Auf der Z2X ist Tante Inge die Beste

Jan Böhmermann verlieh der Z2X Konferenz zusätzlichen Glanz

06.09.2017 – 2ZX – so heißt das von Zeit Online veranstaltete Event, welches am ersten Wochenende des Septembers nun schon zum zweiten Mal stattfand. Fabian Oestreicher war dort und beantwortet die wichtigsten Fragen für social-startup.de.

 

Warum sollte mich die Z2X interessieren?

Die Z2X hat eine klar umgrenzte Zielgruppe: 800 Engagierte Leute im 2X Alter, also von 20 bis 29 Jahren. Trotzdem hat die Veranstaltung meiner Ansicht nach Relevanz darüber hinaus. So ist sie das erste Event mit Social Entrepreneurship-Bezug, welche von einer der großen Zeitungen in Hauptverantwortung organisiert wird (bei Widerspruch gerne einen Kommentar hinterlassen). Die erste Ausgabe habe auch bei der Redaktion ihre Wirkung gezeigt. Man fühle sich nun nicht mehr wie die allwissenden Welterklärer, sondern als Gastgeber für interessante Beiträge, so der Zeit Online Chefredakteur Jochen Wegner. Außerdem lernten auch die anwesenden Zeit-Journalisten, die auch als Mentoren fungierten, mehr über das Thema.

Durch die Zeitung im Rücken erhält die Veranstaltung eine Relevanz an Reichweite, die andere Fachblätter nicht anbieten können. Zudem konnte durch wenige Sponsoren der Eintritt kostenlos gehalten werden. Dies erleichterte auch Menschen mit geringerem Einkommen die Teilnahme.

Auch Social Startup-Akteure wie  Startnext und Social Impact buhlten um die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Sie dürfen sich erhoffen, dass ihre Existenz noch bekannter wird. Wenn man so will Stargäste waren einerseits Jan Böhmermann und Joe Houston. Bei Ersterem hatten einige Gäste Bedenken, dass das Event zur großen Jan Böhmermann-Show verkommen würde. Doch nach einer großen Frag-Mich-Alles-Runde war das Tohuwabohu für die meisten Anwesenden schon wieder vorbei. Und als positiven Effekt hob die Anwesenheit des Satirikers die Bedeutung des Events noch einmal auf eine andere Stufe. Joe Houston war einer der wenigen internationalen Gäste und arbeitet in den USA für eines der größten Grundeinkommen-Projekte GiveDirectly. Aber auch ansonsten waren einige bekannte Gesichter aus Funk, das Jugendangebot war ein weiterer Partner, und Fernsehen, sowie der Social-Startup-Szene zugegen. Die Organisatoren entschieden sich dagegen, bei Angela Merkel und Martin Schulz anzuklopfen, schließlich sollte es keine Wahlkampfveranstaltung werden, auch wenn es später alternative Vorschläge gab:

Was für einen Impact das Z2X noch hat, kann an den Gewinnern der Vorjahresausgabe gezeigt werden, dazu unten mehr.

 

Was ist es?

Das Z2X nennt sich Festival der jungen Visionäre. Das ist natürlich hochgegriffen und traf vielleicht tatsächlich nur auf eine Minderheit des Teilnehmerfelds zu. Ansonsten waren aber Idealisten, Optimisten, Diskussionsfreudige und Neugierige in Mengen zu finden. Sie alle bekamen Blitzvorträge, Workshops und Frag Mich Alles-Runden zur Auswahl, welche sie über zwei Tagen verteilt besuchen durften. Dieses Mal neu waren sogenannte Skills-Workshops (z.B. mit dem Smartphone seine Idee verfilmen). Insgesamt 800 Leute waren auf der Suche nach ihrer Wunschsession. Das waren 300 Menschen mehr als letztes Jahr, weswegen zusätzlich Zelte auf- und Security eingestellt wurden und das Areal rund um das ebenfalls spannende Holzmarkt-Projekt mitgenutzt wurde. Die Bewerbungen sollen in die Tausende gegangen sein.

 

Gab es etwas zu gewinnen?

Sicher doch, jedoch kein Millionen-Investment. Stattdessen konnte eine regelmäßige Berichterstattung von Zeit Online, sowie Beratung von startnext und Social Impact ergattert werden. Von einer Jury wurden zehn vielversprechende Ideen des Wochenendes ausgewählt. Diese durften sich dem Plenum noch einmal kurz vorstellen und dann wurden mit je drei Tischtennisbällen pro Teilnehmer die Gewinner gekürt.

