Der Global Entrepreneurship Monitor 2016

Global Entrepreneurship Monitor

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01.12.2017 – Eine wenig entwickelte Gründungskultur, geringe unternehmerische Tätigkeiten und eine schlechte Gründungsausbildung – der Global Entrepreneurship Monitor zeigt Deutschland in einem weniger guten Licht hinsichtlich Entrepreneurship. Eine Zusammenfassung aus dem 2016/2017er Bericht.

Zum 18. Mal wurde in diesem Jahr der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) veröffentlicht. GEM ist ein internationales Forschungskonsortium, das länderspezifische Studien zur Analyse von Gründungsaktivitäten und -einstellungen durchführt. Der diesjährige Bericht basiert auf 65 Länder, wobei jedes Land auch einen eigenen Länderbericht veröffentlicht. Wir haben einige der interessantesten Fakten bezüglich Deutschland und Europa für euch aufbereitet:

Gründungskultur

Im regionalen Vergleich hat Europa die schlechteste Einstellung zur Selbstständigkeit als Erwerbsalternative. Während 75% der Befragten in Afrika glauben, dass Entrepreneurship eine gute Karrieremöglichkeit ist, sind in Europa nur 58% dieser Meinung. Diese Zahl variiert jedoch stark zwischen den Ländern: während nur 40% der Schweizer eine positive Auffassung hinsichtlich Entrepreneurship zeigen, liegt diese bei den Niederländern bei 78%. Deutschland belegt mit 51,8% Patz 53. Auch hinsichtlich der medialen Aufmerksamkeit für Entrepreneurship weist Europa das geringste Niveau auf.

Einschätzung von Gründungschancen und -fähigkeiten

Die Gründungsentscheidung sowie deren Erfolg werden insbesondere von der individuellen Wahrnehmung der eigenen Chancen und Fähigkeiten (mit) bestimmt. 2016 zeigte Europa die geringsten Werte in dieser Hinsicht. Während nur rund 40% der Europäer Chancen für die Selbstständigkeit in ihrem Arbeitsgebiet sehen, glauben weniger als die Hälfte, dass sie die benötigten Gründungsfähigkeiten besitzen. Die Einschätzung von Gründungschancen variiert jedoch wieder stark zwischen den Ländern: von 13% in Griechenland (Platz 65) über 37,6% in Deutschland (Platz 40) bis hin zu 79% in Schweden (Platz 2). Hinsichtlich der Einschätzung der eigenen Gründungsfähigkeiten belegt Deutschland hingegen Platz 55. Hier sind jedoch Unterschiede zwischen den Geschlechtern (Männer: 44%, Frauen: 31%) und nach dem Bildungsabschluss (z.B. Abitur: 24%, Hochschulabsolventen: 53%) zu sehen. Eine wichtige Variable in diesem Zusammenhang ist außerdem die persönliche Kenntnis einer anderen Gründerperson. Derartige Vorbildfunktionen können, Studien zufolge, die individuelle Gründungsentscheidung stark beeinflussen (positiv und negativ).

Die Startphase

Mit 8,5% weist Europa die geringste Total-Early-Stage Entrepreneurial Activity (TEA) auf. Mit anderen Worten: in Deutschland gibt es nur halb so viele werdende und neue Gründer wie in Afrika und Lateinamerika. Wie bereits im Vorjahr zeigt Deutschland mit 5% die geringste TEA-Quote der gesamten Stichprobe auf, zusammen mit Bulgarien und Malaysia. Auch hier sind Geschlechterunterschiede zu sehen: während die TEA-Quote für Männer in Deutschland bei 6% liegt, sind es bei Frauen lediglich 3,1%. Insgesamt besitzt Europa mit 6% die geringste Frauenbeteiligung in der Gründungsphase.

Branchenbeteiligung

Während nur ein Viertel der europäischen Entrepreneure im Groß- und Einzelhandelsbereich aktiv sind, operieren rund 46% der Entrepreneure im Technologie-, Finanz- und Unternehmensdienstleistungssektor. Außerdem weist Europa nach Afrika (13%) die meisten Entrepreneure im Agrarsektor auf (8%); verglichen mit weniger als 5% in den anderen Regionen.

Der Gründungsstandort Deutschland

Im internationalen Vergleich können in Deutschland nur sieben der 16 gründungsbezogenen Rahmenbedingungen als positiv bewertet werden. Darunter fallen beispielsweise die physische Infrastruktur, die Wertschätzung von Innovationen und der Schutz des geistigen Eigentums. In den restlichen Rahmenbedingungen liegt Deutschland jedoch unter dem theoretischen Mittelwert. Das Schlusslicht bildet hier seit Jahren die schulische Gründungsausbildung. Nach wie vor erhält die Selbstständigkeit als Alternative zum Angestelltenverhältnis demnach kaum Aufmerksamkeit von den Kultusministerien. Dies liegt unter anderem daran, dass die Politik noch immer kaum Engagement oder Fokussierung in dieser Richtung zeigt. Als weitere Schwächen des Gründungsstandortes Deutschland wurden außerdem die starke Belastung durch Steuern und Regulierungen, die Werte und Normen hinsichtlich der unternehmerischen Selbstständigkeit sowie die außerschulische Gründungsausbildung identifiziert. Darüber hinaus sind mehr als die Hälfte der Experten der Meinung, dass die die öffentliche Förderung in Deutschland Unternehmensgründungen nicht besonders begünstigt.

Obwohl sich einige Faktoren im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert haben, zeigt dieser Bericht einmal mehr, dass unmittelbarer politischer Handlungsbedarf hinsichtlich Entrepreneurship besteht. Wie in den vergangenen Jahren sind Gründungen in Deutschland eher eine Seltenheit – insbesondere im direkten internationalen Vergleich. Dabei sind es gerade die innovativen Ideen der Entrepreneure, die Wirtschaft und Gesellschaft in Schwung halten. Um eine ausgeprägte Gründungskultur zu schaffen, sollte die berufliche Selbstständigkeit bereits in der Schule als Alternative zur abhängigen Beschäftigung beworben werden. Was Deutschland benötigt ist eine aktive Gründungsförderung durch Politik und Gesellschaft.

(Autorin: Tamara Schiek)

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