Biogas für ein Krankenhaus in Nigeria

Biogas08.07.2015 – Auf der neuen Crowdfunding-Plattform EcoCrowd, die sich auf den Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert hat, tummeln sich einige interessante Ideen und tolle Projekte. In unserer neuen Reihe “Nachhaltigkeit jetzt!” stellen sich die Projektinhaber unseren Fragen. Heute ist das Projekt Biogas für ein Krankenhaus in Nigeria an der Reihe. Die Kampagne wurde letzte Woche mit Erfolg abgeschlossen.
 

Könnt ihr euch und euer Projekt kurz vorstellen?

„Human & Environment“ ist ein kleiner Bremer Verein für Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria. Wir arbeiten eng mit einer nigerianischen NGO zusammen, der „Human Relation & Environmental Protection Foundation“. Beide Organisationen wurden von James Olusanmi gegründet, einem Nigerianer, der in seiner Jugend in Bremen studiert hat. Hier in Deutschland besteht unsere Aufgabe vor allem in entwicklungspolitischer Bildungsarbeit. Wir möchten den Dialog mit afrikanischen Migrantinnen und Migranten in Bremen verbessern und organisieren dafür zum Beispiel Fortbildungskurse. Außerdem sammeln wir Spendengelder, die wir an die NGO in Nigeria schicken, damit diese ihre Projekte durchführen kann. Das sind zum Beispiel Mikrokredite und der Bau von kleinen Biogas-Anlagen. Unsere Crowdfunding-Kampagne steht im Zusammenhang mit diesem Biogas-Projekt. Schon vor einiger Zeit wurde eine Biogas-Anlage für das Olajumoke-Hospital in Ibadan gebaut. Mit dem Geld, das wir nun sammeln, soll eine neue Küche für das Krankenhaus gebaut werden, in der dann mit dem produzierten Biogas gekocht wird.
 

Wann kam euch die Idee für das Projekt?

Die Idee, es mal mit Crowdfunding zu probieren, kam schon vor fast einem halben Jahr. Wir haben damals eine kleine Studentengruppe gegründet, die sich einmal im Monat treffen sollte, um neue Ideen zu sammeln. Ende 2014 war dann James Olusanmi zu Besuch in Bremen. Er erzählte von seinem Plan, eine neue Küche für das Krankenhaus zu bauen, und wieviel Geld er dafür benötigen würde. Das war der Zeitpunkt, an dem wir beschlossen haben, die Kampagne zu starten. Danach hat es allerdings noch eine ganze Weile gedauert, bis wir das Projekt tatsächlich umgesetzt haben.
 

Worin genau besteht die soziale Komponente des Projekts?

 
Wir helfen im kleinem Rahmen, aber schrittweise Veränderungen können am Ende auch große Veränderungen bewirken. Ganz konkret haben die Patienten im Olajumoke Krankenhaus etwas davon. Sie werden nicht verpflegt, deshalb müssen ihre Angehörigen jeden Tag für sie kochen. Sie nutzen dafür die Krankenhausküche. Wir halten es also für absolut sinnvoll, dass dort mit Biogas gekocht wird. Es spart Energie und ist sogar ziemlich bequem, denn das Krankenhaus produziert sein Biogas selbst mit organischen Abfällen. Und das Olajumoke-Hospital ist nur ein Modell-Projekt. Wenn sich die Anerkennung für Biogas als erneuerbarer Energiequelle in Nigeria verbreitet, kann das irgendwann größere Fortschritte für dieses Land bringen. Nigerias Abhängigkeit vom Erdöl ist auf Dauer nicht gesund, wie man aktuell auch gerade sehen kann.
 

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Wir haben für den Bau der Küche maximal 2.400 Euro veranschlagt. Die Bauplanung wird James Olusanmi selbst übernehmen. Als finanzielles Polster für die Transaktionsgebühren und Tauschgüter haben wir noch 200 Euro oben drauf gerechnet. H&E hat keine Einnahmen außer den Mitgliedsbeiträgen, deshalb wollten wir auf der sicheren Seite sein. Alles Geld, das wir über Spenden einnehmen, wird nach Nigeria transferiert – übrigens grundsätzlich und nicht nur bei dieser Crowdfunding-Kampagne. Hier in Deutschland sind alle Mitglieder ehrenamtlich tätig.
 

Was sind eure Ziele für die nächsten 12 Monate?

Wir werden noch vor den Sommerferien einen afrikanischen Kochkurs veranstalten. Eine Köchin ist bereits engagiert und wir dürfen die Küche einer Schule hier in Bremen nutzen. Wir werden gemeinsam typisch afrikanische Gerichte kochen. Es ist das erste Mal, dass wir das machen, und bei Erfolg werden wir das sicher wiederholen. Außerdem gibt es die Idee, dass wir Freizeitgestaltung mit Flüchtlingen hier in Bremen organisieren – also vielleicht Filmabende oder etwas in der Art. Und es ist ein Workshop zu afrikanischer Heilkunst geplant, dazu gibt es aber noch nichts Genaueres.
 

Was ist die größte Herausforderung für euch?

Grundsätzlich ist es für einen kleinen Verein immer schwierig, Mitglieder zu gewinnen – und vor allem aktive Mitglieder, die regelmäßig Aktionen organisieren möchten. Deshalb haben wir unsere kleine Studentengruppe gegründet, um in dieser Hinsicht mehr am Ball zu bleiben und uns in Bremen bekannter zu machen. Davon hängen schlussendlich auch unsere finanziellen Möglichkeiten ab. Seitdem wir die Crowdfunding-Kampagne gestartet haben, erhält aber zum Beispiel unsere Facebook-Seite mehr Zulauf – das ist schonmal super! Natürlich wünschen wir uns auch, dass die Arbeit für unsere Partner-NGO in Nigeria irgendwann leichter wird. Die Lage in Nigeria ist wirklich schwierig zurzeit. Durch zunehmende Arbeitslosigkeit und Inflation funktioniert beispielsweise das Mikrokredit-Programm auch nicht mehr so gut. Letztlich ist die NGO finanziell von uns in Deutschland abhängig, und das sollte sich natürlich irgendwann ändern.
 

Mit wem würdet ihr euch mal zum Mittagessen verabreden?

Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht mit Muhammad Yunus, dem Gründer der Grameen Bank für Mikrokredite in Bangladesch. Er hat immerhin für sein Werk den Friedensnobelpreis gewonnen und ist sicher ein sehr interessanter Gesprächspartner, von dem man viel für unser eigenes Mikrokredite-Programm lernen kann!

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