Gewonnen haben nach dem Auszählen der Stimmen:

3.) Insectus: Afrikanische Orte dabei per Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen, Insekten als Proteinquelle zu züchten

2.) Internetwache.org: Cybersicherheit in Deutschland stärken

1.) Tante Inge: Z8X mit Z2X zusammenbringen, mit Patenschaften zwischen Studierenden und Senioren als OpenProject zum Nachmachen

Weiterhin im Finale waren:

Diskutier mit mir: Menschen mit unterschiedlicher Parteienpräferenz matchen und zum geordneten anonymen Dialog bringen

Confidance (ohne Link): Tanzen in die Grundschulen bringen für mehr Selbstvertrauen der Schüler und Schülerinnen

Rundfunk mitbestimmen: Auf einer Internetplattform wählen, welche Fernsehformate tatsächlich geschaut werden wollen, um die Präferenz an die Verantwortlichen weiterzugeben und irgendwann einmal die Gebühren danach auszurichten

Kleiderei: Kleidung monatlich online leihen

Refill Greifswald: Geschäfte, Imbisse und Restaurants dazu bringen, kostenlos Leitungswasser anzubieten

Matchmycity.org: Anderen Städten neben Berlin und Hamburg eine Chance geben, indem die eigenen Interessen mit den Vorzügen kleinerer Städte verglichen werden. Die Daten können den Stadtverantwortlichen helfen zu identifizieren, was der Bedarf von potenziell Interessierten ist.

OneWeekStudent: Hilfe bei der Orientierung für den richtigen Studiengang geben, in dem Studierende Interessenten eine Woche lang in den Uni-Alltag mitnehmen. Gibt es auch mit Ausrichtung für Auszubildende.

 

Was sagt das Ergebnis aus?

Das Gewinner-Projekt „Tante Inge“ könnte ausgewählt worden sein, da die Anwesenden doppelt berührt wurden. Einmal als aktive Zielgruppe und indirekt durch eigene Großeltern, die man zwecks Entfernung der Unistadt nur noch selten sieht.

Die Auszeichnung der Internetwache ist eine nette Geste an zwei IT-Studenten, die sich mit etwas Wichtigem beschäftigen, wovon die wenigsten Ahnung haben. Inwiefern sie von den Förderungen profitieren können, lässt sich jedoch zunächst nicht erschließen.

Generell zeigt die Auswahl eine große Bandbreite an verschiedenen Themen, das ist der Jury gut gelungen. Die Frage nach dem Visionärsgrad bleibt dem Leser überlassen, dürfte sich aber viel mehr auf den gemeinsamen Spirit beziehen. Mit der Kleiderei (welches jedoch durch ihre fünfjährige Existenz etwas aus der Reihe fällt), Insectus (ein Enactus-Projekt) und OneWeekStudent sind die Projekte mit klar ausgesprochenem oder auf der Webseite ersichtlichen Geschäftsmodell jedoch in der Minderheit. Dabei gab es beispielsweise mit Readymade (Möbel mieten statt kaufen) und Aslan& (Mental Health App) auch noch andere vielversprechende Konzepte in den Startlöchern. Es wird sich zeigen, wie die anderen Ideen das Jahr überstehen werden, sie dürften sicher jedoch einige neue Interessenten gewonnen haben.

Die Gewinner 2016 waren übrigens FreeInterRail, deren Initiatoren einmal quer durch die EU geschickt wurden, jedoch weit von ihrem eigentlichen Ziel des kostenlosen Interrail-Tickets für 18-Jährige landeten und jetzt auf die Crowd hoffen. TipMe (globales Trinkgeld für Produkte) und Ovie (Globales Grundeinkommen) sind weiter am Aufbau ihrer Vision dran. Alle beschwörten den medialen Push-Effekt, der durch die mediale Verbreitung aufkam. Oder wie es der der Tip Me-Initiator Jonathan Funke beschrieb: „Danke für den Arschtritt!“

 

Und 2018?

Da wird es höchstwahrscheinlich wieder ein Z2X geben, genauso wie kleinere lokale Formate. Hierfür ist man Stiftungen im Gespräch, für die ZEIT ist das Event alleine ein Verlustgeschäft. Das wird wohl jedoch wieder gerne eingegangen. Schließlich dürfte es ein enormer Imagegewinn gegenüber anderen Medien bei den „Weltrettern von Morgen“ geben. Wer noch nicht das dreißigste Lebensalter erreicht hat, nach Inspirationen, Vernetzungsmöglichkeiten und auch bekannten Gesichtern aus dem Internet giert, der sollte sich schon einmal die Z2X18 vormerken.

 

Über den Autor: Fabian Oestreicher studiert den Master Sustainability Economics & Management in Oldenburg und hat sich vom Thema Social Entrepreneurship begeistern lassen. Er arbeitet für die Hilfswerft und macht den Podcast CSyeah.

 

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