierung sind ein Problem, da sich viele Beschäftigte von der allgemeinen Situation gestresst zeigten. Unter diesem Einfluss könnten auch weitreichende Erkrankungen wie Depressionen entstehen.

Viele Arbeitnehmer sind darüber hinaus auch nach dem Feierabend für den Chef und ihre Kollegen erreichbar, was das Stresslevel weiter erhöht. Das besagt eine Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit. Laut ihr wird von rund einem Viertel der Berufstätigen erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten erreichbar sind. Folgen dieser Lebensweise sind oft erst nach mehreren Monaten zu sehen und äußern sich in Schlafstörungen und dem Verlust der Erholungsfähigkeit. Die Initiative Gesundheit und Arbeit weist außerdem darauf hin, dass vor allem Dauerbelastung über einen längeren Zeitraum problematisch sei. Von ein paar stressigen Wochen hingegen erholt sich ein Arbeitnehmer in der Regel recht schnell. Die Voraussetzung dafür sei allerdings eine darauffolgende Erholungsphase.

82 Prozent der Befragten haben Krankheit im Urlaub noch nie gemeldet

Und auch in puncto Urlaub nehmen Arbeitnehmer oftmals zu viel Rücksicht auf ihren Chef und ihre Kollegen. Denn wer im Urlaub krank wird, macht seine Urlaubstage beim Arbeitgeber selten geltend. Das zeigt eine von der Deutschen Presse-Agentur in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Demnach haben 82 Prozent der Befragten noch nie gemeldet, dass sie im Urlaub krank geworden sind. Nur 15 Prozent haben dies schon mal getan. Dabei sieht das Bundesurlaubsgesetz vor, dass während des Urlaubs entstandene Krankheitstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden. Denn wer krank ist, ist nicht urlaubsfähig. Voraussetzung ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Und genau darin liegt das Problem. Die meisten Menschen sind schlichtweg zu faul, ihre Urlaubszeit mit Arztbesuchen zu verbringen. Verständlich, aber nachteilig.
Und auch wenn sie Zuhause mal krank sind, finden viele Arbeitnehmer skurrile Lösungen. Denn, soviel ist sicher, ans Bett gefesselt sind sie in dieser Zeit definitiv nicht. Erlaubt ist nämlich alles, was die Genesung fördert. Das kann auch durchaus mal eine sportliche Betätigung sein. Auch ein Besuch bei Bekannten oder im Kino sind durchaus kein Problem. Zumindest dann nicht, wenn dadurch der Grund der Krankmeldung nicht verstärkt wird.

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Moritz Hoffmann

Moritz Hoffmann

Über den Autor
Moritz Hofmann studierte Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund und ist Geschäftsführer der clickbits GmbH in Unna. Das Unternehmen vertreibt seit 2009 die Zeiterfassungssoftware clockodo. Mit dem webbasierten Tool können Arbeitszeiten schnell, unkompliziert und zuverlässig online erfasst werden. Außerdem ist die Erstellung umfangreicher Berichte möglich.

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